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Predigt:

Christkönigssonntag A (24.11.2002)

L1: Ez 34,11-12.15-17; L2: 1 Kor 15,20-26.28; Ev: Mt 25,31-46


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Mit dem heutigen Christkönigssonntag schließt in der Zählung der Sonntage das Kirchenjahr ab; der kommende 1. Adventsonntag zählt bereits zum neuen kirchlichen Jahr! Auch wenn wir heute in Österreich von unserem demokratischen Wahlrecht zum Nationalrat Gebrauch machen sollen, so wollen wir doch Jesus Christus, den König des Himmels und der Erde anbeten und ihm huldigen. Von ihm leitet sich letztlich jede rechtmäßige staatliche Autorität ab, wie immer sie verfaßt ist, auch in einer Demokratie.

Jesus hat einmal gesagt, daß sein Reich nicht von dieser Welt ist. Das Reich Gottes ist verborgen in dieser Welt anwesend, und es wird sich vollenden am Ende der Zeiten, wenn der Herr wiederkommt, um zu richten die Lebenden und die Toten.

Wir können uns fragen: Warum ist Jesus Christus ein König? Warum gebührt ihm das Königtum? Die Antwort ist eine mehrfache: Vor allem ist Christus der König des Himmels und der Erde, weil er der eingeborene Sohn des ewigen Vaters ist. Er ist ihm als Gott wesensgleich. Der Sohn ist gleich ewig und gleich erhaben wie der Vater und mit ihm geeint durch den Heiligen Geist. In einer Gottheit leben und existieren drei göttliche Personen. Der dreifaltige Gott ist der Ursprung und der Quell all dessen, was lebt und existiert. Gott hat alles im Geist durch sein Wort erschaffen; eben dieses Wort ist der Sohn Gottes. So ist Christus der Herr über alle Schöpfung: über die unbelebte Natur, über alles, was lebt: Pflanzen, Tier und Menschen, ja auch über die unsichtbare Schöpfung, nämlich das Reich der Engel.

Jesus Christus, der aus Liebe zu uns Mensch gewordene Sohn Gottes, ist aber auch noch aus einem anderen Grund unser Herr und König: Er hat uns erlöst durch seine freiwillige Selbsterniedrigung am Kreuz. Mit seinem Blut hat er uns für Gott erworben und uns zu Königen und Priestern gemacht im Heiligen Geist. Weil uns der Sohn Gottes der Herrschaft der Finsternis entrissen hat, in die der Mensch durch eigene Schuld gefallen war, hat er gleichsam ein Anrecht auf uns. Es ist eine heilige Herrschaft, die der Sohn Gottes ausübt in Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe. Er ist der König der Barmherzigkeit, der alle Menschen retten will. Er befreit uns von der Sünde und allem Bösen, von jedem Übel, wenn wir uns ihm anvertrauen und an ihn glauben.

Aus der Sicht nicht glaubender Menschen scheint es, als ob Christus bloß der König jener sein, die an ihn glauben. Wir hingegen sind fest davon überzeugt: Christus der König herrscht über alle Menschen. Sein jetzt noch verborgenes und unsichtbares Königtum wird sich einst offenbaren, wenn der Herr kommt, um zu richten die Lebenden und die Toten.

Wie aber können wir dem Herrn begegnen? Wie können wir Christus dem König dienen? Das heutige Evangelium gibt uns einen überraschenden Rat: Wir sollen uns den Brüdern und Schwestern in Not zuwenden, all jenen, die leiden und unsere Hilfe ganz besonders brauchen. Auch wenn ein Mensch arm und krank ist, unansehnlich und leidend, wenn er nichts und niemanden hat, so verliert er doch nicht seine menschliche Würde. Jeder Mensch trägt Gottes Ebenbild in sich, ja noch mehr: In ihm begegnet uns Jesus Christus.

Wie hätte die große Schwester Mutter Teresa von Kalkutta ihren aufopferungsvollen Dienst an den Ärmsten der Armen bewältigen können, wenn sie nicht ganz von der Glaubensgewißheit durchdrungen gewesen wäre, daß uns in jedem leidenden und zerschundenen Antlitz der gekreuzigte Herr begegnet? Hier ist der Ort besonderer Gottesbegegnung, echt christlicher Bewährung.

Es ist ein Weg, der grundsätzlich jedem Menschen guten Willens offensteht. Sogar Nichtglaubende können, durch die verborgen wirksame Gnade Gottes bewegt, angetrieben sein, sich dem notleidenden Mitmenschen zuzuwenden. Wie groß wird dann einmal die Überraschung sein, wenn der Herr beim Gericht sagen wird: Das alles habt ihr mir getan!

Umgekehrt gibt es auch die Möglichkeit, daß wir unser Herz verschließen vor der Not der anderen – daß wir es hart machen. Auch wenn wir dann noch so fromm beten wollten, unser Gebet wird nicht mehr zum Himmel dringen, solange wir das Herz nicht auch dem Bruder oder der Schwester um uns geöffnet haben. Mögen wir immer ein Herz haben füreinander und niemanden von unserer Liebe und Fürsorge ausschließen! Wahrscheinlich gibt es noch viele Möglichkeiten der Hilfe und des Beistandes, die wir selber noch gar nicht entdeckt haben. All dies sind Wege, um zu Christus zu finden und ihm, dem König, begegnen.

Er ist ein König nach anderer Art: nicht herrschsüchtig, sondern dienend; nicht aufbrausend, sondern geduldig und von Herzen demütig. Er ist der Anwalt der Schwachen und Armen, der Freund der Sünder und ehrlich Ringenden.

Wir wollen an diesem Christkönigssonntag auch die liebevolle Mutter unseres Herrn Jesus Christus ehren, die heilige Jungfrau Maria. Ihr Dienst auf Erden war ein Leben im Geist der Magd des Herrn. Gottes Wille war für sie bestimmend. In Liebe wandte sie sich den Mitmenschen zu und suchte sie zu Gott zu führen. Sie möge auch uns beistehen und uns den ewigen König zeigen. Seine Herrlichkeit ist uns jetzt noch verborgen, möge uns aber einmal in Liebe offenbar werden für alle Ewigkeit! Amen