Kaplan Dr. Josef Spindelböck

 

Wallfahrtspredigt in St. Anton an der Jeßnitz

am 13. Juni 2000

 

L: Jes 61,1-3a; Ev: Lk 10,1-9

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Schon lange ist es her (genau 769 Jahre), seit der heilige Antonius von Padua im Alter von 36 Jahren gestorben ist. Aber die Jahre, die seither vergangen sind, haben sein Andenken nicht ausgelöscht, sondern im Gegenteil: Viele Menschen haben immer wieder die Fürbitte des großen Heiligen angerufen und seine Hilfe in den verschiedensten Nöten der Seele und des Leibes erfahren! Auch wir sind heute voll Dankbarkeit hier versammelt, um das Patrozinium dieser Kirche zu begehen.

Ihre Kirche, liebe Gläubige, ist einem der größten Heiligen der Christenheit geweiht. Und doch ist es bei Antonius wie bei allen Heiligen: Das Große, das sie in ihrem Leben wirken durften, haben sie nicht aus eigener Kraft getan, sondern durch Gottes Gnade, der sich an ihnen als groß erwiesen hat. So gereicht jeder Ruhm, den wir den Heiligen erweisen, Gott zur Ehre!

Das Leben dieses Heiligen ist Ihnen wahrscheinlich in großen Zügen vertraut. In Portugal wurde er geboren und war zuerst Mitglied des Ordens der Augustinerchorherrn in Coimbra. Ein einschneidendes Erlebnis veränderte sein Leben: Er wurde Zeuge der Bestattung der Leichname der ersten franziskanischen Märtyrer, die in Marokko durch fanatische Moslems den Tod gefunden hatten. Und da er den Wert dieses Zeugnisses für Christus erkannte, erwachte in ihm der Wunsch nach dem Martyrium. Um dies zu verwirklichen, trat er bei den Franziskanern ein, und kurz darauf begab er sich in die Mission nach Nordafrika.

Doch da wurden seine Pläne durchkreuzt: Seine Gesundheit spielte nicht mehr mit, und darum war er gezwungen, wieder zurückzukehren. Auf der Heimfahrt geriet er unter abenteuerlichen Umständen nach Sizilien. Daraufhin zog er sich in ein Einsiedler-Kloster in Italien zurück, wo er als Priester den Dienst versah und in stiller Vertrautheit mit Gott lebte, ohne daß man besonders auf ihn aufmerksam geworden wäre.

Eher zufällig wurde sein großes Predigt-Talent entdeckt. Und so kam es, daß er bald einer der bekanntesten und erfolgreichsten Prediger seiner Zeit wurde. Sein Ziel war es, die Menschen wieder zu Gott hinzuführen, von dem sie sich durch ihre Sünden und Laster entfernt hatten. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand unser Herr Jesus Christus, der Mensch geworden ist aus der Jungfrau Maria. Ähnlich wie sein Ordensvater Franziskus hatte auch Antonius eine große Liebe zum heiligen Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Darum wird er auch oft mit dem Jesuskind auf dem Arm dargestellt, eine Ehre, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – sonst nur dem heiligen Josef zuteilt wird.

Ist nicht gerade heuer seine Botschaft besonders aktuell, wo wir im Heiligen Jahr das 2000-Jahr-Jubiläum der Menschwerdung des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria feiern? Mit der Geburt Jesu Christi aus der Jungfrau Maria wurde ja ein Wendepunkt in der Geschichte eingeleitet. Gott ist uns nahe geworden, er ist einer von uns geworden, in allem uns gleich außer der Sünde. So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn zu uns gesandt hat, der unter uns gelebt und gewirkt hat, der für uns am Kreuz gestorben und auferstanden ist.

Voll des Heiligen Geistes hat der heiligen Antonius die Wahrheiten des katholischen Glaubens verkündet. Auf diese Weise konnte er viele Anhänger der Sekte der Katharer wieder zum Glauben zurückführen, denn auch damals gab es in der Kirche verschiedene Strömungen, und es wirkten auch Sekten. In Italien und auch in Frankreich entfaltete Antonius seine segensreiche Predigttätigkeit. Dabei war es dem Heiligen das Wichtigste, daß alle Predigt vorbereitet sein mußte durch intensives Gebet und auch, daß die Taten dem entsprechen mußten, was er im Wort verkündete.

Das heißt, liebe Brüder und Schwestern, wenn wir dem heiligen Antonius wirklich nachfolgen wollen, dann genügt es nicht, hin und wieder vor seine Statue zu treten und ihm dies oder jenes anzuempfehlen. Das ist gewiß gut und richtig. Aber wir sollen uns auch um ein christliches Leben bemühen. Das Leben muß dem entsprechen, woran wir glauben.

In besonderer Weise hat der heilige Antonius die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria verehrt. Sie hat von Gott die Gnade empfangen, Mutter des Sohnes Gottes zu werden. Wegen dieser großen Aufgabe war sie frei von jeder Sünde und vollkommen in der Liebe zu Gott und den Menschen. Ihre Fürbitte erreicht alles bei Gott. So wollen wir uns nach dem Beispiel des heiligen Antonius ganz besonders der Fürbitte der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria empfehlen. Sie kennt ja nur den einen Wunsch, die Menschen zu Jesus Christus, ihrem Sohn, hinzuführen.

Der heilige Antonius war also ein Mensch, der in allem den Willen Gottes suchte. Er fragte nicht nach dem, was ihm selber am bequemsten war, sondern sein Streben richtete sich darauf, die Liebe Gottes zu verkünden und dementsprechend zu leben. So nahm er es auf sich, daß er in einem heiligen Ordensleben auf jeglichen Besitz verzichtete, daß er Strapazen und Unsicherheiten auf sich nehmen mußte, daß er auch des öfteren in Lebensgefahr geriet und daß er schließlich – jung an Jahren, aber bereits reif an menschlicher und geistlicher Erfahrung – sein Leben dem Schöpfer zurückgab, als er am 13. Juni 1231 in Arcella bei Padua verstarb. Bereits ein Jahr nach seinem Tod wurde er heiliggesprochen.

Was diesen Heiligen so sehr auszeichnet, ist die innere Freude, die Freude aus dem Glauben, die Freude an Jesus und Maria, die ihm Kraft gegeben hat in allen Prüfungen und Nöten und die ihm so viel Überzeugungskraft verliehen hat. Darauf kommt es also an, daß wir mit Gott verbunden sind. Nicht irdischer Reichtum und Ehre können uns glücklich machen, sondern allein der Friede des Herzens, der aus einem guten Gewissen kommt, das die Liebe zu Gott uns schenken kann.

Übergeben wir dem heiligen Antonius alle unsere Anliegen, alle Nöte des Leibes und der Seele, unsere persönlichen Bitten und die Sorge der ganzen Kirche und der Welt. Er wird die Bitten vor Gott hintragen und unser Vertrauen nicht enttäuschen. Gott schenke uns auf seine Fürbitte hier auf Erden den Frieden und im Himmel die ewige Seligkeit. Amen.

 

 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at