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Predigt:

Christus – das Brot des Lebens

20. Sonntag im Jahreskreis B (20.08.2006)

L1: Spr 9,1-6; L2: Eph 5,15-20; Ev: Joh 6,51-58


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im heutigen Evangelium geht es um die Verheißung der heiligen Eucharistie. In einer langen Rede in Kapharnaum, wie sie uns Johannes im 6. Kapitel seines Evangeliums berichtet, führte Jesus seine Zuhörer in jenes Geheimnis ein, das er selber dann beim Letzten Abendmahl einsetzen wollte als bleibendes Vermächtnis seiner lebendigen Gegenwart in der Kirche.

Jesus Christus ist das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Er gibt sich uns selbst auf eine geheimnisvolle Weise zur Speise, wie er seinen staunenden und fragenden, ja aufgrund ihres Unglaubens teilweise empörten Zuhörern verkündet.

Wie ist es möglich, dass unser Herr Jesus Christus sich selbst zur Speise gibt? Seine Worte sind von einem unerhörten Realismus, der uns zur Entscheidung des Glaubens herausfordert: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt.“

Welchen Sinn konnten diese Worte des Herrn haben? Viele der jüdischen Zuhörer nahmen Ärgernis und sagten: Es ist unmöglich, dass er uns sein Fleisch zu essen gibt. Wir können und wollen es nicht glauben!

Jesus aber verzichtet nicht auf den Anspruch seiner Worte. Es ist ihm lieber, einige verlassen ihn, als dass er sein Wort zurücknimmt. Wir Heutigen tun uns relativ leicht damit, dass wir diese Worte des Herrn anhören, wie sie uns die Kirche verkündet. Denn uns ist das eucharistische Opfer und Mahl vertraut, das wir bei der heiligen Messe feiern. Unter den Gestalten von Brot und Wein schenkt sich der Herr ganz den Seinen, gibt er sich hin, erneuert er seine Opferhingabe am Kreuz und gewährt uns Anteil am Leben seiner Auferstehung.

Wer die Gnade hat, an das Geheimnis der heiligen Eucharistie zu glauben, der wird die Worte des Herrn nicht anstößig finden, wenn er sagt: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ Das heißt, wir sollen Gemeinschaft haben mit Jesus Christus dadurch, dass wir die heilige Kommunion oft und würdig empfangen. Im Gnadenstand, d.h. ohne schwere Sünde, sollen wir zum Tisch des Herrn hinzutreten. Zur Vorbereitung ist uns das Sakrament der Buße geschenkt.

Diese Verbindung mit Jesus Christus in der heiligen Eucharistie bleibt über den Tod hinaus erhalten, sodass wir das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit empfangen, wenn wir in Liebe eins sind mit Christus in seiner Menschheit und dadurch mit dem dreifaltigen Gott. Jesus verheißt denen, die sein Fleisch essen und sein Blut trinken, das ewige Leben. Er will sie auferwecken am Jüngsten Tag.

Es ist eine wunderbare Speise, die der Herr uns gibt, und ein wunderbarer Trank. Ein Ungläubiger mag gegenüber dem Geheimnis der heiligen Eucharistie vielleicht fragen: Wenn die katholischen Christen glauben, dass Jesus Christus wirklich, wahrhaft und wesentlich in der Heiligen Eucharistie unter der Gestalt von Brot und Wein gegenwärtig ist, sind sie dann nicht Kannibalen, wenn sie das Fleisch und Blut Christi essen und trinken?

Dieser Vorwurf ist unbegründet und resultiert aus einem Missverständnis. Als katholische Christen glauben wir, dass nach der Wandlung unter der Gestalt des Brotes und Weines der Leib und das Blut Christi, d.h. Christus als wahrer Gott und Mensch wirklich und wahrhaft gegenwärtig sind. Sein Fleisch ist insofern eine wahre Speise und sein Blut ist wirklich ein Trank (vgl. Joh 6,55), als wir uns durch den Verzehr der heiligen Gestalten (!) mit Jesus Christus auf geheimnisvolle Weise verbinden.

D.h. aber: Wir „essen“ Jesus Christus nicht „auf“ bzw. fügen seiner Gottheit und auch seiner Menschheit durch das Essen der Gestalten von Brot und Wein keinerlei Schaden zu. Es ist keineswegs ein Kannibalismus, worum es hier geht, sondern durch die wahre Speise unter der Gestalt des Brotes und den wahren Trank unter der Gestalt des Weines werden wir in Liebe mit dem ganzen Christus vereint, der sich uns schenkt und sich mit uns verbindet.

Durch die heilige Kommunion wird das göttliche Leben unserer Seele gestärkt: „Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben“, sagt der Herr.

So wollen wir dieses „Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“, anbeten und verehren und mit Liebe empfangen. Wir glauben daran, dass wir Jesus Christus, den Sohn der Jungfrau Maria, in unserem Herzen aufnehmen, wenn wir kommunizieren. Möge uns diese Speise durch den unwürdigen Empfang in schwerer Sünde nicht zum Gericht werden, sondern – wenn wir recht vorbereitet sind und im Stand der Gnade hinzutreten – zum ewigen Leben gereichen! Amen