Predigt:
Zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen
28. Sonntag im Jahreskreis A (09.10.2011)
L1: Jes 25,6-10a; L2: Phil 4,12-14.19-20; Ev: Mt 22,1-14
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Der Oktober ist der Rosenkranzmonat, und am 7. Oktober wird jedes Jahr der Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz gefeiert.
Im Gebet des Rosenkranzes erwägen wir gleichsam an der Hand der Gottesmutter Maria und in liebender Verbundenheit mit ihrem unbefleckten Herzen die Geheimnisse unseres Heils. Gott hat Großes an uns getan, denn er ist Mensch geworden aus der Jungfrau Maria. Maria hat in Freiheit ihr Ja gesagt, sodass das ewige Wort Gottes in Jesus Christus Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat. „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19; vgl. 2,51).
Auch wir wollen über die eben gehörten Worte der Lesungen und des Evangeliums gläubig nachdenken und sie auf unser Leben beziehen. Die Gottesmutter Maria mache uns offen für das göttliche Wort, damit es auch in unserem Herzen Frucht bringe, ja auch hier gleichsam „Fleisch werde“, lebendige Wirklichkeit des Heils, die unser Leben trägt und formt.
So leuchtet in der 1. Lesung aus dem Buch Jesaja die göttliche Verheißung auf, dass alle Völker den wahren Gott erkennen und ihm dienen werden. Sie ziehen hin zum wahren Zion und versammeln sich beim Herrn. Auf diese Weise wird der Neue Bund angekündigt, den Gott dann ja tatsächlich in Jesus Christus mit den Menschen aller Völker und Nationen geschlossen hat. Alle sollen an den Sohn Gottes glauben, den der Vater in die Welt gesandt hat, und sich in der Kirche Gottes versammeln, in welcher das himmlische Jerusalem vorausgebildet wird, die wahre Stadt Zion, in der wir Gott in Jubel preisen werden, da er jede Träne wegwischt und der Tod für immer vernichtet ist.
In der 2. Lesung aus dem Philipperbrief bekundet der Apostel Paulus, dass er in jeder Lebenslage auf Gottes Beistand vertraut, ob er nun Entbehrungen zu ertragen hat oder im Überfluss lebt. Sein Leitmotto kann auch uns im Glauben an Gott und im Tun des Guten bestärken: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“
Worum aber geht es im Evangelium nach Matthäus, das von einem Hochzeitsmahl handelt, dessen ursprüngliche Gäste geladen sind, aber nicht kommen wollen? Jesus verwendet im Gleichnis dieses Bild, um auf die Einladung Gottes zum himmlischen Hochzeitsmahl hinzuweisen. Es ist eine einzigartige Veranstaltung, zu der auch wir geladen sind; etwas, das man sich nicht entgehen lassen sollte, weil es das in dieser Form nur einmal gibt. Wer wollte da nicht hingehen, noch dazu, wenn er durch die Diener des himmlischen Königs eine ganz persönliche Einladung erhält? Und doch waren es eine ganze Reihe von Gästen, die nicht kommen wollten, sogar als eine zweite, überaus herzliche Einladung erging. Manche kümmerten sich gar nicht um die Einladung, heißt es. Sie gingen einfach unbeirrt ihrer Wege und fanden es nicht einmal der Mühe wert, sich zu entschuldigen. Ja, es gab sogar geladene Gäste, die auf die freundliche Einladung hin mit Gewalt reagierten und die Boten des Königs misshandelten und töteten. Was für ein Unrecht angesichts einer so großen Gnade, zu jenem Hochzeitsmahl geladen zu sein!
Und dann setzt der König eine einzigartige Initiative: Weil die zuerst geladenen Gäste nicht wert waren eingeladen zu werden, lässt er nun alle zur Hochzeit heranholen, die irgendwie erreichbar sind für seine Einladung! Und tatsächlich, sie kommen – ob sie es nun verdient haben oder nicht. Ausdrücklich heißt es, dass „Böse und Gute“ erscheinen!
Der unmittelbaren Bedeutung nach richtet sich Jesus mit diesem Gleichnis wiederum an die Hohenpriester und Ältesten des Volkes, die seine Botschaft vom nahen Gottesreich ablehnen. Sie sind die zuerst Geladenen, die es nicht wert sind. Anstelle ihrer lädt Gott nun alle Menschen ein, ob sie dessen würdig sind oder nicht. Sie sollen zum Hochzeitsmahl des ewigen Lebens kommen.
Aber da ist noch etwas, worauf wir achten sollten: Jesus spricht davon, dass der König einen Mann vorfand, der kein hochzeitliches Gewand anhatte. Wie lässt sich diese spezielle Einlassbedingung für die Hochzeit mit der Einladung für alle vereinbaren? Es muss sich bei diesem Hochzeitsgewand um etwas handeln, das für alle Gerufenen leicht erhältlich ist. In der theologischen Auslegung hat man hier auf die heiligmachende Gnade hingewiesen, also auf die Freundschaft mit Gott, in welcher der Mensch durch den Glauben und die Liebe steht. Denn nur wer Gott liebt, darf eintreten zum himmlischen Hochzeitsmahl!
Im Umkehrschluss heißt dies: Wer das Hochzeitsgewand nicht besitzt, weil er von Gott getrennt ist durch eine Todsünde, kann nicht in das Himmelreich gelangen, bis er sich bekehrt hat. Die Bekehrung freilich ist für alle Menschen möglich, solange sie leben.
Beten wir in besonderer Weise darum, dass alle Menschen begreifen, was es heißt, dass Gott sie in sein himmlisches Reich einlädt. Ganz im Sinne der Gottesmutter Maria beten wir um die Bekehrung aller Sünder, sodass wirklich alle die Freundschaft mit Gott annehmen und so einst der ewigen Seligkeit teilhaftig werden! Amen
