Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit
2. Mai 1999, Lesejahr A

L 1: Apg 6,1-7; L 2: 1 Petr 2,4-9; Ev: Joh 14,1-12


Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

"Euer Herz lasse sich nicht verwirren." Was sind das für Worte! Denn wie leicht sind wir durch irgend etwas durcheinandergebracht oder verwirrt. Jesus, der das menschliche Herz kennt wie kein anderer, wußte, was er sagt. Nicht jeder Aufregung sollen wir nachgeben, nicht jedem Ereignis nachlaufen, nicht jedem Gerücht gleich glauben, auch nicht dem, was wir in den Medien oft als neueste Meldung oder als Sensation vernehmen. Das Entscheidende im Menschenlieben liegt tiefer, als es die Oberfläche der Meinungen oft vermuten läßt. Worauf es ankommt, das sind Glaube und Treue. So sagt uns Jesus: "Glaubt an Gott, und glaubt an mich!"

Nur der Glaube kann uns jene Sicherheit geben, die wir brauchen, um gut durch das Leben zu kommen. Der Sturm der Meinungen und Auseinandersetzungen wird uns so nicht zu kippen vermögen, sondern wir werden im Schiff des Glaubens, in der Kirche, sicher den Hafen des ewigen Heils erlangen. Und das ist das Ziel, wie unser Herr es auch sagt. Er weist uns hin auf die vielen Wohnungen im Haus seines Vaters. Dort wird er uns einen Platz vorbereiten. Das kann uns mit Zuversicht und Hoffnung erfüllen. In den vielen Wohnungen des Himmelreichs ist auch für uns – so wie wir sind – ein Platz. Uns ganz persönlich möchte Gott einmal mit seiner Liebe beschenken. Wir sollen aufgenommen werden und bei ihm wohnen. Denn unsere Heimat ist im Himmel (vgl. Phil 3,20)!

Die Apostel müssen sich sehr einsam und verlassen gefühlt haben, als Jesus angekündigt hat, von ihnen zu gehen. Darum versucht er sie zu trösten. Sein Abschied ist nur vorübergehend. Unsichtbar bleibt er bei ihnen. Und es wird ein Wiedersehen geben im Reiche seines himmlischen Vaters. "Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr", sagt Jesus. Da läßt es sich Thomas nicht nehmen zu widersprechen. Wie sollen wir den Weg kennen, da wir nicht einmal wissen, wohin du gehst? meint er. Der skeptischen Frage des Thomas haben wir eine Antwort Jesu zu verdanken, die für uns bleibende Bedeutung hat. Jesus spricht die gehaltvollen Worte: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich." Gerade an diesen Worten entscheidet sich unsere Stellung zu Jesus Christus. Nehmen wir ihn an als den, der er zu sein beansprucht, oder lehnen wir seine Wahrheit ab? Jesus sagt nicht, er sei irgendein Weg zu einem unbestimmten Ziel – nein, er ist der Weg schlechthin. Er sagt nicht, daß es keine Wahrheit gibt im religiösen Bereich oder daß niemand die Wahrheit erkennen könne oder so ähnlich; nein, er ist die Warheit! Und er spricht davon, daß er das Leben ist, das den Menschen durch Gott geschenkt wird. Wollen wir das annehmen oder achtlos und gleichgültig an diesen Worten Jesu vorübergehen?

Schließlich spricht Jesus noch vom Vater zu den Jüngern. Schon jetzt kennen sie den Vater, weil sie den Sohn Gottes erkannt und gesehen haben. Gerade in diesem letzten Jahr der Vorbereitung auf das Jubiläumsjahr 2000 wollen wir uns dem himmlischen Vater zuwenden. Er hat sich uns geoffenbart in seinem Sohn Jesus Christus. "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen", verkündet Jesus. Denn die unbedingte Liebe Gottes ist den Menschen aufgeleuchtet in Jesus Christus. So nahe wollte uns Gott sein, daß er Mensch geworden ist in seinem Sohn. Dieser Jesus hat sein Leben für uns hingegeben am Kreuz und ist auferstanden. So erkennen wir die Allmacht der barmherzigen Liebe des Vaters in all dem, was sein Sohn für uns im Heiligen Geist gewirkt und getan hat. Die Werke des Vaters sind es, die Jesus vollbringt. Aufgrund dieser Werke sollen die Jünger an ihn glauben. Und sie werden nach den Worten Jesu diese Werke auch selber vollbringen, ja noch größere. Ist das nicht in der Geschichte der Kirche gerade am Beispiel der Heiligen immer wieder sichtbar geworden?

Auch heute dürfen wir einen Menschen verehren, den uns die Kirche als neuen Seligen vorstellt: Es ist Pater Pio, der italienische Kapuzinerpater, der heute seliggesprochen wird. Er war ein bekannter und gesuchter Beichtvater und war mit vielen Gnadenerweisen Gottes ausgestattet. So durfte er – ähnlich wie Franziskus – die Wundmale Jesu an seinem Leib tragen. Sein Charisma wurde geprüft und untersucht und schließlich von der Kirche für echt befunden. Auch in solchen Wundern zeigt sich die Größe Gottes, der seine Werke den Menschen zu erkennen gibt, damit sie glauben. Wir bitten diesen heiligen Pater sowie alle Heiligen um ihre Fürsprache bei Gott! Besonders wollen wir im Monat Mai die Jungfrau und Gottesmutter Maria verehren. Sie zeigt uns Jesus, ihren Sohn. Und in Jesus erkennen wir den himmlischen Vater! Amen.


SANKT JOSEF - www.stjosef.at