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Predigt:

Johannes Paul II. – Apostel der göttlichen Barmherzigkeit

2. Sonntag der Osterzeit A (01.05.2011)

L1: Apg 2,42-47; L2: 1 Petr 1,3-9; Ev: Joh 20,19-31


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

An diesem 1. Mai 2011, dem Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit, wird der am 2. April 2005 verstorbene Papst Johannes Paul II. durch seinen Nachfolger Benedikt XVI. in Rom selig gesprochen.

Die Kirche anerkennt damit, dass der Verstorbene durch sein christliches Leben ein herausragendes Vorbild war und im Himmel als Fürbitter bei Gott angerufen werden darf. Johannes Paul II. ist selig bei Gott nicht deshalb, weil er auf Erden Papst war, sondern weil er in seinem Leben die christlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Gottes- und Nächstenliebe auf beispielhafte Weise gelebt hat. Nicht nur ein Papst, sondern jeder Christ ist zur Heiligkeit berufen!

Vielen von uns ist noch gut in Erinnerung, wie gottergeben dieser Papst gestorben ist. Johannes Paul II. spürte zusehends, dass er ans Ende seiner Kräfte gelangte. Schon in den letzten Jahren seines Lebens setzte ihm die Parkinson-Krankheit zu. Dazu kamen die Folgen des Attentats auf dem Petersplatz, das er am 13. Mai 1981 schwer verletzt überlebt hatte; diese wunderbare Rettung schrieb Papst Johannes Paul II. der besonderen Fürbitte der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria zu, die er sehr verehrte und zu deren Heiligtum in Fatima (Portugal) er dann auch mehrmals pilgerte.

Johannes Paul II. war ein Papst, der die Nähe Gottes im Gebet und in der Feier der heiligen Eucharistie suchte. Und zugleich war er ganz nahe bei den Menschen, denn allen wollte er die barmherzige Liebe des himmlischen Vaters verkünden, die uns Gott in seinem Sohn Jesus Christus zeigt. Nicht er selbst wollte als Papst im Mittelpunkt stehen, sondern Johannes Paul II. wollte alle Menschen – ob jung oder alt, ob gesund oder krank – zu Gott führen, der uns nahe ist in Jesus Christus. So formierte er es gleich zu Beginn seiner ersten Enzyklika „Redemptor hominis“: „Der Erlöser des Menschen, Jesus Christus, ist die Mitte des Kosmos und der Geschichte.“

Dass wir den Sonntag nach Ostern seit dem Jahr 2000 als Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit feiern dürfen, ist Johannes Paul II. zu verdanken. Er war vom sehnlichen Wunsch erfüllt, wie er in der Enzyklika „Dives in misericordia“ schreibt, „das Geheimnis der väterlich-erbarmenden Liebe Gottes allen näher (zu) bringen“. Und er rief auf „zu einem inständigen Gebet der Kirche um Erbarmen …, das der Mensch und die Welt von heute so sehr brauchen – und sie brauchen es, auch wenn sie sich dessen oft nicht bewusst sind.“ Das göttliche Erbarmen ist die Antwort auf die Schuldverstricktheit der Menschen, aus der sie sich selbst nicht befreien können.

Der auferstandene Herr Jesus Christus hat das Sakrament der Buße eingesetzt: Wem die Apostel und ihre Nachfolger – die Bischöfe und Priester – die Sünden vergeben, dem sind sie im Namen Gottes vergeben (vgl. Joh 20,23). Gott schenkt uns immer wieder die Chance des Neubeginns; so haben wir Hoffnung und Mut, das Gute zu tun!

Vergessen wir nicht, dass der verstorbene Johannes Paul II. stets in besonderer Weise die heilige Gottesmutter Maria verehrt hat. Sie möge auch uns auf mütterliche Weise begleiten. Am Ende der ersten Enzyklika lud er ein zum Gebet, „so wie die Apostel und die Jünger des Herrn nach seiner Himmelfahrt im Abendmahlssaal von Jerusalem verharrten.“ Denn er war erfüllt von der Hoffnung, dass wir als Kirche Gottes „dank eines solchen Gebetes den Heiligen Geist aus der Höhe empfangen können und so Zeugen Christi werden ‚bis an die Enden der Erde‘ wie jene, die am Pfingsttag aus dem Abendmahlssaal in Jerusalem in die Welt hinausgegangen sind.“

Allen Menschen Christus verkünden – zu allen Menschen die Liebe Christi bringen! Das war der Inhalt des Lebens von Johannes Paul II., und wir danken Gott für diesen großen Seligen, den wir nun in besonderer Weise verehren und um seine Fürbitte für die Kirche und die ganze Menschheit anrufen dürfen. Amen