Josef Spindelböck

Johannes - der Herold Christi, des Lammes Gottes

Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis
16. Januar 2011, Lesejahr A

L 1: Jes 49,3.5-6; L 2: 1 Kor 1,1-3; Ev: Joh 1,29-34

Die liturgischen Texte finden Sie im Schott-Messbuch

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

 

Im Evangelium des 2. Sonntags im Jahreskreis (A) werden wir noch einmal an das Geschehen der Taufe Jesu durch Johannes im Jordan erinnert. Johannes wusste ja, dass er nur der Vorläufer war, der die Menschen auf den Kommenden vorbereitete. Er sollte dem Erlöser den Weg zu den Herzen der Menschen bahnen. Jesus Christus, der Erlöser, ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Als Mensch kommt er in seinem öffentlichen Auftreten zeitlich nach Johannes, doch als wahrer Sohn Gottes geht er ihm voraus, weil er als das Wort Gottes schon von Ewigkeit her existiert hat.

Johannes nennt Jesus das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Hiermit weist er hin auf die Opferhingabe Jesu, die dieser am Kreuz vollziehen sollte. Johannes konnte dies nur deshalb im voraus wissen, weil er als Prophet vom Heiligen Geist erleuchtet worden war.

Wir wundern uns vielleicht, wenn Johannes sagt, dass auch er Jesus nicht kannte. Johannes war ja mit Jesus verwandt; seine Mutter Elisabeth war mit Maria, der Mutter Jesu, in tiefer Freundschaft verbunden. So ist anzunehmen, dass sich Jesus und Johannes schon als Kinder gekannt haben und des Öfteren beisammen waren. Warum also kann Johannes sagen, dass auch er Jesus nicht kannte? Wir müssen das wohl so verstehen, dass er ihn lange Zeit nicht als Messias erkannte. Dies ist auch nicht ungewöhnlich, da Jesus ja dreißig Jahre in der häuslichen Verborgenheit von Nazareth lebte und sich in dieser Zeit noch nicht als Messias offenbarte. Nun aber war eine neue Zeit gekommen!

Johannes sah jetzt seine Aufgabe darin, selber gleichsam einen Schritt zurückzutreten und dem Kommenden den Vortritt zu lassen. Er wollte durch seine Predigt und die von ihm gespendete Bußtaufe die Menschen mit Jesus bekannt machen. So ist Johannes gleichsam der Brautführer, der das Volk Israel wie eine Braut dem göttlichen Bräutigam entgegenführt.

Das Erkennungszeichen für die messianische Sendung Jesu war das Herabkommen des Heiligen Geistes auf Jesus nach Art einer Taube. Dies geschah, als Jesus im Jordan von Johannes getauft wurde. So konnte Johannes wirklich bezeugen: „Er ist der Sohn Gottes.“

Bei jeder heiligen Messe wird uns Jesus Christus in der Gestalt des Brotes als das Lamm Gottes gezeigt, das hinwegnimmt die Sünde der Welt. Eben dazu ist unser Herr Jesus Christus in die Welt gekommen, um uns von der Unheilsmacht der Sünde zu befreien und das ewige Leben zu schenken. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes läuft also hin auf das Ziel des Sterbens am Kreuz und der darauf folgenden Auferstehung.

In den Sakramenten bleibt Jesus Christus bei seiner Kirche gegenwärtig. Er verlässt sein Volk nicht, sondern bietet sich uns in der heiligen Kommunion an als die wahre Speise für das Leben der Seele. Er ist das Brot des Lebens. Er hat auch unsere Sünden getragen und schenkt uns Vergebung. In der Gemeinschaft mit ihm sind wir auch mit Gott dem Vater verbunden. Der Heilige Geist erfüllt uns und befähigt uns zur Liebe. Mögen wir allezeit für diese frohmachende Wahrheit Zeugnis geben!

Amen.

 

·      Predigten von Josef Spindelböck

·      Predigten von Pfr. Christian Poschenrieder

·      Predigten von + Pfr. Kanonikus Eduard Öhlinger


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