Josef Spindelböck

Auf das Herz kommt es an

Predigt am 22. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 30. August 2009

L 1: Dtn 4,1-2.6-8; L 2: Jak 1,17-18.21b-22.27; Ev: Mk 7,1-8.14-15.21-23

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Im Evangelium dieses Sonntags weist uns Jesus auf die Reinheit des Herzens hin, die allein vor Gott zählt. Der konkrete Anlass für seine Belehrung war die Praxis der Pharisäer, die Jesus beobachtete: Peinlich genau achteten sie darauf, alle rituellen Vorschriften zur körperlichen Waschung und Reinigung von Gefäßen durchzuführen. Als dem gegenüber die Jünger Jesu ihr Brot mit ungewaschenen Händen aßen, wurde Jesus von den Pharisäern zur Rede gestellt, wieso sie sich über die Überlieferungen der Alten hinwegsetzen würden.

Der Herr aber antwortete ihnen, dass vor Gott allein die Reinheit, d.h. die Lauterkeit des Herzens zählt. Denn alles Böse kommt aus dem menschlichen Herzen. Äußere Waschungen können das Herz nicht rein machen, wenn der Wille zur Umkehr fehlt. Auf das Innere des Menschen kommt es an: auf sein Herz, d.h. auf seine Gedanken und Entscheidungen, auf seinen Charakter, eben darauf, ob jemand ein gutes oder böses Herz hat.

Wie oft urteilen wir nur nach dem Augenschein und vergessen, dass wir nicht ins Herz eines Menschen blicken können! Vielleicht bemüht sich jemand um das Gute, aber er schafft es aus Gründen, die wir nicht kennen, nicht immer, es ganz zu verwirklichen. Bestimmte Charaktereigenschaften können es einem ja ziemlich schwer machen, in der rechten Weise zu reagieren. Da ist jemand von Natur aus zum Zorn geneigt, und er weiß um diese Problematik. Er bemüht sich, dass er sich nicht unnötig aufregt und reizen lässt, aber es gelingt ihm nicht immer, sich zu beherrschen. Gott allein weiß um den inneren Kampf eines solchen Menschen, um die Redlichkeit seines Bemühens, um sein trotz des äußeren Anscheins doch im Grunde gutes Herz.

Umgekehrt kann jemand als ziemlich fromm erscheinen oder sich als leutselig und menschenfreundlich geben; in Wirklichkeit schmiedet er Pläne der Rache und der Vergeltung für Böses, das er wirklich oder vermeintlich erlitten hat. Jesus zählt all das Böse auf, das im menschlichen Herzen seinen Ursprung hat. Er spricht von „bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.“

Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, spüren wir, wie viel uns fehlt zu einem wirklich reinen Herzen. Nicht wir selbst können uns dieses gute Herz erwerben, obwohl es natürlich notwendig ist, dass wir um das Gute bemüht sind. Letztlich ist es Gott, der uns ein reines Herz schenkt.

Der gläubige Blick auf den Erlöser lässt uns sein in Liebe durchbohrtes Herz erkennen. Am Kreuz hat er dieses Herz für uns geöffnet und die Ströme der Gnade ausgegossen über uns. Wer an Jesus Christus glaubt, dem öffnet Gott die Quellen der Gnade. Der Heilige Geist erneuert uns durch die Liebe, die er eingießt in unsere Herzen.

In einzigartiger Weise hat Maria die Gnade Gottes aufgenommen in ihrem Herzen; sie wird vom Engel als Jungfrau „voll der Gnade“ bezeichnet. In ihrem Unbefleckten Herz strahlt die Heiligkeit auf, die Gott schenkt und die auch uns mit Freude und Hoffnung erfüllt.

Übergeben und schenken wir unser Herz der Gottesmutter Maria; geben wir es ihr, so wie es ist – in aller Unvollkommenheit und Sündhaftigkeit. Durch Gottes rettende Macht wird das Wunder der Gnade auch an uns geschehen: Wir empfangen gleichsam ein „neues Herz“, Gott verwandelt unser Inneres. Dann jubelt der in Christus erneuerte Mensch auf und hört nicht auf Gott zu preisen – jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

 

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