Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis
24. Januar 1999, Lesejahr A

L 1: Jes 8,23b-9,3; L 2: 1 Kor 1,10-13.17; Ev: Mt 4,12-23

Liebe Brüder und Schwestern!

Oft erfaßt uns der sogenannte "Alltagstrott": Das Leben läuft dahin, vielfach dreht es sich um Belanglosigkeiten, wir tun halt so unsere Pflicht, aber eigentlich geschieht nichts Aufregendes und Entscheidendes - so haben wir das Gefühl. Und doch spüren wir in unseren besten Stunden, daß das nicht alles sein kann. Unser Herz ist größer als das, was uns täglich umgibt und beschäftigt. Wir sehnen uns nach mehr!

Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat den Mut gehabt, die Menschen auf dieses Eigentliche ihres Lebens und Sehnens anzusprechen, als er die ganz entscheidenden Worte verkündet hat: "Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe." Allzu leicht tun wir solche Sätze als lebensfern und unwirklich ab. Mit dem "Himmel" können wir im grauen Alltag nicht recht viel anfangen, so ist unsere Meinung. Das Wort Gottes aber lautet: "Nahe ist das Himmelreich." Versuchen wir das einmal in seinem ganzen Gewicht anzunehmen und gelten zu lassen! Das würde ja bedeuten, daß uns Gott näher ist als wir zu denken wagen. Gewiß: Er wohnt im Himmel, er ist gegenwärtig in der Kirche und vor allem im Allerheiligsten Sakrament des Altares. Aber: Gott wohnt auch bei uns! Er ist anwesend als die verborgene Mitte unseres Herzens. Seine Liebe erreicht uns in jeder Situation, sogar im "grauen Alltag". Ja, wir dürfen hinzufügen: Selbst in der Not menschlicher Schuldverfallenheit und Sünde bietet uns Gott immer neu das Geschenk der Vergebung und seiner nie versagenden Liebe an! Das ist wirklich "Evangelium", das ist "frohe Botschaft", die uns Christus verkündet hat!

Vielleicht werden von dieser Grunderfahrung der zugesagten Nähe Gottes auch zwei Problembereiche etwas erhellt, die uns in diesen Tagen sehr beschäftigen:

Kehren wir abschließend noch einmal zurück zum Evangelium. Jesus hat uns wirklich das "Reich Gottes", das "Himmelreich", gebracht. Es ist bereits unter uns anwesend. Verborgen setzt es sich durch gegen alle Widerstände von Sünde und Stolz, Irrtum und Unverständnis. Deshalb sind wir voller Hoffnung. An uns liegt es, daß wir ganz persönlich Gott das Herz öffnen. Wenn wir dies tun in Glaube und Gebet, dann wird Gottes Liebe bei uns eintreten und uns verwandeln. Und durch uns wird auch die Welt ein Stück verwandelt werden. Daß uns das gelingt, dafür wollen wir Gott den Herrn bitten auf die Fürsprache aller Heiligen. Amen.
 

SANKT JOSEF - www.stjosef.at