Predigt am
28. Sonntag im Jahreskreis
10. Oktober
1999, Lesejahr A
L 1: Jes 25,6-10a; L 2: Phil 4,12-14.19-20; Ev: Mt 22,1-14
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Einladungen haben es so auf sich:
Es gibt den Fall, daß wir uns aufrichtig freuen, wenn uns jemand
einlädt, mit dem wir in guter Bekanntschaft oder gar Freundschaft
stehen. Auch kann es sein, daß uns der Anlaß der Einladung
willkommen ist. Beispielsweise möchten wir gern zu einer bestimmten
Veranstaltung gehen oder jemanden treffen.
Dann gibt es sogenannte "Pflichttermine":
Wir werden eingeladen, weil es mit unserem Beruf oder bestimmten Anlässen
so verbunden ist. Mehr oder weniger rechnen wir mit solchen Einladungen,
und wir akzeptieren, daß es nötig ist, ihnen Folge zu leisten.
Schließlich kennen wir auch jene
Art von Einladungen, die uns unangenehm und lästig sind. Am liebsten
würden wir absagen; manchmal tun wir das auch, bisweilen mit Ausreden
oder nichtigen Gründen; andere Male wiederum nehmen wir die Einladung
zwar an, wünschen aber zugleich, daß das Unvermeidbare bald
vorüber sei.
Wie verhält es sich mit Gott? Lädt
auch er uns ein, und wie macht er es? Wie können wir seine Einladungen
vernehmen, und wie leisten wir ihnen Folge?
Von vornherein sollte es uns klar sein,
daß es höchste Ehre und Auszeichnung für den Menschen bedeutet,
von Gott selber eingeladen zu werden. Wir müssen uns ja ehrlich sagen:
Wer bin ich denn, was habe ich für Leistungen und Verdienste oder
womit könnte ich mich rühmen, was könnte ich mir selber
zuschreiben, daß ich ein Recht hätte, von Gott dem Höchsten
zu etwas eingeladen zu werden? Und die Antwort wird lauten: Nichts, wirklich
nichts haben wir selbst anzubieten, das uns für eine so einzigartige
Einladung vonseiten des Allmächtigen geeignet und würdig machen
könnte!
Unser Herr Jesus Christus hat uns nun aber etwas kundgetan, woran wir nicht vorbeigehen können - außer wir würden uns in Eigendünkel und Stolz dieser frohen Botschaft verweigern. In seiner Person und in seinem Wirken, in seinen Worten und Taten, in seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung verkündet uns nämlich der menschgewordene Sohn Gottes ganz Unerhörtes: Gott selber, unser himmlische Vater, lädt uns ein zum Eintritt ins Reich Gottes und zur Teilnahme am Hochzeitsmahl des ewigen Lebens. Das ist keine phantastische Geschichte oder irgendein erfundenes Märchen, das man Kindern erzählt, nein: Es ist die Wirklichkeit! Ja, so ist das Leben wirklich: Gott ganz persönlich lädt uns ein, er lädt Dich ein, er lädt mich ein, er lädt uns alle ein, auf sein Wort zu hören, ihm zu folgen durch ein heiliges Leben und in seine Gemeinschaft der Liebe und des Lebens einzutreten.
Prüfen wir uns selbst: Haben wir noch diese Offenheit, dieses kindliche Urvertrauen, daß wir mit einer solchen Botschaft rechnen, daß wir ein derartiges Angebot der Liebe und Gnade Gottes nicht überhören, sondern es annehmen und ihm Folge leisten können? Oder haben wir innerlich längst resigniert und erwarten nichts mehr vom Leben, "weil am Ende sowieso der Tod steht und nachher niemand weiß, ob es weitergeht"? Wie schaut es mit unserem religiösen und sittlichen Leben aus: Erfüllen wir einfach so, mehr oder weniger aus Gewohnheit, unsere Pflichten, oder haben wir das Bewußtsein, einer Einladung der Liebe zu folgen, die einzigartig ist und von der unser ganzes Leben abhängt?!
Wenn Gott uns ruft, dann können wir uns nicht verstecken hinter Ausflüchten und scheinbar vernünftigen Argumenten. Wenn Gott uns ruft, dann hat es keinen Sinn, aufzustehen und wegzulaufen. Wenn Gott uns ruft, dann werden wir uns nicht selber einen Ersatz dafür schaffen können, indem wir vorgeben, anderes sei wichtiger und dringender, als seiner Liebe zu antworten. Nein, es gibt nur eine Antwort, die unser Herz geben muß, wenn es wirklich diesem Ruf entsprechen und darin sein Glück finden will. Diese Antwort heißt: "Ja, Herr, hier bin ich. Ich bin bereit. Tue mit mir, was Du willst. Ich möchte Dir in meinem Leben folgen und all das tun, was Du von mir erwartest. Ich nehme Deine Liebe an und nehme Dich auf in mein Herz. Mein Leben soll ganz Dir gehören. Du sollst wirklich der Mittelpunkt meines ganzen Lebens sein. Denn alles, was ich bin und habe, kommt von Dir und findet allein in Dir sein Ziel und seine Vollendung." So oder ähnlich soll unser Herz zu Gott sprechen, wenn er uns ruft. In dieser Weise haben schon unzählige Menschen vor uns zu Gott gesprochen, wenn sie dem Wort Christi Glauben geschenkt und dieses angenommen haben durch die Vermittlung seiner heiligen Kirche.
Es hat einen Menschen gegeben, der von
Anfang an bereit war, dem Willen Gottes in allem zu folgen. Es ist dies
die heilige Jungfrau Maria. Sie entsprach in allem der Gnade Gottes
und lebte uns vor, was es heißt, der Einladung des göttlichen
Königs zu folgen, der uns zum Hochzeitsmahl des ewigen Lebens ruft.
Sie zögerte nicht, als sie durch die Worte des Engels ihre für
die ganze Menschheit entscheidende Berufung empfing, Mutter des Sohnes
Gottes zu werden. Mit ganzem Herzen sprach sie ihr Ja-Wort, ihr "Fiat":
"Mir geschehe, wie Du es gesagt hast" (vgl. Lk 1,38).
Im Monat Oktober sind wir ganz besonders
aufgerufen, das Gebet des Rosenkranzes zu beten. Die Kirche empfiehlt es
uns immer wieder. Viele Menschen haben schon den Segen erfahren, der in
diesem Gebet liegt. Wir dürfen unser ganzes Leben hineinlegen und
mit der Betrachtung der göttlichen Heilsgeheimnisse verbinden. Dann
werden wir innerlich ruhig werden und immer klarer erkennen, wo unsere
Berufung liegt, wie wir persönlich dem Ruf der Liebe Gottes folgen
können. Daß uns das immer besser gelingt, darum wollen wir füreinander
beten. Mögen wir alle einst teilnehmen dürfen an der himmlischen
Hochzeitsfeier, zu der Gott uns einlädt! Amen.