Predigt:
Der Einzug Jesu in Jerusalem
Palmsonntag A (17.04.2011)
L1: Jes 50,4-7; L2: Phil 2,6-11; Passions-Ev: Mt 26,14-27,66
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Mit dem Palmsonntag beginnt die „Heilige Woche“, die Karwoche. Die Gegensätzlichkeit der Erfahrungen, die unser Herr Jesus Christus gemacht hat, erschüttert uns zutiefst im Herzen.
Da ist am Palmsonntag sein triumphaler Einzug in Jerusalem! Und wenige Tage später wird er genau dort zum Tod am Kreuz verurteilt und hingerichtet.
Im Evangelium vom Einzug Christi in Jerusalem schildert Matthäus den Jubel vieler Menschen. Sie sahen im Einzug Christi, der auf dem Rücken einer Eselin und ihres Fohlens in die Stadt ritt, eine Erfüllung der prophetischen Verheißungen. Der König aus dem Hause David würde nun seine Macht antreten, und alles würde gut werden! Welch ein Anlass zur Freude und zum Jubel!
Gewiss, es war eine ehrliche Freude dieser Menschen, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings blieb die Freude an der Oberfläche. Würden diese Menschen Jesus auch dann noch zujubeln, als er wenige Tage später sein Kreuz zu tragen hatte? Leider wissen wir, dass angesichts der Verurteilung Jesu zum Kreuzestod sogar seine engsten Jünger ihn verließen bzw. sich zurückzogen. Es war für sie ein Ärgernis, dass jener Mensch, der zuvor als Messias begrüßt worden war, nun wie ein Sklave den schändlichsten Tod eines Verbrechers auf sich nehmen sollte. Wer konnte das verstehen? Es war der Augenblick der tiefsten Erniedrigung Jesu, als er im Gehorsam bis zum Tod am Kreuz das Leiden und Sterben auf sich nahm.
Und doch hat unser Herr gerade hier triumphiert durch seine Liebe, mit der er alles Unrecht erlitten und auf sich genommen hat. Er ließ sich durch das Böse nicht besiegen, sondern zeigte sein Erbarmen mit uns sündigen Menschen eben dadurch, dass er wie ein Opferlamm das ungerecht verfügte Leiden auf sich nahm. Er gab sein Leben hin für uns, damit wir in der Gemeinschaft mit Gott leben. Sein Opfer der Sühne sollte sich kurze Zeit später im Geheimnis der Auferstehung vollenden. Auf diese Weise hat Gott der Vater ihn erhöht und ihm jenen Namen verliehen, der größer ist als alle Namen im Himmel und auf Erden, wie es im Philipperhymnus (2. Lesung) heißt. Auch wir beugen unsere Knie vor Jesus Christus, dem Herrn, und bekennen, dass er der Erlöser und Heiland ist.
Ein Mensch, eine Frau wurde in diesen wechselvollen Tagen nicht irre an Jesus: Es war Maria, seine Mutter. Sie bewährte sich als wahrhaft Glaubende und Liebende auch in den dunklen Stunden des Leidens und Sterbens Jesu. Auf diese Weise wurde sie zur Mutter aller Glaubenden, und auch wir sind ihrem besonderen Schutz und ihrer Fürbitte anvertraut.
Möge uns Gott die Kraft geben zu Treue und Liebe, sodass wir in Einheit mit Jesus Christus zur ewigen Freude des Himmels und einst zur seligen Auferstehung gelangen! Amen
