Josef Spindelböck
Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott
Homilie am
22. Sonntag im Jahreskreis
2. September 2012, Lesejahr B
L1:
Dtn 4,1-2.6-8; L2: Jak 1,17-18.21b-22.27; Ev: Mk 7,1-8.14-15.21-23
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Liebe Brüder
und Schwestern im Herrn!
Der
Tisch des Wortes Gottes ist an diesem Sonntag wieder reich gedeckt, und es wird
nicht möglich sein, alles zugleich zu erwägen, was in den Lesungen und im
Evangelium enthalten ist.
Betrachten
wir daher gezielt einen Vers der zweiten Lesung
aus dem Jakobusbrief (1,27). Dort heißt es: „Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn
sie in Not sind, und sich vor jeder
Befleckung durch die Welt zu bewahren.“
Eine
besondere Form des Gottesdienstes
wird hier empfohlen. Dieser „reine und makellose Dienst vor Gott, dem Vater“
ist praktischer Natur und besteht in der Sorge
für die Waisen und Witwen, „wenn sie in Not sind“. Die Erwähnung der
„Waisen und Witwen“ findet sich oftmals in der Heiligen Schrift und steht für
jene Gruppen von Menschen, die besonders
schutzlos sind und so in der Gefahr sind, gesellschaftlich an den Rand
gedrängt zu werden. Wenn ein Kind die Eltern verliert und Waise geworden ist, dann ist dies auch in der heutigen Zeit noch
ein trauriges Schicksal. Damals war es auch für eine Frau ein besonders
schweres Los, wenn sie Witwe
geworden und so weitgehend schutz- und rechtlos war. Natürlich gilt es hier
auch an alle Menschen anderen zu
denken, die in unverschuldeter und
vielleicht auch verschuldeter Not
sind.
Es
wird als besonderer Auftrag Gottes
gesehen, solchen Menschen Unterstützung und Beistand anzubieten. Der Einsatz für den Mitmenschen in Not
gehört von Anfang an zum Kerninhalt des Evangeliums; hier begegnet uns Christus, dem wir uns im Dienst am Nächsten zuwenden.
Und
dann wird noch etwas angeführt, was zum vollkommenen Dienst Gottes gehört. Wir sollen uns „vor jeder Befleckung durch die Welt bewahren.“ Das klingt fürs
erste eigenartig! Ist der Jakobusbrief weltfremd
oder gar weltfeindlich? Ist das nicht eine ganz unrealistische Sichtweise?
Wir können doch unmöglich aus der Welt
auswandern, sondern sollen uns gerade in
ihr bewähren, weil wir in ihr leben!
Unter
„Welt“ wird im johanneischen
Gedankengut und auch im Jakobusbrief nicht die Welt an sich verstanden, wie wir
sie vorfinden. Es geht vielmehr um alle
schlechten Einflüsse der Welt, vor denen wir uns bewahren sollen. Die Welt
steht hier gleichbedeutend für alles Gottfeindliche und Gottwidrige. Was uns wegzieht von Gottes Liebe, ist
in diesem Sinne „Welt“.
Wenn
wir uns näher fragen, wie denn das möglich sei, sich vor der „Befleckung durch
die Welt“ zu bewahren, dann gibt uns das Evangelium
dieses Sonntags eine hilfreiche Antwort! Jesus erklärt nämlich den Leuten, dass
nichts, was von außen in den Menschen hinein kommt,
ihn unrein machen kann, sondern was aus dem Herzen des Menschen heraus kommt.
Er nennt dann verschiedene schlimme
Dinge, die es unbedingt zu meiden gilt, nämlich: „böse Gedanken, Unzucht,
Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid,
Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.“ Wenn wir all dies meiden, dann bewahren wir uns im Sinne des
Jakobusbriefes vor der „Befleckung durch
die Welt“.
Dies
ist mit der Gnade Gottes auch Menschen
möglich, die mitten in Beruf und Familie stehen. Wir brauchen also den
Aufgaben, die uns gestellt sind, nicht davonzulaufen, um heilig zu leben,
sondern sollen uns ihnen mit Mut und
Gottvertrauen stellen. Das Beispiel
der Gottesmutter Maria zeigt uns ihren Dienst inmitten ihrer Familie und
überall dort, wo sie gebraucht wurde, wenn Menschen in Not waren. Sie und ihr
Bräutigam, der heilige Josef, zeigen
uns, wie wir Gott im Alltag dienen können.
Dann handeln wir nach dem Wort Gottes,
das wir hören und aufnehmen. Es hat die Macht uns zu retten. Amen.
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