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Predigt:

Erntedank und Eucharistie

28. Sonntag im Jahreskreis A (12.10.2008)

L1: Jes 25,6-10a; L2: Phil 4,12-14.19-20; Ev: Mt 22,1-14


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Immer wieder hat unser Herr Jesus Christus mit den Aposteln und Jüngern gebetet und den himmlischen Vater gepriesen für all das Wunderbare, was er uns in seiner Liebe schenkt. Besonders eindrucksvoll war das Gebet Jesu vor den gemeinsamen Mahlzeiten, wo er in feierlicher Weise das Brot nahm und Gott seinem Vater dankte für alle Gaben. Bei der wunderbaren Speisung der großen Menschenmenge wurde das Gebet Jesu zugleich zur Bitte um Vermehrung dessen, was an Speisen vorhanden war und ausgeteilt werden sollte an die vielen.

Wir haben uns heute zum Erntedankfest in unserer Pfarre versammelt. Wir sind immer wieder aufs Neue beeindruckt über die Vielfalt und die Köstlichkeit der Gaben Gottes, die er uns durch die Kräfte der Natur zuteil werden läßt. Der Mensch kann und muß zwar mit seiner Hände Arbeit vieles dazu tun, indem er die Felder bebaut und für Weinberge und Wald sorgt, doch ist er letztlich immer wieder darauf angewiesen, dass die Natur als Gottes gute Schöpfung uns das schenkt, was wir zum Leben brauchen.

Allein schon die Tatsache, dass aus einem kleinen Samenkorn große Pflanzen, ja sogar Bäume mit Früchten hervorgehen und dass sich die Natur jedes Jahr so eindrucksvoll wieder erneuert, ist ein Wunder. Bis jetzt hat es niemand vermocht, die Geheimnisse des Lebens zu erklären, trotz aller Fortschritte in der Biologie, insbesondere in der Genetik. Das Leben als solches ist ein Geschenk Gottes. Dies gilt vom Leben der Pflanzen und Tiere und noch mehr vom Leben der Menschen. Dafür, dass auch uns das Leben geschenkt ist und wir uns dieses Lebens auf Erden erfreuen dürfen, sei Gott heute gedankt!

Es ist nicht ohne Bedeutung, dass unser Erlöser Jesus Christus von den Geschenken dieser Erde zwei Gaben in besonderer Weise ausgewählt hat, die der Mensch von der Natur empfängt und die zugleich auch die Frucht seiner Hände Arbeit sind: das Brot und den Wein. Er wollte diese zum sakramentalen Zeichen seiner bleibenden Gegenwart bei uns machen, indem er beim Letzten Abendmahl das Brot in seinen heiligen Leib und den Wein in sein heiliges Blut verwandelte. Die Kirche darf bei der Heiligen Messe durch den Dienst ihrer Priester und in der gläubigen Teilnahme des ganzen Volkes Gottes dieses Geschehen fortsetzen, wann immer „Eucharistie“ (d.h. Danksagung) gefeiert wird.

Gott in seiner Allmacht und Liebe macht die Gaben der Schöpfung zu Mitteln seiner Gegenwart, um sich mit uns auf innigste Weise zu verbinden. Nicht nur äußerlich sollen wir den Leib und das Blut Christi empfangen, sondern vor allem mit dem Herzen gilt es an Gott zu glauben und ihn in Liebe zu erwarten und als ersehnten Gast aufzunehmen. Nicht nur der Leib bedarf der Stärkung durch irdische Nahrung, sondern auch die Seele braucht das „Brot vom Himmel“ und den „Kelch des Heiles“. Gott selbst ist unsere Speise, er ist unsere Nahrung, die uns stärkt auf dieser Pilgerreise hin zum ewigen Ziel im Himmelreich.

Auf eines wollen wir am Erntedankfest nicht vergessen: Wenn wir durch Gottes Güte so viele Gaben aus dem Garten der Natur empfangen, dann laßt uns an jene denken, die nicht genug haben oder vielleicht sogar hungern müssen. Der Apostel Paulus spricht in der Lesung aus dem Philipperbrief davon, dass er selber alles Mögliche kennen gelernt hat: „Ich weiß, Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluß leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: In Sattsein und Hungern, Überfluß und Entbehrung.“ Es gibt Mittel und Wege, jene Menschen wirksam zu unterstützen, und wir können uns dann nicht auf andere ausreden, wenn wir selber nicht all das Unsere getan haben, was uns hier möglich ist. Wer gibt, der empfängt in einer neuen Weise. Und erst da wird sich unsere Freude vollenden, wenn wir bereit sind, das mit anderen zu teilen, was wir selber empfangen haben.

Amen.