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Predigt:

22. Sonntag im Jahreskreis B (31.08.2003)

L1: Dtn 4,1-2.6-8; L2: Jak 1,17-18.21b-22.27; Ev: Mk 7,1-8.14-15.21-23


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die heutige Lesung aus dem Jakobusbrief enthält in Kap. 1, Vers 17 eine wichtige Aussage, die es wert ist, näher bedacht zu werden. Es heißt dort: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Gestirne, bei dem es keine Veränderung und Verfinsterung gibt.“

Diese Worte sind so etwas wie ein „Evangelium der Dankbarkeit“ für Gottes gute Gaben. Alles Gute, alles Wertvolle, alles Vollkommene stammt letztlich von Gott, so heißt es dort. Diese guten Gaben kommen von oben, von Gott, dem Vater der Gestirne.

Auf diese Weise soll uns bewusst werden, wie wir selber durch die Schöpfung und ihre guten Gaben mit dem Urheber alles Guten, mit Gott, unserem himmlischen Vater, verbunden sind.

Man kann auf diesem Hintergrund eine kritische Gesellschaftsanalyse durchführen. Was bei vielen an erster Stelle steht und die Vorgänge in Wirtschaft und Politik bestimmt, ist das Leistungsdenken. Der Mensch ist soviel wert, wie er noch leisten kann. Nur der Starke zählt, der, der es zu etwas bringt, der gesund und leistungsfähig ist. Das sei das Leben, so sagt man uns. Andere Werte zählen nicht. Wie leicht erliegt man da der Versuchung, die eigene Leistung für das Letzte und Höchste zu halten! Wie leicht geschieht es da, dass sich der Mensch die eigenen Erfolge und Errungenschaften selber zuschreibt, etwa in der Art, dass er sagt: „Ich genüge mir selbst. Welch ein großartiger Mensch bin ich doch! Ich habe das und das geleistet.“

Was man dabei vergisst, ist, dass all das nicht selbstverständlich ist. Erstens könnte jener Mensch krank sein oder mit weniger Gaben und Talenten ausgestattet sein, und zweitens ist es überhaupt nicht sein Verdienst, dass er diese Gaben besitzt, mit denen er dann seine „Leistung“ erbringt. Vieles ist uns unverdienterweise geschenkt, und wir tun gut daran, dies anzuerkennen.

Gegenüber einem Machbarkeits- und Leistungswahn, der alles von einem rein menschlichen Einsatz abhängig macht, tut es gut, ab und zu „nach oben“ zu blicken, zu Gott, dem Vater der Gestirne und unserem Vater. Denn von ihm kommt letztlich jede gute Gabe, jedes vollkommene Geschenk. Nicht wir sind die letzten Herren und Eigentümer der Schöpfung, sondern es ist eine Gnade, dass wir Gottes Gaben empfangen und benutzen dürfen!

Es gibt aber neben dem vorherrschenden Leistungsdenken noch eine andere Haltung, die nicht dem entspricht, was uns der Glaube lehrt: Es ist die Einstellung, immer und überall die Dinge „mies“ zu machen und nur das Negative zu sehen. Man lebt in einer Mentalität, wo man jede Lebensfreude verloren hat. Das Leben bringe nichts, es gebe nichts Gutes, alles sei letztlich ohne Wert und ohne Bedeutung. Wer so denkt, hat es vielleicht besonders schwer gehabt im Leben. Wir wollen nicht über jene Menschen urteilen. Und doch stimmt diese Haltung nicht! Denn immer gibt es vieles in unserem Leben, worüber wir uns freuen dürfen und wofür wir dankbar sein sollen. Es fehlen uns bestimmt auch in allem Leid und in aller Prüfung nicht die guten Gaben des Schöpfers, für die wir Gott preisen sollen!

Gott meint es wirklich gut mit uns. Er sorgt für uns wie ein guter Vater, ja wie gute Eltern, die uns nichts vorenthalten von dem, was wir zum Leben brauchen. Dies gilt schon für das irdische Leben, und noch mehr in der Perspektive der Ewigkeit. Wie viele Gnaden, Erleuchtungen und innere Antriebe zum Guten schenkt uns Gott doch täglich! Wie sehr bleiben wir selber da manchmal zurück hinter dem, was uns geschenkt und anvertraut ist. Wir alle sind in der Gefahr, gleichgültig zu sein anstatt offen und dankbar.

Was nötig ist, ist ein bewusstes und aufmerksames Leben, wo wir auch in den kleinen Dingen des Alltages die Spuren der Liebe Gottes erkennen. Wer weiß, was menschliche Freundschaft und Liebe bedeutet, wer das Glück hat, in einer guten Familie zu leben, der kann erahnen, dass auch scheinbar kleine Dinge Großes ausdrücken können. Und so möchte uns Gott in allem, was geschieht, zeigen, dass er es gut mit uns meint und uns zum Heil führen will.

Die Antwort kann und soll nur Liebe und Dankbarkeit sein! Auch wenn wir als Christen wissen, dass diese Welt nicht das Letzte ist, so ist sie doch unsere vorläufige Heimat, die viele gute Gaben des Schöpfers enthält. Wenn wir Gott und den Nächsten wirklich lieben, wird es uns gelingen, nicht achtlos daran vorbeizugehen, sondern durch die Schöpfungsgaben dem Urheber aller Dinge näher zu kommen – Gott, dem ewigen Vater und dem Spender jeder guten Gabe! Amen