Predigt am
30. Sonntag im Jahreskreis
Weltmissionssonntag
- 24. Oktober 1999, Lesejahr A
L 1: Ex 22,20-26; L 2: 1 Thess 1,5c-10; Ev: Mt 22,34-40
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Heute begehen wir den letzten "Sonntag der Weltkirche" oder "Weltmissionssonntag" vor dem Jahr 2000. Jedes Jahr an diesem Tag soll uns Christen die gemeinsame Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums und die Ausbreitung des Glaubens bewußt werden. Dabei beruft sich die Kirche auf den Taufbefehl Jesu:
Wie könnten wir anders als den Glauben weitergeben an andere Menschen, wenn wir den katholischen Glauben als Geschenk erleben, das wir von Gott empfangen haben!Mt 28:18-20
Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
Die Welt wird heute zunehmend
als Einheit erlebt: in den Wirtschaftsbeziehungen und im politischen
Leben, im Verkehrswesen, im Informationsfluß (Internet ...) usw.
Das Schlagwort der "Globalisierung" zeigt uns positive und negative Auswirkungen
dieser Entwicklungen.
Das alles ist der Kirche nicht
neu. Sie war immer schon "Weltkirche". Denn sie ist von ihrem Herrn
und Meister Jesus Christus zu allen Völkern aller Zeiten gesandt,
um ihnen die frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu verkünden. Somit
ist die Kirche wahrhaft "katholisch" d.h. allumfassend.
An diesem Sonntag der Weltkirche im Jahr
1999 gilt unsere besondere Solidarität mit der Kirche in Mexiko.
Es gibt dort noch viel Ungerechtigkeit in der Verteilung der materiellen
Güter, sowie Gewalt, Terrorismus und Ausbeutung der Schwachen und
insbesondere der Indios. Zugleich hat die Kirche eine relative Freiheit
erlangt, und es kann ein geistliches Aufblühen festgestellt werden.
Der Hunger nach dem Wort Gottes ist groß, wie Missionare berichten.
So wollen wir unsere Solidarität
zeigen: vor allem im Gebet, aber auch in Werken der Nächstenliebe.
Der mitunter heroische Einsatz von Missionaren, Schwestern und Entwicklungshelfern
kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Durch die heutige Kirchensammlung
leisten wir einen Beitrag für die materielle Unterstützung wichtiger
Projekte der Glaubensverkündigung.
Mission ist keine Einbahnstraße.
All das, was wir geben, erhalten wir auf eine andere Weise zurück.
Die Kirche vollzieht sich in einem ständigen Austausch geistlicher
und auch materieller Gaben. Je mehr wir den Glauben weitergeben, desto
tiefer wird er uns selber neu geschenkt. Es geht darum, unsere Freude am
Glauben zu bezeugen. Überredung oder gar Zwang führen nicht zum
Ziel und widersprechen der Botschaft, die wir verkünden. Gott hat
uns seinen Sohn geschenkt, und in ihm hat er uns alles geschenkt (vgl.
Röm 8,32). Dankbar wollen wir diese heilige Gabe annehmen und weitergeben
an alle Menschen. So tragen wir den Glauben ins neue Jahrtausend.
Möge uns die heilige Jungfrau und
Gottesmutter Maria, der "Leitstern der Evangelisierung", durch ihre Fürbitte
begleiten. Amen.