Predigt am 6.
Sonntag der Osterzeit
(9. Mai 1999,
Lesejahr A)
L 1: Apg 8,5-8.14-17; L 2: 1 Petr 3,15-18; Ev: Joh 14,15-21
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
"Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt", sagt Jesus im heutigen Evangelium. Dieser einfache und doch so anspruchsvolle Satz enthält die Antwort auf die Frage: "Wie können wir Jesus lieben?" Denn wenn wir nicht nur dem Namen nach Christen sind, sondern diesen Namen auch mit Recht tragen wollen aufgrund unseres Glaubens an Jesus Christus und unserer Lebensweise als Christen, dann kommt es für uns darauf an, diese wichtige Frage durch unser Leben zu beantworten: "Wie können wir Jesus Christus lieben und ihm nachfolgen?"
Oftmals hat Jesus von der Nachfolge gesprochen, die er von seinen Jüngern erwartet. Ihm nachfolgen heißt an ihn glauben, auf ihn vertrauen. Jesus nachfolgen heißt auch: seine Gesinnung übernehmen, aus seinem Geist leben, den er uns verheißen und geschenkt hat. In diesem Heiligen Geist dürfen wir Gott "Vater" nennen, der uns geliebt und als seine Kinder angenommen hat. Weil uns Gott zuerst geliebt hat, darum können auch wir einander lieben. Diese Liebe dauert fort für immer und kann sogar vom Tod nicht überwunden werden.
Die Worte Jesu, daß jeder, der ihn liebt, seine Gebote hält, zeigen uns: Die Gebote sind nicht eine lästige Verpflichtung, die uns vor allem schwer fällt und wenig Freude macht; die Gebote Gottes sind uns vielmehr Wege zum Leben und zur bleibenden Freude in Gott. Sie sind unerläßliche Orientierungszeichen für unser Leben. Wollen wir unser Ziel erreichen, dann müssen wir diese Wegweiser beachten. Abseits davon lauert Verderben und Tod. Die Gebote Gottes nehmen uns nicht unsere Freiheit, sondern geben der menschlichen Freiheit den sinnvollen Rahmen, in dem sie sich entfalten und bewähren soll. Eine Freiheit ohne Schranken und Grenzen wäre Willkür. Unmenschlichkeit, Haß und Tod wären die Folge. Wer aber die Gebote aus der Liebe Christi heraus erfüllt, wird die wahre Freiheit gewinnen. Gott schenkt uns ewiges Leben!
Worin besteht das neue Gebot Christi? Es hebt nichts von den bisher gültigen Geboten Gottes auf, sondern erfüllt sie. Jesus sagt einmal: "Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe!" (Joh 15,12). Die Gottes- und Nächstenliebe ist die Erfüllung aller übrigen Gebote. Wer wirklich liebt, der tut dem Nächsten nichts Böses. Er bleibt auch mit Gott verbunden im Gebet und in der Teilnahme am Gottesdienst. Er wird die Erfahrung machen, daß er von Gott, seinem himmlischen Vater, geliebt wird und daß ihn auch Jesus liebt, der im Heiligen Geist bei uns geblieben ist.
Wir blicken im Monat Mai auf jene Frau,
die allezeit in der Liebe Gottes gestanden ist und die die Menschen liebt
wie keine zweite: Maria, die Mutter Gottes und die Mutter aller Menschen.
Sie wird uns lehren, was es heißt, das zu tun, was Jesus uns aufträgt.
Sie kann uns einführen in das Geheimnis der Gottes- und Nächstenliebe.
Liebe gibt sich hin, sie opfert sich auf für den anderen und findet
darin ihre Erfüllung; der Lohn der Liebe liegt in ihr selbst. Wir
bitten heute unsere himmlische Mutter auch für unsere irdischen Mütter:
daß Gott der Herr ihnen alles reichlich vergelte, was sie für
uns tun und getan haben. Gottes Liebe verdanken wir alles; ihn wollen wir
preisen durch unser Leben. Amen.