Josef Spindelböck
Das wahre Brot vom Himmel
Predigt am 19. Sonntag im Jahreskreis
Lesejahr B, 9. August
2009
L 1: 1 Kön 19,4-8; L 2: Eph 4,30-5,2; Ev: Joh 6,41-51
Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch!
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In den Worten Jesu „Ich bin das Brot vom Himmel“ liegt eine unerhörte Provokation. Viele der jüdischen Zuhörer Jesu haben dies gespürt, und es heißt im Evangelium, dass sie murrten. „Wie kann er nur so etwas sagen? Er ist doch einer von uns; und jetzt will er etwas Besonderes sein?“ So und ähnlich werden die Menschen reagiert haben, indem sie nur auf das irdisch Wahrnehmbare und Begreifliche geblickt haben. Das aber, worum es hier wirklich geht, gehört einer anderen Ordnung an, die menschliches Erkennen und Begreifen übersteigt!
Nur wer vom himmlischen Vater durch den Heiligen Geist erleuchtet ist, kann die Worte Jesu im Glauben annehmen. Jesus ist von Gott seinem Vater in die Welt Gesandt; an ihn sollen die Menschen glauben.
Und was er sagt, das trifft
auch uns mitten ins Herz: Jesus
bezeichnet sich selbst als das „lebendige
Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.“
Die Menschen brauchen eine Speise, die nicht nur für das irdische Leben
ausreicht, sondern ewiges Leben schenkt. Die Verheißung des Herrn ist groß, und
wir dürfen und sollen sie wirklich als das annehmen, wofür sie steht: „Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit
leben.“
In der heiligen Eucharistie schenkt sich uns Christus ganz und gar. Er ist da für uns und wird unser Brot; er ist unsere Speise für das Leben mit Gott, das kein Ende kennt. Der irdische Tod, der uns alle erwartet, kann die Gemeinschaft mit Gott nicht rauben; wer mit Christus in Glaube und Liebe verbunden ist, wird in Ewigkeit leben; und der Herr verspricht uns die Vollendung an Leib und Seele: „Und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.“
Wie aber kann dieses „Brot
vom Himmel“, das Christus selber ist, seine Wirkung entfalten? Wie können
wir den Herrn so empfangen, dass wir ihn nicht nur äußerlich mit dem Mund
aufnehmen, indem wir die Gestalt des Brotes empfangen, sondern ihm auch innerlich
im Herzen als dem „Brot des Lebens“ eine
Wohnung bereiten? Es ist wohl so,
wie wenn wir einen uns sehr lieben und
teuren Gast erwarten und aufnehmen: Wir tun alles, um es ihm möglichst
freundlich und angenehm zu machen. Er ist
uns nicht gleichgültig, wir kümmern uns um ihn und sind für ihn da.
In ähnlicher Weise ist es mit dem Empfang und der Vorbereitung auf die heilige Kommunion: Wir wollen uns erstens bewusst machen, wen wir unter der Brotsgestalt empfangen dürfen – Christus, den Herrn! Wir wollen freudig und gläubig hinzutreten und ihm durch unseren Glauben und unsere Liebe zeigen, dass er uns nicht gleichgültig ist. Die heilige Kommunion ist kein bloßes „Abspeisen“, wie manche dies gedankenlos und wohl auch etwas lieblos bezeichnen; sie soll wirklich Gemeinschaft mit Gott dem Herrn sein und auch Gemeinschaft mit allen Brüdern und Schwestern, die ihn empfangen. „Ein Brot ist es, darum sind wir viele ein Leib“, sagt der heilige Apostel Paulus (1 Kor 10,17a).
Wäre es nicht auch angebracht, hin und wieder (oder gar
regelmäßig) als besondere Weise der Vorbereitung auf die heilige Eucharistie
das Sakrament der Buße zu empfangen?
Wir alle bedürfen der Barmherzigkeit
Gottes, und wer sagt, dass er keine Sünde hat, belügt sich selbst. Ein echter Neuanfang ist möglich, wenn wir
auf Gottes Liebe vertrauen; wie immer unser Leben bisher verlaufen ist: wenn
wir die rettende Hand Gottes annehmen, dann wird unsere Zukunft gelingen und
unser Weg zum ewigen Leben führen.
Gottes Liebe hat uns
große Schätze anvertraut; wir sind aufgerufen, diese Schätze zu entdecken
und zu heben. Jesus Christus hat am Kreuz sein Leben für uns hingegeben; in der
Auferstehung hat er den Tod besiegt und schenkt auch uns ewiges Leben. Auch zu
uns spricht er die denkwürdigen Worte: „Das
Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben
der Welt.“
Amen.
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