Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis

(17. Januar 1999, Lesejahr A)

L 1: Jes 49,3.5-6; L 2: 1 Kor 1,1-3; Ev: Joh 1,29-34

Liebe Brüder und Schwestern!

Wenn wir täglich in den Medien so viele Informationen über das Weltgeschehen erhalten, dann sind wir manchmal überfordert mit der Fülle der dargebotenen Inhalte. Selbst das Wenige, das wir tatsächlich geistig verarbeiten können, hinterläßt nicht selten einen zwiespältigen Eindruck: Denn das, was verbreitenswert erscheint, sind nicht die vielen guten und aufbauenden Dinge, die tagtäglich geschehen, sondern es sind vor allem Skandale und Sensationen, Gewalttaten, Auseinandersetzungen, Kriege und Streit. Vielleicht fragen wir manchmal: Woran können wir uns in dieser Welt (noch) halten? Wer gibt uns Sicherheit und Orientierung? Sind es die Philosophen mit ihren oft ausgefallenen geistigen Konzepten, ist es die Esoterik oder das New Age, sind es vielleicht gar andere Religionen als die unsere?

Als vor 2000 Jahren viele Menschen zu Johannes dem Täufer zogen und sich im Wasser des Jordans taufen ließen zum Zeichen der Umkehr, da waren sie in einer ähnlichen Lage. Die Welt war in politischer Umwälzung begriffen. Im Land der Juden, in Palästina, herrschten die Römer. Dadurch waren viele neuartige Gebräuche und Ideen in das jüdische Volk hineingetragen worden. Innerlich war das jüdische Volk gespalten in verschiedene politisch-religiöse Bewegungen wie die Pharisäer, Sadduzäer und die Zeloten. Auch da war die Verwirrtheit und Unsicherheit unter den Menschen groß. Sie fragten: An wen sollen wir uns in dieser so schwierigen Zeit halten? Man erwartete einen von Gott gesandten König, einen politischen Befreier, der die verletzte Ehre des Volkes Israel gegenüber den Römern wiederherstellen sollte. Und so wurde Johannes gefragt: Wer bist du? Bist du etwa gar der herbeigesehnte Messias?

Ein anderer wäre vielleicht schwach geworden und hätte seinen Auftrag vergessen. Doch Johannes macht sich nicht zu jemandem, der er nicht ist. Er ist die Stimme eines Rufers in der Wüste, der dem Herrn den Weg bereiten will. Nicht sich selbst will er verkünden, sondern er ist der Bote des Messias. Und dieser Erlöser steht im Augenblick der Taufe durch Johannes vor den Menschen! So ist der feierliche Augenblick gekommen, wo Johannes bekennt: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!" Das heißt: Dieser Jesus, den ihr seht, er ist der Erlöser.

Johannes sagt dies mit einer Eindeutigkeit und Entschiedenheit, die uns erschrecken läßt. Er sagt nicht: Folgt diesem Jesus nach, denn er ist gewiß ein besonderer Mensch. Er sagt nicht: Vielleicht kann Euch dieser im Glauben weiterbringen. Seine Antwort ist ganz klar. Es ist ein festes Zeugnis über den Messias. Nur in Jesus Christus ist das Heil der Menschen zu finden. Er allein tilgt alle Schuld der Menschen. Prophetisch sieht Johannes den Erlöser bereits am Kreuz hängen, wo er sein Leben hingibt für die Sünde der Welt.

Viele Menschen nahmen diesen Hinweis Johannes des Täufers auf Jesus an und folgten ihm. Sie erkannten ihn als den wahren Sohn Gottes, der um des Heiles der Menschen willen zu uns gekommen ist. So wurden sie von Gott durch ihren Glauben befreit von der Verstrickung in ihre Sünden.

Unsere heutige Zeit hat oft Angst vor klaren Entscheidungen. Man möchte sich immer alle Wege offen halten, so auch im Glauben und in der Religion. Es ist nicht einfach, sich so absolut an Jesus Christus zu binden, daß in diesem Glauben die Überzeugung eingeschlossen ist, nur in ihm das Heil zu finden. Die Worte des Johannes aber wurden nicht nur für die Menschen von damals gesagt. Durch die Kirche sagt Johannes der Täufer auch zu uns über Jesus: "Seht, das Lamm Gottes!" Ihm sollt ihr folgen! Schenken wir diesem Zeugnis Glauben. Lassen wir uns von Jesus Christus erleuchten. Er ist zu uns gekommen, um uns von der Finsternis des Irrtums zu befreien und uns das ewige Leben zu schenken. Sein Wort ist Licht und Wahrheit auf allen unseren Wegen.

Wenn wir unser Leben im Glauben auf Jesus hin festlegen, dann wird der Blickwinkel unseres Geistes nicht verengt, sondern geweitet für das wahre Leben, das Gott uns schenken möchte. Nehmen wir unser Maß an der Hingabe und am Glauben der heiligen Gottesmutter Maria. Sie hat an Jesus, ihren Sohn, geglaubt auch dort, wo sie ihn nicht mehr verstanden hat. In jeder heiligen Messe bekennen wir auf neue: Jesus Christus ist das makellose Lamm, das um unserer Sünden willen geschlacht wurde und das verherrlicht worden ist durch die Auferstehung seines Leibes. Auf diese Vollendung bei Gott gehen auch wir zu im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Amen.
 
 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at