Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis B
(25. Juni 2000)
L1: Ijob 38,1.8-11; L2: 2 Kor 5,14-17; Ev: Mk 4,35-41
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In wenigen Tagen werden in den meisten Diözesen Österreichs wieder Priester geweiht. Auch in unserer Diözese wird Diözesanbischof Dr. Kurt Krenn am 29. Juni, dem Hochfest Peter und Paul, um 14.30 Uhr im Dom zu St. Pölten drei junge Männer zu Priestern weihen. Dazu kommen noch die Weihekandidaten der einzelnen Ordensgemeinschaften, die an anderen Tagen das Sakrament der Priesterweihe empfangen werden.
Was bewegt junge oder bisweilen auch ältere Menschen, wenn sie sich entschließen, einen geistlichen Beruf zu ergreifen und Gott in einer besonderen Weise zu dienen? Der Weg bis zur Klärung dieser Entscheidung mag verschieden sein. Beim einen ist es ein besonderes Erlebnis gewesen, das ihn zum Nachdenken gebracht hat, beim anderen war es einfach der ganz gewöhnliche Glaubensweg, der die innerliche Überzeugung hervorgebracht hat, Gott in diesem Lebensstand zu dienen.
Die Grundvoraussetzung ist, daß sich diese Aufgabe, diesen Dienst, diese Würde und Bürde des Priestertums niemand selbst zusprechen und zuteilen kann. Es ist Gott, der beruft. Die menschliche Entscheidung, die in Freiheit geschieht, ist die Antwort der liebevollen Bereitschaft, Gott auf diese besondere Weise zu dienen. Darum wird auch das Grundmotiv, also der hauptsächliche Beweggrund für einen jeden, der die Priesterweihe empfangen will, jenes sein, daß es zuerst um Gott und sein Reich gehen soll. Nichts anderes darf hier dazwischentreten, sonst wäre die Absicht nicht lauter, und der Kandidat wäre nicht geeignet für den Dienst für Gott und die Menschen.
Freilich kann dieser Ruf Gottes, der sich an einen Menschen stellt, ganz verschieden erlebt werden. Die einen freuen sich, wenn sie für sich die Möglichkeit entdecken, zum Priester berufen zu sein. Andere empfinden das als Last. Sie sagen sich: „Ich habe mir mein Leben doch ganz anders vorgestellt, lieber Gott. Warum ausgerechnet ich? Wieso berufst Du nicht jemanden anderen?“ Es gibt Menschen, die den Ruf Gottes zum Priestertum erfahren haben, sich aber dann nicht dazu entschließen konnten, ihr Ja aus ganzem Herzen zu sprechen. Auch im Evangelium finden wir das Beispiel des reichen Jünglings, der von Jesus zur besonderen Nachfolge eingeladen wird, aber dann traurig ist, weil er sieht, welche Opfer und welcher Verzicht damit verbunden sind.
Viele durften dieses Ja zu Gott im Priesterberuf bereits sprechen und leben es täglich. Denen, die einer Berufung zum Priester- oder Ordensberuf gegenüberstehen, können viele Priester, die ihre Berufung als Glück erfahren, zurufen: „Habt keine Angst! Dem besonderen Ruf Gottes zu entsprechen nimmt Dich zwar ganz in Anspruch und ist darum verbunden mit der Ganzhingabe Deines Lebens, aber Du wirst nichts von all dem verlieren, was Du in Deinem Herzen ersehnst und was Du brauchst, um ein erfülltes Leben führen zu können. Ganz im Gegenteil: Gottes Liebe wird Dir neue Möglichkeiten auftun, so kannst Du als Mensch und Christ reifen und für viele zum Segen werden.“
Jesus Christus braucht Menschen, die sich ihm ganz zur Verfügung stellen, die wie er in allem nach dem Willen Gottes suchen. Der schlichte Glaube genügt, es braucht keinen Übereifer und keinen Fanatismus.
Wer zum Priester geweiht wird, tritt in eine besonders enge und unlösbare Verbindung mit Jesus Christus, dem ewigen Hohenpriester, ein. Er erhält Anteil am Priestertum Jesu Christi. So darf er in seinem Namen, „in seiner Person“, das eucharistische Opfer vollziehen und die Sakramente spenden. Es ist Christus selbst, der durch den Priester handelt, wenn er seinen Dienst vollzieht.
Danken wir Gott für die Priester und beten wir auch für sie. Denn Priester sind aus den Menschen erwählt und bleiben Gottseidank Menschen mit Fehlern und Schwächen. Umso mehr ist es notwendig, daß Gläubige und Priester miteinander verbunden sind in Liebe und Vertrauen, aber auch im Gebet füreinander.
Möge die selige Jungfrau Maria, die Mutter des ewigen Hohenpriesters und die Mutter aller Priester, in vielen Herzen die Bereitschaft wecken, dem Ruf Gottes in Liebe zu antworten! Durch die Gnade Gottes wird uns im sakramentalen Dienst der Priester das göttliche Leben geschenkt, dessen ewige Vollendung bei Gott wird erwarten. Amen.