Predigt:
Der Heilige Geist wohnt in uns
Pfingstsonntag A (12.06.2011)
L1: Apg 2,1-11; L2: 1 Kor 12,3b-7.12-13; Ev: Joh 20,19-23
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Pfingsten ist das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel und die übrigen Jünger, einschließlich der Frauen, ja auf die ganze Kirche. Unter dem Zeichen von Feuer und in Sturmesbraus geschah es, dass alle, die im Abendmahlssaal versammelt waren, vom Geist Gottes erfüllt wurden und prophetisch zu reden begannen.
Wer ist der Heilige Geist? Es scheint, dass er auch für viele Christen „der unbekannte Gott“ ist (vgl. Apg 17,23). Wir machen zwar das Kreuzzeichen „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, und wir hören öfter von ihm, wenn wir beten und die heilige Messe mitfeiern – doch wissen wir wirklich, wer der Heilige Geist ist?
Natürlich ist der Heilige Geist kein dritter Gott: so als wäre Gott Vater der erste Gott, Gott Sohn der zweite und Gott Heiliger Geist der dritte. Nein, wir verehren und beten an den einen Gott in den drei göttlichen Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Nicht drei Götter verehren wir, sondern einen einzigen Gott in drei Personen, der ein Geheimnis der Liebe und des Lebens ist.
Im Katechismus der Katholischen Kirche (Nr. 691) heißt es: „‘Heiliger Geist‘ ist der Name dessen, den wir mit dem Vater und dem Sohn anbeten und verherrlichen. Die Kirche hat diesen Namen vom Herrn übernommen und spricht ihn bei der Taufe ihrer neuen Kinder aus.“ Ja, wir sind getauft auf den Namen des Dreifaltigen Gottes, und in der Taufe hat der Heilige Geist in uns Wohnung genommen, sodass wir zum „Tempel des Heiligen Geistes“ geworden sind (vgl. 1 Kor 6,19).
Gott ist uns unbeschreiblich nahe; im Heiligen Geist wohnt er in unserem Herzen. Ist dies nicht eine unerhörte Botschaft, die uns froh machen kann? Wir gehören ganz und gar zu Gott, wenn wir in seiner Gnade leben und die Freundschaft mit ihm aufrecht erhalten. Gott heiligt uns; und hier ist unser Leib einbezogen, den wir daher heilig halten sollen. Im Heiligen Geist dürfen wir Gott unseren Vater nennen. Jesus Christus hat ihn uns vom Vater her gesandt, damit er uns beisteht und uns tröstet auf dem Weg zu Gott.
Auf die Frage: „Was tut der Heilige Geist im meinem Leben?“ antwortet der Jugendkatechismus („YOUCAT“) auf folgende Weise (Nr. 120): „Der Heilige Geist öffnet mich für Gott; er lehrt mich beten und hilft mir, für andere da zu sein.“ In einzigartiger Weise hat dies Maria, die Jungfrau und Gottesmutter, erfahren. Sie ist die ganz und gar vom Heiligen Geist erfüllte Frau; in ihr hat er das Wunder der Menschwerdung des Sohnes Gottes gewirkt. Im Heiligen Geist ist sie fruchtbar geworden. Durch Mariens Fürbitte werden auch die Kinder der Gnade stets neu geboren im Sakrament der Taufe, gleichsam aus dem Mutterschoß der Kirche.
Komm, o Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. Sende aus deinen Geist, und alles wird neu geschaffen. Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern. Amen
