Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Predigt am 2. Sonntag nach Weihnachten
(3. Januar 1999, Lesejahr A)

L 1: Sir 24,1-2.8-12; L 2: Eph 1,3-6.15-18; Ev: Joh 1,1-18

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir stehen noch in der Weihnachtszeit, die ja bis nächsten Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, dauert. Das heute gehörte Evangelium ist der sogenannte "Prolog" des Johannesevangeliums. Es ist gewiß ein schwieriger Text, denn er stammt vom Evangelisten Johannes, der das Geheimnis der Menschwerdung Gottes und unserer Erlösung theologisch durchdacht und auf anspruchsvolle Weise formuliert hat. Die Tiefe der Gedanken lohnt es aber, daß wir dieses Wort Gottes fruchtbar machen für unser Leben.

Wir können und sollen uns fragen: Wer ist Jesus Christus? Wer ist dieses Kind in der Krippe, das geboren wurde in der Unscheinbarkeit äußerer Verhältnisse, in Armut und Not, in Verachtung und Verfolgung durch die Mächtigen dieser Welt? Ist es ein Kind wie jedes andere? Ist der Name, den dieses Kind tragen darf - Jesus -, ein Name wie sonst ein Menschenname auch? Oder liegt in diesem kleinen Menschen, der behütet wird von Maria und Josef, den die Hirten besuchen und verehren, vielleicht Größeres verborgen, als es der erste Blick zu ahnen vermag?

Der Apostel Johannes gibt uns ein Glaubenszeugnis, das zum Tiefsten vorstößt, was uns in Jesus Christus begegnet: Er ist der ewige Sohn Gottes, das ewige "Wort", das "Fleisch" geworden ist und das unter uns gewohnt hat. Jede andere Aussage über Jesus Christus bleibt hinter diesem Bekenntnis des Glaubens zurück. Jesus ist kein bloßer Weltverbesserer oder gar ein Schwärmer, er ist kein religiöser Prophet oder ein Religionsstifter unter anderen - nein: Er ist der eingeborene, d.h. einzige Sohn Gottes! Und er verlangt Glauben mit einem Anspruch, der einzigartig ist und aus dem Mund eines bloßen Menschen unannehmbar wäre. Warum wurde denn Jesus Christus von manchen seiner Zeitgenossen auch abgelehnt? Weil sie es nicht ertragen konnten, in der Unscheinbarkeit seiner Menschennatur Göttliches und Menschliches verbunden zu sehen. Sie meinten, der von ihm ausgehende Anspruch des Glaubens an ihn als den Sohn Gottes, sei ungerechtfertigt; ja die jüdischen Autoritäten verstanden es sogar als "Gotteslästerung". Denn sie begriffen nicht, daß dieser Jesus wirklich der Sohn Gottes ist. Johannes schreibt: "Die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf."

Wie geht es uns mit dem Glaubensanspruch Jesu Christi? Ist das Kind in der Krippe nur etwas Romantisches, etwas, das die Herzen rührt und Kinderaugen leuchten läßt, oder bestimmt dieser Glaube unser Leben? Gehen wir in die Kirche nur mehr aus Tradition oder doch aus der Überzeugung eines gelebten Glaubens? Ja, wir spüren alle, daß wir hinter einem Glauben, wie ihn Jesus mit Recht verlangt, weit zurückbleiben! So müssen wir immer wieder beten: "Herr, stärke unseren Glauben." Gerade in diesem Jahr 1999 werden viele angebliche Propheten und religiöse Lehrer auftreten, die den Menschen alles Mögliche voraussagen wollen. Die Sekten und pseudoreligiösen Bewegungen haben derzeit Hochkonjunktur. Aberglaube und religiöses Schwärmertum blühen. Esoterik und New Age sind hoch im Kurs. Der Reiz des Neuen lockt bisweilen auch Christen, die getauft sind auf den Namen Jesu. Bleiben wir angesichts dieser Vorgänge ganz ruhig und fest im Glauben! Lassen wir uns nicht verunsichern. Denn im Kind in der Krippe ist uns bereits alles geschenkt, was Gott uns sagen wollte. Gott hat sich selber ausgesprochen in seinem Sohn, dem Wort. Das genügt uns.

Denn auch heute gilt: Nur Jesus Christus ist der Retter und Erlöser der Menschen. Allein in ihm finden wir das Heil. Er ist der Heiland der Welt auch im nächsten Jahrtausend. Gott ist uns nahe gekommen, ganz unbeschreiblich nahe in seinem Sohn. "Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden." Das ist das Wunderbare: Wir werden durch Jesus Christus vergöttlicht, wir heißen Kinder Gottes und sind es! Dieses endgültige und ewige Heil ist die große Hoffnung der Menschen.

Glauben wir an den Sohn Gottes, bleiben wir ihm treu, lassen wir uns von Maria, seiner Mutter, zu Jesus Christus hinführen. Dann werden wir Kraft bekommen für unser ganzes Leben und einst die ewige Seligkeit bei Gott im Himmel erlangen. Amen.
 


SANKT JOSEF - www.stjosef.at