Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt am 1.
Fastensonntag
im Jahreskreis B
(12. März 2000)
Hinweis: In der Diözese St. Pölten wird heute der Fastenhirtenbrief von Bischof Dr. Kurt Krenn verlesen.
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die Lesungen aus dem Buch Genesis sowie aus dem ersten Petrusbrief nehmen in verschiedener Weise Bezug auf ein Geschehen der Frühzeit: Es geht um die Sintflut, die Gott zur Strafe für das Übermaß der Sünden über die Menschheit kommen ließ und in deren Fluten alle bis auf Noach und seine Söhne mit ihren Frauen zu Tode kamen. Das Buch Genesis berichtet davon, daß Gott mit Noach und den übrigen Überlebenden nach ihrer Rettung in der Arche einen Bund schloß. Dieser galt ihnen, ihren Nachkommen sowie allen Lebewesen. Es war ein Bund der erneuerten Freundschaft und Zuwendung Gottes: Nie wieder sollte das Wasser zur Flut werden, die alle Wesen aus Fleisch vernichtet! Gott hat zugesagt, die Welt und die Menschen nicht mehr auf diese radikale Weise zu bestrafen. Seine Liebe ist größer als alle Schuld der Menschen. Als Zeichen dieses Bundes stiftete Gott einen Bogen über den Wolken.
Diese Zusage der Treue Gottes verwirklicht sich endgültig im Neuen Bund, den Gott mit der Menschheit schließt durch das Opfer seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz. Die Menschen treten ein in diesen Bund durch den Glauben. Als äußeres Zeichen für die Zugehörigkeit zum Reich Gottes empfangen sie die Taufe. Diese ist nicht nur ein Zeichen, sondern sie bewirkt auch, was sie bezeichnet: Sie schenkt als Sakrament des neuen Anfangs das göttliche Leben und erhebt die Menschen in den Stand der Kinder Gottes. Die Getauften sind reingewaschen von ihren Sünden durch das Blut des Lammes, durch Jesus Christus, den einzigen Erlöser der Menschen.
So kann der Apostel Petrus schreiben, daß die Taufe „eine Bitte an Gott um ein reines Gewissen“ ist „aufgrund der Auferstehung Jesu Christi, der in den Himmel gegangen ist“ (1 Petr 3,21b.22a). Die Sintflut, die der sündigen Menschheit Verderben brachte, doch die Gerechten durch die Arche des Noach rettete, war ein Vorausbild der Taufe: In ihr stirbt der alte Mensch der Sünde und des Todes, der neue Mensch, der mit Christus lebt, wird erweckt inmitten der Kirche. Dem getauften Christen ist die selige Unsterblichkeit des ewigen Lebens bei Gott verheißen. Auch wenn sein Leib einst sterben muß, so weiß er sich berufen zur ewigen Gemeinschaft mit Gott, der die unsterbliche Seele aufnimmt in die himmlische Herrlichkeit und am Ende der Zeiten auch den verklärten Leib wieder erwecken wird in der allgemeinen Auferstehung der Gerechten.
In den beiden Lesungen, über die wir eben nachgedacht haben, wird das veranschaulicht, was unser Herr Jesus Christus zu Beginn seines öffentlichen Auftretens ausgesprochen hat und was wir im Evangelium gehört haben. Er sprach: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Das soll heißen: Gekommen ist die Zeit des ewigen Bundes Gottes mit den Menschen. In der Person des Erlösers Jesus Christus, der aus Liebe zu den Menschen als wahrer Mensch unter uns erschienen ist, ohne sein Gottsein zu verlieren, hat Gott mit uns den unwiderruflichen Bund der Liebe geschlossen. Die einzige Voraussetzung für den Eintritt das Reich Gottes ist die Abwendung von allen Sünden und die Hinwendung zu Gott, also Umkehr und Glaube. Dies wird ausgedrückt und verwirklicht durch den Empfang der Taufe und durch ein Leben gemäß den bei der Taufe übernommenen Verpflichtungen. Wir alle sind aufgerufen, das, was unsere Eltern und Paten an unserer Stelle bei der Taufe bekannt und versprochen haben, aus freiem Willen zu bejahen und in einem christlichen Leben zu bezeugen.
Erlauben Sie mir, noch eine Brücke zu schlagen von der Sintflut, die Verderben brachte, aber durch Gottes Liebe doch zum Heile ausschlug, hin zu einer Katastrophe, die wir in den letzten Tagen und Wochen über die Medien mitverfolgen konnten: In Mozambique sind durch eine Flutkatastrophe ungeheuren Ausmaßes viele Menschen ums Leben gekommen bzw. haben sie ihre Wohnmöglichkeiten und ihren Besitz verloren und sind nun vielen Gefahren und Krankheiten ausgesetzt. Wir haben vor einigen Tagen die Fastenzeit begonnen und sind aufgefordert, der Not unserer Mitmenschen nach Kräften abzuhelfen. Tun wir das, was uns möglich ist, und unterstützen wir die Hilfsorganisationen (z.B. die „Caritas“ oder das Werk „Kirche in Not“) bei ihrem Bemühen um Linderung dieser furchtbaren Not. Gott, der die Herzen kennt und auf mehr auf die Gesinnung der Liebe als auf die Größe der Gabe schaut, wird es uns lohnen. Denn Christus sagt: Was immer ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan! Amen.