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Predigt:

23. Sonntag im Jahreskreis B (07.09.2003)

L1: Jes 35,4-7a; L2: Jak 2,1-5; Ev: Mk 7,31-37


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Auch heuer wieder macht unserer Pfarre Aggsbach-Markt ihre Fußwallfahrt nach Maria Laach am Jauerling. Wir freuen uns, dass wir in dieser schönen Kirche zu Gast sein dürfen und dass uns die „Friedenssänger“ helfen, den Gottesdienst würdig und schön zu gestalten!

Wir sind zur Mutter der Gnaden gepilgert, zur heiligen Jungfrau Maria, zur Mutter Gottes und auch unserer himmlischen Mutter. Auf ihre Liebe und ihren mütterlichen Schutz vertrauen wir; ihrer Fürsprache empfehlen wir uns und unsere Angehörigen, Freunde, Bekannten und alle Menschen!

Wenn wir Maria ehren, dann tun wir als Menschen nichts anderes als das, was Gott längst getan hat. Wir sind selber gar nicht in der Lage, der Gottesmutter Maria jene Ehre zu erweisen, die ihr gebührt! So groß ist ihre Würde und Auszeichnung, die sich von Gott empfangen hat, dass wir nur demütig anerkennen können, was sie selber im „Magnifikat“ ausgedrückt hat: „Großes hat an mir getan der Mächtige, und sein Name ist heilig!“

Wer war es also, der sich zuerst dieser heiligen Jungfrau als Mutter anvertraut hat? Es war der Sohn Gottes selber, der sich nicht scheute, aus dem Schoß einer Frau geboren zu werden. In seinem ewigen Plan hatte Gott Maria auserwählt und als Mutter seines Sohnes bestimmt. Dennoch war sie frei und hat in eigener Bereitschaft und Entschiedenheit ihr „Ja“ zur göttlichen Begnadung und Berufung gesagt. Sie verstand nicht alles, was Gott von ihr verlangt, aber sie vertraute und glaubte. In Liebe sagte sie ihr „Fiat“ – „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ – zum Engel, der ihr die Botschaft gebracht hatte, dass sie die Mutter des Sohnes Gottes werden sollte. Es war ihr angekündigt, dass ein Königskind aus ihr geboren werden sollte. Jesus, wie sie und ihr Mann Josef das Kind nennen sollten, würde groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Er würde über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit.

Genau dies ist im Schicksal des Lebens, des Leidens und der Auferstehung Jesu Christi geschehen. Er hat sich in der Hingabe seiner Liebe als der Messias und König erwiesen: Jesus ist nicht nur König der Juden, sondern der König der ganzen Welt! Einst wird sich sein jetzt noch unsichtbares Königreich in Herrlichkeit vollenden.

Nach dem Vorbild Jesu, der sich selber als Kind einer Mutter anvertraut hat, sollen auch wir uns in geistlicher Weise der heiligen Gottesmutter Maria anvertrauen. Vom Kreuze herab gab er dem Jünger Johannes seine eigene Mutter zur Mutter. In der Person des Johannes sind wir alle gemeint: die Priester und die Gläubigen. Wir alle sollen und dürfen Maria als unsere Mutter bei uns aufnehmen. Sie gehört zu uns und verlässt uns nicht! Denn wie sollten wir sonst die Worte Jesu vom Kreuz herab anders deuten, als er zu seiner Mutter sagte: „Frau, siehe da, dein Sohn!“

Unsere Pfarre Aggsbach-Markt stellt sich heute erneut unter den Schutz der Gottesmutter Maria. Jeder von uns hat bestimmte Anliegen, für die er Gott bitten möchte auf die Fürsprache der heiligen Gottesmutter Maria. Da ist vielleicht eine familiäre Sorge, ein gesundheitliches Problem, ein Anliegen im Hinblick auf Schule und Beruf. Wie vieles gibt es, was wir von Gott erbitten sollen! Jeder von uns hat aber bestimmt auch vieles auf dem Herzen, wofür wir Gott danken wollen. Diesen Dank legen wir heute auf den Altar und empfehlen ihn durch die Hände Mariens dem Dreifaltigen Gott.

Die heilige Gottesmutter Maria fragt uns, ob wir ihr weiterhin die Treue halten wollen. Die Antwort kann nur lauten: „Ja, aus ganzem Herzen!“ Darum wollen wir gleich im Anschluss an Stelle der Fürbitten das Weihegebet an die heilige Gottesmutter Maria beten, wie es sich im Gotteslob findet. Jeder einzelne und die ganze Pfarre Aggsbach-Markt insgesamt möge erneut der Gottesmutter Maria empfohlen sein!

„Weihe“ an Maria heißt, dass wir uns ganz Maria anvertrauen. Weihe an Maria heißt, dass wir uns unter ihren Schutz und Schirm stellen, um durch sie zu Gott zu finden. Weihe an Maria heißt Ja-Sagen zu unserem Taufgelübde, damit uns die Gottesmutter Maria helfe, den Glauben an Gott ins Leben umzusetzen und in allem die Gottes- und Nächstenliebe zu üben. Wer den Sohn ehren will, darf die Mutter nicht verschmähen! Wer Jesus Christus annimmt, nimmt auch die Mutter an. Maria tritt nicht an die Stelle Gottes, sondern führt uns zu Gott. Sie schenkt uns ihre ganze Liebe, und wir schenken uns ihr; sie gibt alles weiter als Geschenk der Liebe an den Dreifaltigen Gott.

Was dürfen wir der Gottesmutter Maria anvertrauen? Die Antwort lautet: Alles. Alles, was wir sind und haben, übergeben wir freiwillig der Gottesmutter Maria, damit wir durch sie noch wirksamer zu Jesus Christus gehören. Wir schenken ihr unseren Leib mit allen seinen Fähigkeiten, wir übergeben ihr unsere Seele, unser Herz, unsere Liebe. Wir schenken Maria all unser Eigentum: die materiellen Dinge, die wir verwalten dürfen, die Schätze des Herzens und der Seele, die uns zuteil werden, alles was wertvoll ist im Bereich der Natur und der Gnade. Ja sogar unsere Schwachheiten, unsere Fehler und Sünden übergeben wir der ganz heiligen und reinen Jungfrau Maria. Wir sind überzeugt, dass sie uns die wahre Umkehr des Herzens bei Gott erbittet und wir so durch die Kraft des Sakramentes der Buße zum Heil geführt werden!

Stellvertretend sprechen wir unser „Ja“ zu Maria aber auch für all jene, die nicht in der Lage sind, sich im Gebet Gott anzuempfehlen. So gilt unser Gebet auch ganz besonders jenen, die von Gott nichts wissen wollen, weil sie meinen, mit ihren eigenen Kräften das Leben meistern zu können. Die Gottesmutter Maria hat uns in der Erscheinung in Fatima im Jahre 1917 dazu aufgerufen, besonders für die Bekehrung der Sünder zu beten, wie das ja im Gebet „O mein Jesus“ nach jedem Gesätz des Rosenkranzes in eindringlicher Weise geschieht.

Vergessen wir bei unserer Wallfahrt auch jene nicht, die heute zu Hause bleiben mussten, weil sie vielleicht schwer krank sind oder anderweitig verhindert sind. Beten wir ganz besonders für alle unsere lieben Verstorbenen. Gott möge sie auf die Fürbitte der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria aufnehmen in sein himmlisches Reich und sie mit ewigem Frieden und Glück in der Anschauung Gottes erfüllen!

Dieses Ziel zu erreichen ist auch unsere große Hoffnung. Empfehlen wir uns aufs Neue der Fürsprache Mariens! Sie wird uns nicht verlassen, sondern als Wegbegleiterin zum ewigen Vaterhaus stets zur Seite stehen. Amen