Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau
Ansprache bei der ACIES-Feier
der Legion Mariens
am 26. April 1998 in Ybbs
Liebe hw. Mitbrüder, liebe Mitglieder der Legion Mariens, liebe Hilfslegionäre, liebe Gläubige und liebe Ministranten!
Jedes Jahr um den 25. März herum veranstaltet die "Legio Mariä" ihre Aciesfeier. Es ist eine besondere Stunde der Besinnung und des Lobpreises Gottes für die großen und wunderbaren Taten, die er an Maria, seiner demütigen Magd, gewirkt hat. Es soll auch eine Erneuerung unserer persönlichen Hingabe und Weihe an die Gottesmutter Maria sein, die wir bei dieser Feier zum Ausdruck bringen. Wie sich nämlich Jesus Christus, der Sohn Gottes, in seiner heiligen Menschwerdung ganz in die Obhut der Jungfrau Maria begeben hat und sich als Mensch im Mutterschoß von ihr abhängig gemacht hat, so sollen auch wir uns in allem der Gottesmutter Maria übergeben und schenken, um in vollkommener Abhängigkeit von ihr den Weg zu Gott zu finden!
Was ist das Geheimnis jener Frau, die wir als Patronin der Legion verehren? Wie finden wir einen Zugang zum Herzen der Gottesmutter?
Ich meine, im letzten kann uns nur Gott selber das Geheimnis der Gottesmutter Maria erschließen. Es ist der Heilige Geist, der Geist der Liebe, der Maria vom Anfang ihres Daseins an geprägt und mit der Fülle der Gnaden beschenkt hat. Maria ist ganz "geist-lich", eine geisterfüllte Frau also, in der die Liebe Gottes wirksam geworden ist über jedes menschliche Maß hinaus, indem sie die "Mutter Gottes" werden durfte.
Wenn wir Gott nur anbeten können "im Geist und in der Wahrheit" (Joh 4,23 f), dann führt uns dieser Weg zur wahren Gottesverehrung von selber zur Jungfrau Maria, die einen hervorragenden Platz in der Ordnung des Heiles einnimmt. Gewiß hätte Gott auch andere Wege gehabt, um den Menschen sein Heil mitzuteilen. Er selber wählte aber in seiner Menschwerdung den Weg über Maria, und wir haben nicht das Recht, die Wege Gottes in Frage zu stellen oder zu kritisieren, sondern wir wollen dankbar sein für das Große, das Gott um unseres Heiles willen an Maria getan hat!
Wenn wir Maria ehren, dann ehren wir Gott den Vater, dessen auserwählte Tochter sie ist, wenn wir Maria anrufen, dann danken wir Gott dem Sohn, dem sie eine menschliche Mutter sein durfte, wenn wir Maria verehren, dann preisen wir den Heiligen Geist, dessen Braut und Heiligtum sie in jedem Augenblick ihres Lebens sein durfte!
Im "Jahr des Heiligen Geistes" 1998 bereiten wir uns auf die 2000-Jahr-Feier der Geburt Christi in Bethlehem vor. Der Heilige Geist ist die dritte Person der Heiligsten Dreifaltigkeit, "der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird" (Nicäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis). Er ist wahrer Gott wie der Vater und wie der Sohn, und der Heilige Geist ist eines Wesens mit dem Vater und dem Sohn.
Die Menschwerdung Christi war nur möglich im Heiligen Geist. Maria wurde darauf vorbereitet, indem sie schon im Schoß ihrer Mutter vom Heiligen Geist geheiligt und von jeder Makel der Erbsünde bewahrt wurde. Sie ist die "Unbefleckte Empfängnis". Als der Engel bei der Verkündigung zu ihr kam und ihr eröffnete, daß sie die Mutter des Sohnes Gottes werden sollte, gab sie freudig ihr Ja und empfing das ewige Wort durch den Heiligen Geist, sodaß es in ihrem Schoß Fleisch werden konnte. Der Heilige Geist ist der Lebensspender, und ihm ist es zu verdanken, daß die Jungfrau Maria ohne Mitwirkung eines Mannes Jesus, den Erlöser der Menschen, in ihrem jungfräulichen Schoß empfangen und ihn dann in Bethlehem geboren hat.
In ihrem ganzen Leben folgte Maria den Einsprechungen des Geistes Gottes, der ihr die Wege zeigte, wie sie am göttlichen Heilsplan mit Jesus ihrem Sohn mitwirken konnte. Unter dem Kreuz hat sie - gestärkt vom Heiligen Geist - dieses Ja zu ihrem Sohn wiederholt und ihn mit ihrem Herzen hingegeben für alle Menschen, denen sie dadurch in einer besonderen Weise zur Mutter geworden ist.
Nach der Auferstehung Jesu betete sie mit den Aposteln, Jüngern und Frauen um das Kommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Dieser Heilige Geist erfüllte die junge Kirche, und hier vor allem Maria, die das hervorragendste Glied der Kirche und ihr Urbild ist.
So sehr war Maria vom Heiligen Geist durchdrungen und erfüllt, daß sie nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen wurde. Ihr Leib sollte die Verwesung nicht schauen, da sie mit dem Heiligen Geist, dem Quell der Gnade und dem Prinzip des Lebens, in einzigartiger Weise geeint war.
Im Himmel hört Maria nicht auf, fürbittend für uns einzutreten und uns von Gott die Schätze der Gnade und des Heiles zu erflehen und mitzuteilen. Der Heilige Geist wirkt durch Maria auch heute Wunder des Heils!
Wie soll sich dies alles auf unser praktisches religiöses Leben auswirken? Wie können wir mit Mariens Hilfe der Gnade der Kindschaft treu bleiben, die wir bei unserer Taufe im Wasser und im Heiligen Geist empfangen haben?
Der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort empfiehlt uns, daß wir die Ganzhingabe oder Weihe an die Gottesmutter Maria vollziehen und dort, wo wir dies bereits getan haben, sie oft im Herzen erneuern. Denn alles, was wir Maria schenken, gehört Gott. Wenn wir uns ihr ganz überlassen, dann wird der Heilige Geist in unserem Herzen wirken können, der immer mit Maria verbunden ist und nie auch nur einen Augenblick von seiner treuesten Braut getrennt war.
Es ist der Geist der Liebe, der unser Herz erfüllen will mit seiner Gnade. Gott teilt seine Gnaden aus durch Maria. Je mehr wir uns ihm öffnen und mit der Gottesmutter verbunden sind, desto empfänglicher sind wir für die Gnaden Gottes.
Maria ist die reine Empfänglichkeit für die Gnade Gottes und das Wirken des Heiligen Geistes. In keinem Augenblick hat sie Gott etwas verweigert, sondern sie war allezeit offen für die Liebe Gottes und den göttlichen Heilsplan. Maria wird auch unser Herz öffnen für das Wirken des Heiligen Geistes. Beten wir also in diesem Vorbereitungsjahr besonders auch das Geheimnis des glorreichen Rosenkranzes: "Jesus, der uns den Heiligen Geist gesendet hat".
Wenn uns Maria den Heiligen Geist erbittet, dann wird unser Leben von Gott her erneuert werden. Dann werden wir aus der Tauf- und Firmgnade leben, und auch die Kirche wird wieder im Glauben erneuert werden! Amen.
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