Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 1. Adventssonntag
28. November 1999 (Lesejahr B)

L 1: Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7; L 2: 1 Kor 1,3-9; Mk 13,24-37


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Advent bereiten wir uns alljährlich vor auf die Feier der Geburt Christi zu Weihnachten. Und wir spüren selber, wie wichtig auch eine religiöse, eine geistliche Vorbereitung ist: für uns selber, für unsere Familien, für die Menschen in unserer Gesellschaft und in der Kirche.

Denn vielerorts spüren wir in diesen Tagen und Wochen genau das Gegenteil: Manche kommen vor lauter Hast nicht mehr zur Ruhe; im Mittelpunkt steht oft das Kommerzielle, die familiären und religiösen Werte gehen verloren.

Wenigstens beim Gottesdienst und auch beim Gebet wollen wir ein wenig innehalten und uns dessen bewußt werden, was uns Gott Großes schenken will.

"Advent" heißt "Ankunft". Ja, Gottes Sohn ist vor 2000 Jahren angekommen als Mensch hier auf Erden, da er als kleines Kind aus der Jungfrau geboren werden wollte. Ankommen möchte Gott aber auch immer neu in unserem Herzen, und da ist jede Stunde dafür recht. Ja, wir müssen sagen: Es ist immer die gegenwärtige Stunde, der jetzige Augenblick, in dem Gott aufs neue bei uns ankommen möchte. Viele Menschen haben Angst vor diesem Ankommen Gottes bei ihnen. Er steht ja an der Tür unseres Herzens und klopft an. Leise zwar, aber immerhin hörbar für alle, die es wollen. Und da gibt es die Angst des Menschen vor diesem Anklopfen Gottes. Er möchte es nicht recht wahrhaben, und darum verdrängt er das leise Sprechen Gottes zu uns, das im Herzen geschieht. Lieber achtet er auf laute Dinge, die "draußen" geschehen. Wir kennen dies alle, und manchmal geben wir dem nach und lassen uns von außen steuern und lenken, anstatt selber das Steuer unseres Seele zu führen, oder noch besser: anstatt Gott den eigentlichen Steuermann sein zu lassen, der uns gut durch dieses Meer des Lebens führt dem ewigen Ziel entgegen!

Und da leuchtet es uns auf wie in der Ferne und doch ganz nah: jenes ewige Ankommen, das wir alle zutiefst ersehnen. Es gibt ein Ziel, auf das der Mensch zugeht, und dieses Ziel bedeutet für uns alle Liebe, Erfüllung, Vollendung. Als Christen dürfen wir sagen: Gott hat uns dieses Ziel bereitet. Er selber ist dieses Ziel und hält seine Liebe für uns bereit. Nicht hier auf Erden ist unsere Heimat, sondern im Himmel. Das recht zu sehen ist wichtig, denn sonst würden wir vieles zu schwer und zu tragisch nehmen, was geschieht. Umgekehrt führt uns der Glaube an das ewige Leben auch zu einem wachen Sinn für Verantwortung auf Erden. Denn nichts im Leben ist unbedeutend, alles hat seinen Wert für die Ewigkeit, wo Gott das Gute vollenden wird und das Böse endgültig überwunden und besiegt ist.

Wenn wir auf diese Weise im Advent Gott und einander wieder näher kommen könnten, dann wäre viel gewonnen für unser Leben. Stellen wir uns als Christen dieser Aufgabe. Nehmen wir uns bewußt Zeit auch zum Beten und zum Empfang der Sakramente. Lassen wir uns von Maria, der Mutter des Sohnes Gottes, an der Hand führen hin zu den ewigen Freuden!

Dann werden wir auch auf die Wende zum Jahr 2000 im Vertrauen hingehen. Gott ist uns immer nahe, in jedem geschichtlichen Augenblick. Er ist für immer angekommen in seinem Sohn. An uns liegt es, daß wir seine rettende Hand ergreifen und uns mit seiner Liebe beschenken lassen. Amen.


SANKT JOSEF - www.stjosef.at