Predigt
am Christkönigssonntag
(21.
November 1999)
L 1: Ez 34,11-12.15-17; L 2: 1 Kor 15,20-26.28; Ev: Mt 25,31-46
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Heute begehen wir den letzten Sonntag im Kirchenjahr, er wird "Christkönigssonntag" genannt. In einer Woche stehen wir schon im Advent, der Zeit der unmittelbaren Vorbereitung auf die Feier der Geburt Christi zu Weihnachten.
Anfang und Ende der Zeit liegen in Gottes Hand, er ist das "Alpha" und das "Omega", Ursprung und Ziel von allem, was lebt und existiert. Wenn jemand den Titel "König" mit Recht verdient und trägt, so ist es Gott, dem diese Bezeichnung im Vollsinn zusteht. Das haben die Israeliten im Alten Bund richtig erkannt. Lange Zeit hatten sie nämlich im Gegensatz zu den Völkern der benachbarten Gebiete keinen eigenen König. Es waren "Richter" eingesetzt, König sollte nur einer sein: Gott der Herr, Jahwe, der sein Volk aus der Knechtschaft der Ägypter errettet hatte und der es in seiner liebevollen Vorsehung gut und sicher durch die Zeiten führte.
Dann aber gab es die Zeit der Könige. Das Volk Israel wollte sich nicht mehr abheben von den Nachbarvölkern und verlangte daher einen König. Es gab große und bedeutende wie Saul, David und Salomon, aber auch viele, die das Volk unterdrückten und in die Irre führten, indem sie die Verehrung fremder Götter zuließen. Im Königtum Davids wurde dem Volk des Alten Bundes die Verheißung gegeben von einem kommenden König, der herrschen würde in Heiligkeit und Gerechtigkeit und dessen Königtum kein Ende haben wird. Es ist der Messias.
Am heutigen Festtag bekennen wir, daß die alttestamentliche Verheißung vom messianischen König in Jesus Christus in Erfüllung gegangen ist. Er ist wirklich unser König, weil er von Gott, seinem Vater, zu den Menschen gesandt ist. Indem er dem Vater gleich ist in seinem göttlichen Wesen, ist er der Herrscher über das All. In ihm ist alles erschaffen, durch ihn besteht alles und auf ihn hin ist alles hingeordnet. Er ist der Mittelpunkt der Geschichte, dessen 2000-jähriges Kommen wir bald feiern werden!
Gewiß haben wir heute andere Vorstellungen von Herrschaft und Regierung als die Menschen vor Jahrtausenden. Die meisten unserer Zeitgenossen haben das Bewußtsein dafür verloren, daß jede rechtmäßige Autorität und politische Macht verankert sein muß in Gott, dem höchste Herrn. Ohne ihn hat nichts Bestand.
Christi Herrschaft hat nichts zu tun mit Willkür oder Gewalt. Er ist der König der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Wenn wir ihn herrschen lassen in unseren Herzen, dann werden wir wahrhaft frei. Ihm zu dienen, bedeutet mit ihm zu herrschen. Das hat der Sohn Gottes uns vorgelebt durch sein demütiges Leben als Mensch unter uns und für uns. In seiner Nachfolge sollen auch wir die Brüder und Schwestern lieben. Jesus sagt, daß wir entsprechend jener Liebe, die wir dem Nächsten erweisen, einmal von ihm gerichtet werden, wenn er als König wiederkommt.
So enthält der heutige Tag durchaus ein herrschaftskritisches und ideologiekritisches Moment. Nichts und niemand hat vor Gott Bestand, der nicht in der Wahrheit und in der Liebe steht. Dabei muß das Herz erneuert werden, und da soll jeder bei sich selbst beginnen! Der Ernst der Entscheidung, die von uns verlangt ist, soll uns die Größe unserer himmlischen Berufung vor Augen führen. Allein Gott ist der Richter, er ist der König!
Entscheidend ist, wen wir zu unserem Herrn machen. "Herr" ist derjenige, dessen Urteil wir alles unterstellen, von dem wir uns ganz abhängig machen. Sind es geschaffene Güter, die wir zu Götzen erheben, oder ist der lebendige Gott unsere höchste Freude? Darf ER der König für uns sein?
Mit Jesus Christus herrscht auch Maria, seine Mutter, bereits im Himmel als Königin. Ihr Königtum ist dem seinen untergeordnet, und dennoch umfaßt es alles Geschaffene. Lassen wir Jesus und Maria in unserem Herzen herrschen! Geben wir uns so umfassend wie möglich Jesus durch Maria hin. Wenn wir uns ihr weihen und uns unter den Schutz ihres Unbefleckten Herzens stellen, dann wird unser Herz mit Liebe und Gnade erfüllt vom allerhöchsten Gott, unserem König. Ihm sei die Ehre und der Lobpreis in alle Ewigkeit! Amen.