Predigt am 3. Sonntag der Osterzeit
(18. April 1999, Lesejahr A)
L 1: Apg 2,14.22-33; L 2: 1 Petr 1,17-21; Ev: Lk 24,13-35 Joh 21,1-14
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Wenn vom Glauben die Rede ist, dann verbinden manche damit die Vorstellung, daß es sich dabei um etwas Unbeweisbares oder sogar etwas Unwirkliches handle. Der eine glaubt eben dies, so sagt man, der andere jenes - niemand könne die Wahrheit erkennen, Glauben sei eben etwas anderes als Wissen, bedeute vielmehr nur eine subjektive, also eine ganz persönliche Überzeugung.
Wenn wir solche Meinungen hören und vielleicht auch selber schon gehabt haben, so müssen wir uns fragen: Ist es dieser Glaube, den uns das Evangelium verkündet? Ist unser Osterglaube - der Glaube an den auferstandenen Herrn - ein solch unbestimmter und unsicherer Glaube oder geht es dabei um mehr?
Vor allem sollen wir uns bewußt sein: In unserem christlichen Glauben geht es vor allem um eine Person: Diese Person ist der Erlöser der Welt, Jesus Christus. Wir bekennen uns zu Jesus Christus als dem Gekreuzigten und Auferstandenen!
Das heutige Evangelium lädt uns ein, den Ursprung dieses österlichen Glaubens neu zu bedenken: Jesus ist den Aposteln und Jüngern sowie den Frauen wirklich erschienen. Er ist ihnen ganz real begegnet, nicht bloß in ihrer Vorstellungskraft, in ihrem subjektiven Meinen und "Glauben". So wirklich ist ihnen Jesus begegnet, daß er sogar mit ihnen Mahl halten konnte. Das Essen mit ihm ist zugleich Beweis seiner Gegenwart wie auch Ausdruck der tiefsten Gemeinschaft mit ihm.
Die Apostel als Männer mit einem praktischen Beruf (die meisten waren Fischer) waren gewiß keine Phantasten. Ihnen gegenüber war es nicht möglich, ein X für ein U zu verkaufen oder, anders gesprochen, etwas als wirklich hinzustellen, was doch bloß eine Einbildung war. Die Einschätzung der Apostel nach dem vergeblichen Fischfang ist ganz ernüchternd: Wir haben uns die ganze Nacht bemüht und nichts gefangen. Aber ebenso wirklich war dann ihr darauf folgendes Erlebnis, das alle Enttäuschung aufheben sollte in die größere Wirklichkeit der Wunder Gottes hinein: Sie fingen so viele Fische, daß sie das Netz nur mit Anstrengung ans Land ziehen konnten. Und dieser auferstandene Herr Jesus Christus, der ihnen den Rat zu einem neuerlichen Versuch gegeben hatte, war ein wirklicher Mensch wie Du und ich, einer, der ein Kohlenfeuer bereitet hatte und mit ihnen im Mahl von Brot und Fisch Gemeinschaft stiftete. An diesen erfahrenen und erlebten Wirklichkeiten entzündete sich der Osterglaube der Apostel, nicht an Spekulationen und Phantastereien von geistig vielleicht minder bemittelten Menschen!
So dürfen auch wir unseren Glauben nicht als ein harmloses Vermuten oder als unbestimmte Meinung auffassen, sondern als lebensermöglichende und tragende Wirklichkeit. Gott ist auch in unserem Leben am Werk. Wir sehen ihn nicht, und dennoch ist er bei uns. Der Auferstandene lebt mitten unter uns. Er ist in seiner Kirche bis heute gegenwärtig. Sein göttliches Leben teilt er auch uns mit.
Und wenn wir dann zu diesem eigentlichen Fundament unseres Glaubens wieder hingefunden haben, dann werden wir das Leben bewältigen können in all den Situationen und Nöten, die es mit sich bringt. Wenn Jesus wirklich auferstanden ist und lebt, wenn er auch uns das ewige Leben verheißen hat, dann gibt es Hoffnung sogar in Leiden und Tod, ja über den Tod hinaus!
Der Glaube, so wie wir Christen ihn verstehen,
ist nichts Unwirkliches oder Phantastisches, sondern ein sicherer Zugang
zur höchsten und tiefsten Wirklichkeit. Gott ist größer
als alles, was lebt und existiert, er steht über allem. In seiner
Allmacht und Liebe sind auch wir geborgen. "In ihm leben wir, bewegen wir
uns und sind wir" (vgl. Apg 17,28). Schenken wir ihm unser Vertrauen und
empfehlen wir uns ihm jeden Tag im Gebet. Dann werden wir die Kraft erfahren,
die uns der Glaube für ein geglücktes Leben schenkt. Amen.