Predigt:
Liebe, die bis zum Tode geht
Karfreitag A (22.04.2011)
L1: Jes 52,13-53,12; L2: Hebr 4,14-16; 5,7-9; Passions-Ev: Joh 18,1-19,42
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Eben haben wir den Bericht vom Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus nach dem Evangelisten Johannes gehört, die „Johannes-Passion“. Der Karfreitag erinnert uns an das Erlösungsopfer des Herrn am Kreuz, an das Geheimnis seiner liebenden Hingabe für uns Menschen gemäß dem Willen des Vaters.
Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um alles Menschliche mit uns zu teilen. Er hat mit seinem Leib und seiner Seele alle Not und allen Schmerz auf sich genommen, als er dem Tode ausgeliefert wurde. Am Ölberg empfand Jesus wirkliche Todesangst; als Mensch musste er sich dazu durchringen, den Willen des Vaters anzunehmen. Dennoch war er ganz entschlossen, sein Leben hinzugeben als Opfergabe der Liebe.
Das Kreuz galt in der damaligen Welt als „Ort der äußersten Erniedrigung und Verlassenheit“; es „war das schändlichste und grausamste Hinrichtungsmittel der Antike.“ Wenn Gottes Sohn das Leiden und Sterben auf diese Weise auf sich genommen hat, dann wollte er uns zeigen, dass seine Liebe über alles Böse triumphiert: „Christus, unser Erlöser, wählte das Kreuz, um die Schuld der Welt zu tragen und das Leid der Welt zu leiden. So hat er die Welt durch seine vollkommene Liebe wieder zu Gott heimgeholt“, heißt es im neuen Jugendkatechismus.
Nach dem Tod wurde Jesus ins Grab gelegt. Doch bald sollte er auferstehen! Im Glauben an den Erlöser harrten einige wenige Menschen aus; darunter waren Maria, die Mutter Jesu, und Johannes, der Jünger, den Jesus besonders lieb hatte. Vom Kreuz aus hat Jesus den Jünger seiner Mutter als Sohn anvertraut. Auch wir sind hier mitgemeint: Maria ist die Mutter aller Glaubenden, die Mutter der Kirche.
Wir wollen Gott bitten, dass er auch unseren Glauben an den gekreuzigten Erlöser stärke. Das Kreuz ist zum Zeichen des Sieges über alles Böse geworden. Die Liebe ist stärker als der Tod.
Das mag uns trösten in manchen Ölberg- und Karfreitagsstunden, die wir vielleicht in unserem Leben durchleiden müssen. Selbst wenn uns alle verlassen würden – Gott verlässt uns nicht! Er ist immer bei uns; er wird uns wieder aufrichten. So nehmen wir das Leben und das Sterben an aus der Hand Gottes; wer mit Christus lebt und stirbt, wird einst mit ihm am ewigen Leben bei Gott teilhaben! Amen
