Kaplan Dr. Josef Spindelböck

Predigt am 30. Sonntag im Jahreskreis
Weltmissionssonntag - 24. Oktober 1999, Lesejahr A

L 1: Ex 22,20-26; L 2: 1 Thess 1,5c-10; Ev: Mt 22,34-40

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Heute begehen wir den letzten "Sonntag der Weltkirche" oder "Weltmissionssonntag" vor dem Jahr 2000. Jedes Jahr an diesem Tag soll uns Christen die gemeinsame Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums und die Ausbreitung des Glaubens bewußt werden. Dabei beruft sich die Kirche auf den Taufbefehl Jesu:

Mt 28:18-20


Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Wie könnten wir anders als den Glauben weitergeben an andere Menschen, wenn wir den katholischen Glauben als Geschenk erleben, das wir von Gott empfangen haben!

Die Welt wird heute zunehmend als Einheit erlebt: in den Wirtschaftsbeziehungen und im politischen Leben, im Verkehrswesen, im Informationsfluß (Internet ...) usw. Das Schlagwort der "Globalisierung" zeigt uns positive und negative Auswirkungen dieser Entwicklungen.
Das alles ist der Kirche nicht neu. Sie war immer schon "Weltkirche". Denn sie ist von ihrem Herrn und Meister Jesus Christus zu allen Völkern aller Zeiten gesandt, um ihnen die frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu verkünden. Somit ist die Kirche wahrhaft "katholisch" d.h. allumfassend.

An diesem Sonntag der Weltkirche im Jahr 1999 gilt unsere besondere Solidarität mit der Kirche in Mexiko. Es gibt dort noch viel Ungerechtigkeit in der Verteilung der materiellen Güter, sowie Gewalt, Terrorismus und Ausbeutung der Schwachen und insbesondere der Indios. Zugleich hat die Kirche eine relative Freiheit erlangt, und es kann ein geistliches Aufblühen festgestellt werden. Der Hunger nach dem Wort Gottes ist groß, wie Missionare berichten.
So wollen wir unsere Solidarität zeigen: vor allem im Gebet, aber auch in Werken der Nächstenliebe. Der mitunter heroische Einsatz von Missionaren, Schwestern und Entwicklungshelfern kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Durch die heutige Kirchensammlung leisten wir einen Beitrag für die materielle Unterstützung wichtiger Projekte der Glaubensverkündigung.

Mission ist keine Einbahnstraße. All das, was wir geben, erhalten wir auf eine andere Weise zurück. Die Kirche vollzieht sich in einem ständigen Austausch geistlicher und auch materieller Gaben. Je mehr wir den Glauben weitergeben, desto tiefer wird er uns selber neu geschenkt. Es geht darum, unsere Freude am Glauben zu bezeugen. Überredung oder gar Zwang führen nicht zum Ziel und widersprechen der Botschaft, die wir verkünden. Gott hat uns seinen Sohn geschenkt, und in ihm hat er uns alles geschenkt (vgl. Röm 8,32). Dankbar wollen wir diese heilige Gabe annehmen und weitergeben an alle Menschen. So tragen wir den Glauben ins neue Jahrtausend.
Möge uns die heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, der "Leitstern der Evangelisierung", durch ihre Fürbitte begleiten. Amen.


SANKT JOSEF - www.stjosef.at