Predigt:
Geladen, aber nicht bereit?
28. Sonntag im Jahreskreis A (09.10.2005)
L1: Jes 25,6-10a; L2: Phil 4,12-14.19-20; Ev: Mt 22,1-14
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es gibt Einladungen verschiedenster Art, die an uns herangetragen werden. Über manche sind wir erfreut, besonders wenn sie von guten Freunden kommen oder einen freudigen Anlass haben; andere sehen wir als Pflicht an, wieder andere ignorieren wir einfach, denken wir nur an die vielen „Einladungen“ zu Werbe- oder Verkaufsveranstaltungen, die uns fast täglich – angeblich an uns ganz „persönlich“ adressiert – erreichen.
Im Gleichnis des Evangeliums lädt ein König zur Hochzeit seines Sohnes ein. Diese Einladung bedeutet eine hohe Ehre für die Gäste. Was aber geschieht? Die geladenen Gäste missachten die Einladung. Sie ignorieren sie, indem sie anderes vorziehen (die Arbeit auf dem Acker oder im Geschäft); ja noch schlimmer, die im Namen des Königs einladenden Diener werden misshandelt, ja getötet. Ein schreiendes Unrecht gegenüber einer gut gemeinten, von Wohlwollen getragenen Einladung zu einem großen Fest!
Weil der König aber unbedingt Gäste dabei haben möchte – denn geteilte Freude ist doppelte Freude –, ordnet er an, jeden einzuladen, den die Diener antreffen und vorfinden. Ausdrücklich heißt es: „Sie holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.“ Ist damit alles Nötige getan? Offenbar nicht. Denn wie der Hinweis auf den zwar eingeladenen, aber ohne Hochzeitskleid erschienen Gast zeigt, müssen sich die Eingeladenen auch vorbereiten für den festlichen Anlass. Wer dies nicht tut, zeigt ähnliche Ignoranz wie jene, die zuerst geladen waren, aber gar nicht erschienen sind. Es geht um eine Kultur der Gastfreundschaft, die sowohl den Gastgeber wie auch die Gäste des Hochzeitsmahles betrifft. Ein jeder muss sich so verhalten, wie es der Würde der Personen, aber auch dem Anlass entspricht. Anderenfalls zeigt sich ein Mangel an Respekt, ja vielleicht offene Ablehnung oder Verachtung.
Der „Sitz im Leben“ dieses Gleichnisses ist jene Situation, in der sich Jesus an die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes wendet. Ihnen zuerst gilt seine Botschaft: Sie sind vom himmlischen Vater zum Hochzeitsmahl seines Sohnes geladen, nehmen diese Einladung aber nicht an. Alle möglichen Ausreden erfinden sie und zeigen dadurch, dass sie das Geschenk der göttlichen Einladung in der Lehre und im Wirken des Messias nicht annehmen wollen. Gottes Liebe wendet sich nun den vielen anderen zu, und so werden auch scheinbar Unwürdige zur Teilnahme am Hochzeitsmahl des Gottesreiches eingeladen. Viele von ihnen wissen diese Einladung mehr zu schätzen als jene, die zuerst geladen waren. Wer immer bereit ist, sich beschenken zu lassen, erhält Anteil an der Gemeinschaft des Himmelreiches. Dann aber gibt es auch jenen, der zwar kommt, aber ohne hochzeitliches Gewand. Dieses Bild zeigt, dass er sein Herz nicht in rechter Weise bereitet hat. Er möchte am Mahl der Liebe teilnehmen, ohne in freundschaftlicher Gemeinschaft mit dem Gastgeber zu stehen. Das bloße Eigeninteresse hat ihn hergeführt, er hat keinen Sinn für den großen Anlass und die damit verbundene Festlichkeit und Freude. Darum wird er vom König ausgeschlossen und vor die Tür gesetzt, wo er „heulen und mit den Zähnen knirschen“ wird.
Liebe Brüder und Schwestern! Wir spüren schon, dass jenes Gleichnis auch uns etwas zu sagen hat. Es gilt im weitesten Sinn von unserer Einladung zur Teilnahme am Reich Gottes, die uns durch das Geschenk der Taufe gegeben wurde. Wissen wir diese kostbare Gabe recht zu schätzen und bemühen wir uns, in unserem Leben der Einladung zu entsprechen? Oder leben wir so, als ob es diese Einladung gar nicht gäbe? Verhalten wir uns als Christen, ja als getaufte Katholiken vielleicht in manchen Dingen sogar schlechter als Anders- oder Ungläubige?
Dann aber gibt es noch einen besonderen Bezug dieses Gleichnisses. Wir werden erinnert an die Sonntag für Sonntag von der Kirche im Namen Gottes ausgesprochene Einladung zur heiligen Messe und zur heiligen Kommunion. Wie viel ist uns diese Einladung wert? Wollen wir ihr wirklich entsprechen oder sehen wir darin nur eine lästige „Sonntagspflicht“? Und wenn wir zum Opfer Christi und zum „Mahl des Lammes“ erscheinen: Wie bereiten wir uns darauf vor? Gibt es die notwendige Versöhnung mit dem Nächsten, gibt es die regelmäßige oder zumindest jährliche Versöhnung mit Gott im Sakrament der Buße? Oder maßen wir uns an, in einem Zustand „ohne Hochzeitsgewand“ vor dem Herrn zu erscheinen, wodurch wir es riskieren, uns dann selber auszuschließen, weil wir im Herzen nicht bereit sind, mit Christus zu einer Gabe der Liebe für Gott und die Menschen zu werden?
Das in diesen Wochen zu Ende gehende „Jahr der Eucharistie“ möge uns ein Ansporn sein, die persönliche Verbundenheit mit unserem Herrn Jesus Christus in diesem Geheimnis zu vertiefen. Der Einladung des Herrn zur Teilnahme an der heiligen Messe wollen wir so gut und so oft als möglich entsprechen. Bedenken wir, wer uns einlädt und wen wir in der Heiligen Kommunion empfangen dürfen! Sollte uns dies nicht mehr bedeuten als alles Übrige? Die heilige Gottesmutter Maria zeigt uns den Weg zu einem freudigen „Ja“ gegenüber der Einladung des Herrn. Das ewige Leben bei Gott ist ein unverdientes Geschenk, aber nur wer es auch für wert erachtet, es anzunehmen, kann seine Seligkeit zu erfahren. Amen
