Josef Spindelböck
Wahrhaft eine Speise und ein Trank
Homilie am
20. Sonntag im Jahreskreis
19. August 2012, Lesejahr B
L1: Spr 9,1-6;
L2: Eph 5,15-20; Ev: Joh 6,51-58
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Liebe Brüder
und Schwestern im Herrn!
Ist
die Rede Jesu im Evangelium nicht drastisch? Er möchte den Menschen – und
so auch uns! – sein Fleisch und sein
Blut zu essen und zu trinken geben; er will sich uns selbst zur Speise
geben!
Angesichts
einer solchen Aussage gibt es zwei
Möglichkeiten: sich entsetzt von Jesus abzuwenden
und zu sagen: „Mit diesem Menschen will ich nichts mehr zu tun haben“, oder
aber zu fragen, was Jesus denn wirklich meint und sich von ihm die Augen des
Herzens im Glauben öffnen zu lassen.
Dabei
helfen uns seine eigenen Worte. Denn er sagt auch: „Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut ist
wirklich ein Trank.“ Das will
heißen: Es wird ein Mahl geben, das zwar besonderer Art ist, aber in dem
dennoch eine wirkliche Speise und ein wirklicher Trank genossen wird. Die Gestalt dieser Speise und dieses Trankes
ist uns Menschen vertraut und zumutbar:
es geht um Brot und Wein.
Doch
wenn wir fragen, wen wir in diesem
heiligen Mahl empfangen, dann lautet
die Antwort Jesu, dass er selber es ist, der sich uns zur
Speise gibt. Gott wird für uns zum Brot;
er stärkt uns in seinem Sohn Jesus
Christus auf dem Pilgerweg des irdischen Lebens und schenkt uns ewiges Leben. An dieser himmlischen Speise gilt es
nicht achtlos vorüberzugehen; nötig ist ein lebendiger Glaube, in dem wir Gottes
Gegenwart wahrnehmen und es ihm zutrauen, dass er uns seinen Sohn schenkt unter den Gestalten des Brotes und des
Weines im heiligen Sakrament des
Altares.
Beim
Letzten Abendmahl hat uns der Herr auf
sakramentale Weise das Gedächtnis seines
Leidens und Sterbens als Testament seiner Liebe hinterlassen. Der Herr gibt sein Fleisch und Blut hin für
das Leben der Welt; und in den Zeichen von Brot und Wein schenkt er sich uns zur Speise. Und hier gelten die Worte Jesu: „Wer von
diesem Brot isst, wird in Ewigkeit
leben.“
Freilich
ist dies nicht eine Wirkung, die unabhängig von unserem Glauben und unserer inneren
Einstellung eintritt. Wer nicht an Jesus Christus glaubt und das
eucharistische Brot nicht von gewöhnlicher Speise unterscheidet, empfängt diese
himmlische Speise nicht in heilbringender Weise. Im berühmten Lied „Lauda Sion Salvatorem“
(deutsch: Deinem Heiland, deinem Lehrer), verfasst vom heiligen Thomas von
Aquin, heißt es in einer Strophe: „Gute
kommen, Böse kommen, alle haben ihn genommen, die zum Leben, die zum Tod.“
Und weiter: „Bösen wird er Tod und Hölle, Guten ihres Lebens Quelle, wie verschieden wirkt dies Brot!“
So
sind wir eingeladen, uns in Glaube und
Liebe auf den Empfang der heiligen Kommunion vorzubereiten. Der regelmäßige Empfang des Bußsakraments
soll uns helfen, das Herz rein zu halten für den König des Himmels und Erde,
der mit uns Mahl halten will und der bei uns Wohnung nimmt.
Wir
bitten die heilige Jungfrau und
Gottesmutter Maria um ihre besondere Fürbitte bei Christus, dem Herrn; denn
sie hat uns jenen Jesus geboren, der
sich uns schenkt im Opfermahl der heiligen Eucharistie als Speise zum ewigen Leben.
Amen.
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