Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am 4. Sonntag im Jahreskreis

(31. Januar 1999, Lesejahr A)

L 1: Zef 2,3;3,12-13; L 2: 1 Kor 1,26-31; Ev: Mt 5,1-12a

Liebe Brüder und Schwestern!

Es sind allesamt keine populären Ratschläge, die uns Jesus im eben gehörten Evangelium aus der Bergpredigt gibt. Die Mentalität in unserem täglichen Zusammenleben ist doch oft geprägt von Anschauungen wie: "Setz dich durch!", "Denk zuerst an dich!", "Nur die Starken kommen durchs Leben!", "Schau, daß Du nicht unter die Räder kommst!" oder ähnlich. Wie lebensfremd klingt da für viele eine Aufforderung, auf Gewalt zu verzichten oder um der Gerechtigkeit willen sogar Verfolgung auf sich zu nehmen!

Aber Hand aufs Herz: Wie weit kommen wir mit dem reinen Egoismus, wo jeder nur an sich selbst denkt und auf die anderen vergißt? Wenn sich alle so ichbezogen verhalten würden, dann wäre dem Zusammenleben der Menschen auf Erden bald ein Ende gesetzt. Und wenn wir die täglichen Meldungen von Gewalt und Unrecht in der Welt und leider auch in unserem Land verfolgen, so sehen wir, daß das doch ein falscher Weg ist, allein auf die eigenen Kräfte zu bauen und Werte wie Liebe, Friede und Gerechtigkeit sowie Verständnis und Hilfsbereitschaft zurückzustellen. Sind da nicht in einer solchen tieferen Sicht der Dinge die Ratschläge und Wegweisungen Jesu wieder höchst aktuell und notwendig?

Daher: Was sagt uns Jesus, was rät er uns in den sogenannten "Seligpreisungen"? Sind es bloß Hinweise für "jenseitige" Menschen oder betreffen sie auch unser diesseitiges Leben?

Arm sein vor Gott: Hier ist nicht irdische Armut gemeint. Es geht um eine Haltung der Offenheit und Dankbarkeit gegenüber Gott. Der Mensch soll wissen, daß er alles, was er ist und hat, letztlich nicht sich selber verdankt, sondern seinem Schöpfer. Wer auf diese Weise mit leeren Händen vor Gott hintritt, wird reich beschenkt werden: schon hier in dieser Welt mit dem Frieden des Herzens und einst mit dem Himmelreich.

Selig die Trauernden: Jedes Leid und jede Not stellt eine Anfrage dar an Gott, den Lenker aller Dinge. Wie kann er das zulassen? Welcher verborgene Sinn liegt in all dem, was mich traurig macht? Der Glaube und das Vertrauen auf Gott lehren uns, all unsere Tränen und unseren Schmerz hineinzulegen in die liebende Vaterhand Gottes, der alles zum Guten wenden wird und uns trösten kann.

Verzicht auf Gewalt: Nicht die Starken, die sich überall durchsetzen, werden selig gepriesen, sondern jene Menschen, die ihre Sache friedvoll vertreten und sie gelassen und vertrauensvoll der göttlichen Hilfe anvertrauen.

Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit: Bewahren wir uns jene Sehnsucht nach dem Guten, die uns Gott im Gewissen ins Herz gelegt hat. Löschen wir den Geist nicht aus, der uns immer wieder zum Tun des Guten anleitet! Gott kann und wird unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit erfüllen.

Selig die Barmherzigen: Wer selber Barmherzigkeit erweist, wird sie auch finden - bei Gott und den Menschen. Der Hartherzige schadet sich am meisten selbst, da er sein Herz gegenüber der Liebe verschließt, die das Menschsein erst gelingen läßt.

Selig, die ein reines Herz haben: Wie blind ist doch unsere Gesellschaft vielfach gegenüber Werten wie Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Treue, Keuschheit oder gar Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen. Und doch liegt in der Reinheit des Herzens ein Glanz, der schon wie ein Lichtstrahl jener Sonne ist, mit der uns Gott im ewigen Leben durch seine Liebe erleuchtet!

Frieden stiften: Das ist eine Aufgabe, die nur gelingen kann, wenn uns Gott beisteht, der uns zu seinen Kindern macht.

Verfolgung um der Gerechtigkeit willen: Das gehört manchmal dazu, wenn wir den Weg des Guten gehen. Gott möge uns stärken.

Zum Schluß verheißt Jesus noch all denen, die um seinetwillen Verfolgung leiden, großen Lohn im Himmel. Das ist uns ein Trost, wenn wir uns bemühen, nach dem Evangelium zu leben!

Blicken wir auf die Heiligen, schauen wir auf Maria. Sie vor allem und viele andere haben uns vorgelebt, wie selig es ist, sein Leben von Gott allein abhängig zu machen. Wer sich hingibt, der empfängt. Gott schenkt Liebe ohne Ende im ewigen Leben. Amen.
 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at