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Predigt:

Ein neues Herz erschaffe mir, o Gott!

22. Sonntag im Jahreskreis B (03.09.2006)

L1: Dtn 4,1-2.6-8; L2: Jak 1,17-18.21b-22.27; Ev: Mk 7,1-8.14-15.21-23


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es liegt in der Verfasstheit unserer menschlichen Natur, dass wir uns leicht von äußeren Gegebenheiten leiten lassen: Wir nehmen das wahr, was vor Augen ist, und übersehen allzu oft das Dahinterstehende, vielleicht Wichtigere und Wesentlichere. Von dieser Anfälligkeit des Menschen für das Neue, Spektakuläre und Auffallende leben die Medien der sozialen Kommunikation. Was zählt, ist Aktualität; zugleich gilt: nach wenigen Tagen ist alles wieder vergessen.

Im Gespräch mit den Pharisäern, die er wegen ihrer Heuchelei tadelt, führt uns Jesus hin zu einer tieferen Sicht des Menschseins: Mag das Äußere noch so schön, herrlich und glanzvoll erscheinen – was wirklich zählt, ist das Herz eines Menschen. So kann es sein, dass jemand nach außen hin als kraftvoller, vielfach talentierter „Star“ gesehen wird, es aber in seinem eigenen Herzen ganz leer ist, ja sogar ungeordnet und dunkel. Er hat im Letzten keinen Frieden und kennt auch nicht die Hingabe und Erfüllung wahrer Liebe. Auch wir selber spüren immer wieder: In unserem Inneren gibt es Dinge, die wir lieber nicht nach außen hin kehren wollen, weil wir uns dafür schämen. Denn nicht nur Gutes findet sich im menschlichen Herz, sondern auch Sündhaftes und Böses.

Jesus kritisiert nun die Pharisäer, weil sie sich mit allem Einsatz darum bemühen, den äußeren „guten“ Eindruck intakt zu halten, dabei aber das Eigentliche und Wesentliche übersehen: die Heiligkeit des inneren Menschen, das reine, gute und liebende Herz. Denn was nützt es, wenn wir bloß gut erscheinen, es aber in Wahrheit gar nicht sind? Vielleicht loben uns dann so manche Menschen, und doch ist dieses Urteil trügerisch, denn allein Gott kennt unser Herz. Er weiß, was wir wirklich denken und wollen, was wir vor ihm in Wahrheit sind. Und allein darauf kommt es an. Unser Gewissen gibt Zeugnis dafür.

Was also erwartet Gott von uns? Will er, dass wir von vornherein als Vollkommene und Vollendete, ja Heilige vor ihn hintreten? Nein, im Gegenteil! Wir sollen den Mut zu einer radikalen Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber Gott haben, der uns ja ohnehin durch und durch kennt. Diese Offenheit kommt aus dem Vertrauen darauf, dass Gott uns liebt und annimmt, wie wir sind. Er verurteilt uns nicht und möchte uns heil und heilig machen. Nicht weil wir aus eigener Kraft sündenlos und fehlerlos sind, vertrauen wir auf Gott, sondern weil uns in seinem Sohn Jesus Christus das Übermaß der Barmherzigkeit Gottes eröffnet ist. In seiner barmherzigen Liebe nimmt Gott auch den ärmsten Sünder an, vorausgesetzt, dass er sich als solcher weiß und sich ihm in Demut und wahrer Reue naht, nicht in stolzer Überheblichkeit.

Es geht also um eine „antipharisäische“ Haltung unseres Herzens: um innere Wahrhaftigkeit, Demut und Vertrauen. In dieser Weise dürfen und sollen wir Gott unser ganzes Herz schenken, mit allem, was sich darin findet an Gutem und leider auch Bösem. Trauen wir es Gott zu, dass er uns im Blut seines Sohnes Jesus Christus von allen Sünden reinwäscht! Lassen wir uns in den heiligen Sakramenten wieder neu von Gottes Liebe beschenken und mit seiner Heiligkeit bekleiden. Gott schenkt uns gleichsam ein neues Herz; er nimmt das Herz von Stein aus unserer Brust und schenkt uns im Heiligen Geist ein Herz, das von Liebe zu ihm und den Menschen erfüllt ist.

In einzigartiger Weise hat Gott das Herz der Jungfrau Maria nach seinem Willen und nach dem Plan seiner Liebe gebildet. Sie war ganz lauter und heilig – nicht aus eigener Kraft, sondern weil sie „voll der Gnade“ war im Hinblick auf ihre Berufung zur Gottesmutterschaft. Wer sich ihrem Unbefleckten Herzen anvertraut, darf sicher sein, dass Gott ihn nicht zurückweist. Mit Maria, der Gottesmutter, gehen wir unseren Weg zu Gott. Sie zeigt uns ihren Sohn Jesus Christus, den einzigen Mittler und Erlöser zwischen Gott und den Menschen, und macht uns froh im Heiligen Geist. Amen