Predigt:
Jesus Christus liebt seine Mutter
3. Sonntag der Osterzeit A (08.05.2011)
L1: Apg 2,14.22-33; L2: 1 Petr 1,17-21; Ev: Lk 24,13-35 Joh 21,1-14
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
In welcher Beziehung stand Jesus zu seiner Mutter? Diese Frage wollen wir uns am heutigen Muttertag stellen. Wir sind ja dankbar, dass es die Frauen und Mütter gibt. Und wenn Gott selber den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat, dann stellt gerade die Mutterschaft für viele Frauen eine besondere Aufgabe und Berufung dar, in der sie die Unterstützung der Väter und Kinder brauchen.
Auch Jesus, der Sohn Gottes, wollte als Mensch von einer menschlichen Mutter empfangen und geboren werden. Die Jungfrau Maria sagte im Glauben Ja zu ihrer Berufung als Gottesmutter. „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“, antwortete sie dem Engel, der ihr verkündete, dass sie den Erlöser empfangen und gebären sollte.
30 Jahre lebte unser Herr Jesus Christus in der Verborgenheit des Hauses von Nazareth, und nach dem Tempelbesuch des zwölfjährigen Jesus, als ihn Maria und Josef plötzlich nicht mehr fanden, heißt es, dass er sich anschließend wieder mit ihnen nach Hause begab. Freilich mussten Maria, seine Mutter, und Josef, sein Pflegevater, lernen und akzeptieren, dass Jesus vor allem seinem himmlischen Vater gehorsam sein wollte. Aber er erwies auch seiner Mutter Maria und dem väterlichen Beschützer Josef den gebührenden Respekt und zeigte ihnen seine ganze Liebe. „Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen“ (Lk 2,51).
Als Jesus dann öffentlich auftrat und wirkte, scheint es einerseits, als ob er sich von seiner Mutter distanziert hätte. Als nämlich eine weibliche Zuhörerin voll Begeisterung ausruft: „Selig die Frau, deren Leib dich getragen und deren Brust dich genährt hat“, da antwortet er: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lk 1,27–28). Aber in Wahrheit sind diese Worte eine Bestätigung der mütterlichen Rolle Mariens, da sie ja auf das Wort Gottes gehört hat und dieses im Glauben angenommen und befolgt hat. Nur so konnte sie ja Gottesmutter werden! Ähnlich wirkt die Episode, wo man zu Jesus sagte, seine Mutter und seine Brüder, d.h. seine Verwandten, stünden draußen und wollten ihn sehen. Daraufhin antwortete Jesus: „Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln“ (Lk 8,20–21). Nicht die leibliche Verwandtschaft mit Jesus ist entscheidend, sondern die geistige Nähe aufgrund des Glaubens an das Wort Gottes, das er verkündet! Und gerade hier hat Maria in einzigartiger Weise ihre Treue gezeigt.
Maria war dann als stille Begleiterin wiederum anwesend, als Jesus gekreuzigt wurde. Und bevor Jesus am Kreuze starb, dachte er noch an seine Mutter und an den Jünger Johannes, den er besonders liebte. Er sprach zu Maria: „Frau, siehe dein Sohn!“ Dann sagte er zu dem Jünger: „Siehe, deine Mutter!“ Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich (Joh 19,26–27). Weil er selber als Sohn nun nicht mehr für seine Mutter da sein und für sie sorgen konnte, vertraute er sie seinem Jünger an, dem Johannes. Und umgekehrt sollte Maria in geistlicher Weise Mutter für ihn und für alle übrigen Gläubigen sein, besonders für die Apostel!
Als Jesus auferstanden war, teilte er die Freude seiner Auferstehung mit den Jüngern. Er erschien zuerst jenen Frauen, die unter dem Kreuz gestanden waren und seinen Leichnam einbalsamiert hatten. Hier ist zwar nicht mehr die Rede von Maria, seiner Mutter. Doch warum sollte Jesus seine Mutter Maria nicht in besonderer, ja einzigartiger Weise an der Auferstehungsfreude teilhaben lassen? Sie hatte ja auf tiefste Weise im Herzen mit ihm gelitten und den toten Leichnam Jesu in ihrem Schoß gehalten. So singt die Kirche im „Regina caeli“: „Freu dich, du Himmelskönigin, halleluja. Den zu tragen würdig warst, halleluja. Er ist auferstanden, wie er gesagt hat, Halleluja. Bitt Gott für uns, Halleluja. Freu dich und frohlocke, Jungfrau Maria, Halleluja, denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja.“
Maria durfte dann nach ihrem Heimgang zu Gott auch an ihrem eigenen Leib die Herrlichkeit der Auferstehung erfahren, da sie – wie der Glaube lehrt – mit Leib und Seele aufgenommen wurde in die Herrlichkeit des Himmels. Jesus Christus, der Sohn Gottes, der zugleich das Kind einer menschlichen Mutter war, hat seiner Mutter also die höchste Ehre erwiesen, die überhaupt einem Menschen erwiesen werden kann. Und wir sind sicher, dass die Gottesmutter Maria auf alle Frauen und Mütter in Liebe herabblickt und sie mit ihrer Fürbitte bei Gott und ihrem mütterlichen Segen begleitet! Amen
