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Predigt:

1. Adventsonntag B (01.12.2002)

L1: Jes 63,16b-17.19b; 64,3-7; L2: 1 Kor 1,3-9; Ev: Mk 13,24-37


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Seid wachsam! Mit diesen Worten werden wir im Evangelium vom 1. Adventsonntag eingestimmt auf die heilige Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, die heute beginnt. Wir Christen sollen uns nicht treiben lassen von den aufgeregten und ruhelosen Vorgaben der Geschäftswelt in der sogenannten Vorweihnachtszeit. Es muß uns darum gehen, einen alternativen Lebensstil zu entwickeln, auch und gerade in dieser stillsten Zeit des Jahres, wie sie Karl Heinrich Waggerl einmal genannt hat!

Wie soll das geschehen? So fragen wir uns vielleicht, denn trotz allen guten Willens ist es nicht einfach, sich den Dingen, die rings um uns vorgehen, zu entziehen und ein wenig innere Distanz zur Hektik des vorweihnachtlichen Treibens zu gewinnen. Die Antwort kann nur lauten: Der Glaube an Gott ist es, wo wir Kraft und Orientierung bekommen. Wenn schon das Weihnachtsfest zuallererst ein Glaubensfest ist, dann muß auch die adventliche Zeit der Vorbereitung darauf vom Glauben geprägt sein!

Alles Große im Leben braucht seine Vorbereitung; nichts geschieht von ungefähr und einfach so aus heiterem Himmel. Das Gute muß wachsen und heranreifen. Wenn wir zu Weihnachten des Fest der Geburt des Erlösers aus der Jungfrau Maria feiern wollen, dann sollen wir uns in dieser Adventzeit darauf einstimmen. Dies kann geschehen durch äußere Hilfen und schöne Bräuche, die es uns z.B. im Familienkreis ermöglichen, das Herz vorzubereiten auf das Große, was uns verheißen ist. In diesem Sinn haben wir eben Gott darum gebeten, den Adventkranz zu segnen. Die Lichter weisen uns darauf hin, daß unsere Sehnsucht immer größer werden soll nach dem wahren Licht, das uns im Kind von Bethlehem erschienen ist. Vielleicht ist es möglich, in unseren Familien täglich vor dem Adventkranz zu beten oder auch zu singen. Manche werden vielleicht sogar etwas aus der Heiligen Schrift vorlesen, damit das Herz auf diese Weise wach und bereit wird, den Erlöser zu empfangen. Beim Beten des Freudenreichen Rosenkranzes können wir die Geheimnisse der jungfräulichen Empfängnis Jesu sowie den Besuch Marias bei Elisabeth betrachten.s

Eines sollte uns klar sein: Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist vor 2000 Jahren vom Himmel herabgestiegen, damit er bleibend bei uns ist. Er ist Mensch geworden auch für uns Heutige, und wir können ihm durch den Glauben, durch die Hoffnung und durch die Liebe genauso nahe sein wie die Menschen damals. Weihnachten ist wirklich ein Fest auch für uns. Es ist nicht einfach Erinnerung an längst Vergangenes und für uns nicht mehr Maßgebliches, sondern es wurde damals ein Zeichen aufgerichtet, nach dem wir uns bleibend ausrichten sollen. Dieses Zeichen ist ER selber, der Menschensohn! Von ihm her gewinnt unser Leben seine Orientierung und sein Richtmaß.

Advent ist nun  wenn wir uns Zeit für das Gebet und die nötige Besinnung nehmen  keineswegs eine Flucht ins stille Kämmerlein, weg von den Problemen und Aufgaben in dieser Welt. Im Gegenteil! Die Nähe zu Gott, die Hinwendung zum Wesentlichen soll uns die Augen des Herzens dafür schärfen, was wirklich zählt. Auf diese Weise wird es uns leichter möglich sein, bestimmte Vorgänge in unserer Gesellschaft zu beurteilen. Wir sollen dazu fähig werden, die wirklichen Anliegen unserer Mitmenschen wahrzunehmen. Advent darf kein Anraffen von Gütern sein und keine Fixierung auf den eigenen Vorteil, sondern muß den Blick öffnen für die Bedürfnisse unseres Nächsten.

Was wäre dabei, wenn wir uns bemühen würden um ein noch besseres Einvernehmen in unseren Familien? Vielleicht wartet der Ehepartner auf die Zeit für ein gemeinsames Gespräch oder gemeinsame Unternehmungen, um so die Werte der Liebe und des Zusammengehörens von Gott her neu zu entdecken. Vielleicht sind gerade die Kinder dankbar dafür, wenn Eltern mit ihnen in dieser Zeit gemeinsam basteln, spielen und singen und natürlich auch beten. Das sind keine überflüssigen Dinge, für die sich unsere ach so knapp bemessene Zeit nicht ausgeht, sondern ganz wesentliche Stationen auf dem Weg zum großen Licht von Weihnachten!

Wenn wir uns in dieser Weise bemühen um mehr Menschlichkeit, um Verständnis und Vergebung, dann kann dies nicht ohne gute Frucht bleiben. Die Einheit im Kleinen (im Kreis von Ehe und Familie, in Freundschaft und Arbeitsplatz) wird sich auswirken auf die Gesamtsituation unserer Gesellschaft. Von daher wird sich manches lösen lassen, woran wir bis jetzt gescheitert sind und was uns überfordert, wenn wir nur auf unsere eigenen Kräfte blicken.

Doch seien wir voll Zuversicht: Gott ist mit uns! Das Heil Gottes ist uns angesagt. Tauet Himmel den Gerechten, Wolken regnet ihn herab! Mit diesem Ruf ersehnen auch wir das Kommen des Erlösers in unser Herz: jetzt in der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest und jeden Tag neu, bis es heißt: Der Herr ist nahe! Ja, er wird kommen, um uns zu retten. Möge uns Gottes Liebe begleiten in diesem Leben, dem Ziel ewiger Vollendung entgegen! Amen