Dr.
theol. habil. Josef Spindelböck
Gott schenkt alle
guten Gaben
Predigt am 17. Sonntag im
Jahreskreis B
30. Juli 2006
L
1: 2 Kön 4,42-44; L 2: Eph 4,1-6;
Ev: Joh 6,1-15
Alle liturgischen Texte finden Sie
online im Schott-Messbuch
/ Exegese des Ev
Liebe
Brüder und Schwestern im Herrn!
Die meisten Menschen in
unserem Land wissen nicht, was es heißt, Hunger
zu haben und das tägliche Brot entbehren
zu müssen. Nur die Älteren erinnern sich noch an die harte Zeit der Not während
und nach dem 2. Weltkrieg. In diesen Tagen wird durch die Medien das traurige Schicksal so vieler unschuldiger
Menschen an uns herangetragen, die im Libanon,
in Palästina und in Israel auf direkte oder indirekte Opfer terroristischer und militärischer Gewalt
geworden sind. Nationale und internationale Hilfsorganisationen sowie kirchlich-karitative
Einrichtungen bemühen sich um Hilfe für jene, die ihre Häuser und Wohnungen
verloren haben und auf der Flucht sind. Das Lebensnotwendigste wurde ihnen
genommen; sie wissen aus eigener Erfahrung, was es heißt, Hunger und Durst zu
haben.
Auf diesem aktuellen
Hintergrund vernehmen wir die Botschaft
des heutigen Evangeliums. Jesus
Christus tritt hier als derjenige auf, der den Menschen das zum Leben
Nötige schenkt, und das auf wunderbare Weise. Mit fünf Gerstenbroten und zwei
Fischen werden an
die 5000 Männer gestärkt;
12 Körbe bleiben von den Resten noch übrig. Das Wunder ist ganz und gar unbegreiflich
und soll ein Zeichen für Höheres sein, doch die Menschen verstehen Jesus nicht
und wollen ihn am liebsten mit Gewalt zu ihrem König machen, da sie nur
Irdisches im Sinn haben.
Jesus aber möchte in
seinen Zuhörern den geistigen Hunger nach dem „Brot des Himmels“ wecken, das er selber ist und ihnen in der
heiligen Eucharistie geben wird. Wie
oft übersehen wir bei dem, was wir an materiellen Gaben empfangen, den Schöpfer
und Herrn, dem wir letztlich alles verdanken. Wenn es heuer – so hoffen wir –
wieder eine gute Ernte gibt (Getreide, Obst, Wein …), dann gilt es Gott zu
danken. Der Mensch muss zwar mithelfen und in seiner Arbeit so manche Mühe
aufwenden; das Wachstum als solches
und die Frucht der Erde schenkt
jedoch Gott allein durch sein Wirken in der Natur.
Die vergänglichen Güter sind ein
Anlass zur Dankbarkeit gegenüber dem
Schöpfer; sie sind nicht das letzte und nicht das eigentliche Ziel des
Menschen. Darum betet die Kirche im Tagesgebet des heutigen Sonntags, Gott möge
uns helfen, „die vergänglichen Güter so zu gebrauchen,
dass wir die ewigen nicht verlieren.“
Dies gelingt umso leichter, je mehr wir auch ein Herz haben für die
Mitmenschen. Denken wir an jene, die in Not sind, und tun wir das unsere, um
ihnen wirksam zu helfen – sei es in der Nähe oder in der Ferne! Dann überwinden wir unseren Egoismus, und
wir werden die selige Wahrheit erfahren, dass Geben besser ist als Nehmen. Gott segnet den, der auch an seine
Mitmenschen denkt. Die Frucht des Geizes und der Habsucht verdirbt jedoch und
wird so schnell wieder hinweg genommen, wie sie sich vielleicht angesammelt
hat.
Gerade
das Geheimnis der heiligen Eucharistie,
auf das uns die wunderbare Brotvermehrung schon im Vorausbild hinweist, zeigt
uns, dass wir für die Brüder und Schwestern da sein müssen, so wie Jesus Christus, der Herr, für uns da
gewesen ist und sein Leben in Liebe
hingegeben hat für uns. Sein Opfer
am Kreuz, das bei der heiligen Messe sakramental vergegenwärtigt wird, ist
die Kraftquelle für unsere Hingabe
und für unseren Einsatz im Dienst der Not
leidenden Mitmenschen. Die Fürbitte der Gottesmutter Maria begleitet uns: Sie hat uns als wahre Jungfrau ihr
Kind Jesus geschenkt, das „Brot des Lebens“; sie möge uns auch im Dienst an
unserem Nächsten mit ihrer mütterlichen Fürbitte bei Gott beistehen! Amen.
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