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Predigt:

21. Sonntag im Jahreskreis B (24.08.2003)

L1: Jos 24,1-2a.15-17.18b; L2: Eph 5,21-32; Ev: Joh 6,60-69


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir alle neigen zur Bequemlichkeit. Es ist leichter, sich gewisse Dinge von anderen vorgeben zu lassen als diese selbst anzufangen und zu ordnen. Wohlversorgt und satt zu sein ohne große Gedanken nach dem Morgen und auch ohne schlechtes Gewissen angesichts der großen Not vieler Menschen ist eine Mentalität, die uns alle irgendwie zu schaffen macht. Angesichts dessen sind Situationen der Entscheidung, in denen wir herausgefordert werden, nicht unbedingt etwas, das man sich wünscht. Wer diese Ruhe der selbstzufriedenen Sattheit zu stören wagt, gilt als unerwünscht, weil unbequem. Man möchte viel lieber in Ruhe gelassen werden!

Jesus Christus wollte die Menschen nicht einfach in Ruhe ihrem Schicksal überlassen. Er wollte nicht einfach zulassen, dass die Herzen so vieler in die Irre gingen, weil sie nur an das irdische Wohlergehen dachten, an das Freisein von Mühe, Anstrengung, Hunger und Not. Seine Botschaft rüttelte auf, sie sprach das Gewissen an und war nicht einfach ein Evangelium der Selbstbestätigung: „Ihr alle – weil ihr so brav seid – kommt automatisch in den Himmel!“

Wie muss doch wohl die Rede in Kapharnaum die Zuhörer provoziert haben, wo er davon sprach, dass er selbst das Brot vom Himmel sei, und er seine Worte nicht zurücknahm, als einige Anstoß nahmen. Denn seine Worte sind nicht Menschenweisheit, sondern Geist und Leben, gottgeschenkte Offenbarung zum Heil aller, die daran glauben.

Es wird berichtet, dass viele der Jünger Jesu sagten: Seine Worte sind unerträglich. Wer kann das anhören? So verließen ihn viele. Es war ihnen nicht gegeben, seinen Worten Glauben zu schenken. Vielleicht stand zu viel für sie selbst auf dem Spiel. Wer tauscht schon gerne ein sattes und sorgenfreies Leben ein gegen die Unsicherheit jener, die Jesus nachfolgen, was immer auch die Zeit bringen würde und wie immer sich der Widerstand der Mächtigen gegen ihn formieren würde? Und doch kann der Mensch seinen Frieden und sein Glück auf Dauer nur finden, wenn er seinem Gewissen folgt, wenn er den Anruf Gottes wahrnimmt und nicht zur Seite drängt. Was nützt alle irdische Sattheit und alles Wohlergehen, wenn man Schaden leidet an der Seele, wenn man ein hartes Herz hat, das blind und taub ist für die Not der Mitmenschen?!

Es erscheint wie eine Ehrenrettung jenes Kreises der zwölf Apostel, dass einer von ihnen – es war Petrus – den Mut hatte, im Namen aller zu erklären, dass sie den Herrn nicht verlassen wollten. Denn Jesus hatte sie ganz klar vor die Entscheidung gestellt: „Wollt auch ihr weggehen?“ Auf diese Frage kommt die Antwort des Petrus: „Herr, zu wem sollen wir gehen?“ Diese Antwort ist verbunden mit einem Glaubensbekenntnis: „Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“

Auch wenn die Worte Jesu für manche hart und unverständlich sind – die Apostel wollen ihm weiterhin vertrauen, da er der von Gott gesandte Messias ist. Nur der Glaube vermag die Entscheidung für Jesus Christus zu treffen. Der Unglaube wendet sich früher oder später von Jesus ab. Vielleicht bleibt jemand dem äußeren Anschein nach noch beim Herrn – so wie Judas. Aber irgendwann kommt dann doch der Abschied oder gar der Verrat!

Letzten Endes – so lehrt uns das heutige Evangelium – kommt es immer wieder auf das glaubende Herz an. Das Äußere mag sich als noch so großartig erweisen: wo der Glaube an Gott im Herzen fehlt, ist alles auf Sand gebaut. Die Stürme des Lebens werden ein solches Bauwerk schließlich zerstören, wenn das Fundament fehlt.

Prüfen wir uns also immer wieder selbst: Ist mein Glaube noch echt oder bin ich schon zu sehr zu einem Gewohnheitschristen geworden, der noch das tut, was dazugehört, um nicht aufzufallen, der sich aber innerlich längst von Gott und der Kirche verabschiedet hat? Es kann aber auch so kommen: Jemand entdeckt, dass er den wirklichen Glauben bis jetzt vernachlässigt hat, und er nimmt sich vor, dies in Zukunft zu ändern. Die Hilfe Gottes wird ihm nicht fehlen, vor allem wenn er betet und Gott um seinen Beistand anfleht. Im Einleitungsgebet zum Rosenkranz beten wir ja darum, dass Gott uns den Glauben vermehren möge. Wer könnte uns da besser helfen und zur Seite stehen, als die Mutter der Glaubenden und Suchenden, die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria? In ihrem Herzen gab es keinen Zweifel, auch wenn sie vieles nicht verstand. Ihre Glaubenstreue und ihr Mut zu einem Leben in Einheit mit dem Herrn mögen auch uns ermutigen. Ihre Fürsprache vom Himmel her möge uns beistehen, damit wir allezeit ausharren beim Herrn in Glaube, Hoffnung und Liebe! Dann wird uns einst der ewige Lohn zuteil werden. Amen