Predigt:
Damit Blinde sehend werden
4. Fastensonntag A (03.04.2011)
L1: 1 Sam 16,1b.6-7.10-13b; L2: Eph 5,8-14; Ev: Joh 9,1-41
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die Gabe des Augenlichts ist überaus kostbar. Das wissen besonders jene, die an einer Sehschwäche oder Sehstörung leiden oder gar das Unglück haben, blind zu sein. Im Evangelium begegnet uns ein Mann, der seit seiner Geburt blind ist und eben dadurch auch zum Bettler geworden ist.
Einige behaupten vorschnell, ganz sicher habe Gott die Eltern des Blinden oder ihn selbst für irgendeine verborgene Sünde bestraft. Darauf antwortet Jesus: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden!“
Und Jesus heilt den von seiner Geburt an blinden Menschen. Er tut dies ausgerechnet an einem Sabbat.
Was dann folgt, ist eine Auseinandersetzung der Gegner Jesu mit dem Blinden und auch mit Jesus selbst. Die Pharisäer wollen es einfach nicht wahrhaben, dass hier durch die Kraft Gottes ein Wunder geschehen ist. So versuchen sie das Offensichtliche zu leugnen und zeigen auf diese Weise die Blindheit ihres Herzens.
Der ehemals Blinde hingegen sieht klarer denn je: Jesus muss von Gott gesandt sein; sonst hätte er nicht dieses Wunder wirken können. Dem öffentlichen Zeugnis des Geheilten begegnet Widerspruch, und schließlich wird er sogar aus der Synagoge ausgeschlossen.
In der nochmaligen Begegnung mit Jesus erkennt der Geheilte: Jesus ist der verheißene Messias, der Menschensohn. Und er fällt vor ihm nieder: „Ich glaube, Herr!“
Liebe Gläubige! Bestimmt haben wir schon die Erfahrung gemacht, dass es Dinge gibt, die sich dem Augenschein entziehen. Manches ist in Wirklichkeit ganz anders, als wir es uns zuerst vorstellen. Wie leicht sind wir in der Gefahr, andere Menschen zu verurteilen! Dabei sieht Gott allein auf das Herz, und wir dürfen uns nicht anmaßen, Richter zu sein über andere.
Gott hat uns in Jesus Christus erleuchtet. Wir sind durch den Glauben an ihn „Sehende“ geworden. Dafür wollen wir dankbar sein und Zeugnis ablegen, ähnlich wie der Blinde. Gewiss müssen auch wir mit so manchem Widerspruch und Unverständnis rechnen. Und dennoch brauchen unsere Mitmenschen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind, das Zeugnis des Glaubens.
Aus dem Dunkel der Sünde und des Todes führt nur ein Weg heraus: der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Erlöser. Wir Christen sind Menschen österlicher Hoffnung. Gott liebt uns und will uns in seiner Liebe auf ewig vollenden. Möge er auch unser Herz stets neu mit dem Licht seiner Gnade erleuchten! Amen
