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Predigt:

Die Pfingstnovene der Kirche

7. Sonntag der Osterzeit A (05.06.2011)

L1: Apg 1,12-14; L2: 1 Petr 4,13-16; Ev: Joh 17,1-11a


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In der Lesung aus der Apostelgeschichte hören wir von der großen Einmütigkeit der ersten Christen. Sie haben sich nach der Himmelfahrt des Herrn versammelt und miteinander um das Kommen des Heiligen Geistes gebetet, den Jesus ihnen verheißen hatte. Ausdrücklich heißt es: „Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“

Damals ist zum ersten Mal – so können wir sagen – die „Pfingstnovene“ abgehalten worden. Eine Novene ist ein Gebet an neun aufeinander folgenden Tagen, und damals waren es eben genau neun Tage: von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten. Groß war das Vertrauen der Apostel und der übrigen Jünger, zusammen mit Maria und den übrigen gläubigen Frauen. Wie sollten sie dem Wort Jesu nicht Glauben schenken, der ihnen den Heiligen Geist versprochen hatte als Beistand und Tröster, den er ihnen vom Vater her senden werde?

Jesus Christus ruft auch uns auf, zu Gott um das Geschenk des Heiligen Geistes zu beten. Ja, wir haben diesen Heiligen Geist bereits empfangen in der Heiligen Taufe und besonders in der Firmung. Da sind wir besiegelt worden durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist. Was uns aber einmal geschenkt worden ist, das soll immer wieder erneuert werden. Und so bitten wir Gott den Herrn in dieser Pfingstnovene besonders darum, dass er die Gaben des Heiligen Geistes über uns in reicher Fülle ausgieße. Denn durch den Heiligen Geist wird die Kirche Gottes zu allen Zeiten erneuert!

Wenn sich jemand entschließt, eine Novene zu beten, so kann dies grundsätzlich in ganz verschiedenen Anliegen geschehen: Die einen beten vielleicht um Heilung von einer schweren Krankheit, andere um Glück und Segen für Ehe und Familie. Wichtig ist immer die Bereitschaft, den Willen Gottes anzunehmen. Als Jesus im Ölberg betete, da hat er auch seinen himmlischen Vater gebeten, den Kelch des Leidens wenn möglich an ihm vorübergehen zu lassen. Doch er fügte hinzu: „Doch nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen“ (Lk 22,42). Ebenso beten wir ja auch im Vaterunser: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“

In schweren Notlagen kann die Kirche zu besonderen Gebeten der Fürbitte aufrufen, wie das auch immer wieder geschieht, z.B. bei Katastrophen. Und für heuer ruft unser Diözesanbischof Klaus Küng dazu auf, um geistliche Berufe zu beten: um gute Priester und Diakone, um geistliche Schwestern und Brüder in den Orden und in den religiösen Gemeinschaften und sicher auch um Stärkung der Bischöfe und des Papstes in ihren wichtigen Aufgaben. Man kann dabei jeden Tag ein bestimmtes Gebet beten; es ist aber auch möglich, sich einfach einige stille Minuten zu nehmen und dieses wichtige Anliegen der Kirche in ganz persönlicher Weise vor Gott zu tragen!

Wir dürfen das Vertrauen haben, dass Gott unsere Gebete erhört. Dies trifft vor allem dann zu, wenn wir um das eine Notwendige bitten: dass wir den Heiligen Geist empfangen und dieser Geist der Wahrheit und der Liebe bei uns bleibt. Dann werden wir in Einheit mit der Gottesmutter Maria unseren Mitmenschen die Liebe Gottes weiterschenken dürfen und einst das ewige Heil in Gottes Herrlichkeit erlangen. Amen.

Textvorschlag für die Pfingstnovene (Pfr. Mag. Christian Poschenrieder):

Komm, Heiliger Geist! Du hast in den Herzen der Apostel gewirkt, sodass sie alles verlassen haben und viele Menschen für Gott begeistern konnten. Rufe auch heute junge Menschen aus den Familien unserer Pfarrgemeinde in die Ganznachfolge Christi und in Seinen Dienst.

Lass alle, die Du berufen hast, Deinen Willen erkennen und hilf, ihn in die Tat umzusetzen.

Gib, dass auch viele Frauen und Mädchen aus unserer Pfarrgemeinde ebenso entschlossen dem Ruf Deiner Liebe folgen. Wecke in ihren Herzen das Verlangen, vollkommen nach dem Geist des Evangeliums zu leben und sich selbstlos als Braut Christi hinzugeben im Dienst an der Kirche.

Lass auch die Priester in unseren Pfarren ihrer Berufung treu bleiben, am Aufbau des geheimnisvollen Leibes Christi mitarbeiten und so Seine Sendung fortsetzen.

Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, entzünde in uns das Feuer deiner Liebe. Sende deinen Geist aus, und alles wird neu geschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde. Amen