Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Mank

Predigt für den 13. Oktober 1996

Lesejahr A, 28. Sonntag im Jahreskreis/L 1: Jes 25,6-10a; L 2: Phil 4,12-14.19-20; Ev: Mt 22,1-14

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Gleichnisse Jesu über das Himmelreich sind schier unerschöpflich. Wieder wählt Jesus die Sprache eines großartigen Bildes, um auf die Wirklichkeit des Reiches Gottes hinzuweisen!

Es kommt nicht oft vor, daß jemand eine Einladung zur Hochzeit ausschlägt und statt dessen auf den Acker geht oder in sein Geschäft oder seinen Betrieb. Wenn es keine echte Notwendigkeit dafür gibt, so liegt in einem solchen Verhalten wohl eine gewisse Unfreundlichkeit gegenüber dem Gastgeber. In diesem Gleichnis kommt keiner der Eingeladenen zum Hochzeitsmahl, das ein König für seinen Sohn bereitet hat. Ja, es werden sogar die Boten mißhandelt und getötet - eine unerhörte Barbarei, mehr noch: eine Mißachtung der Autorität des Königs!

Der König läßt daher „die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.“ Er möchte aber nicht, daß es keine Gäste bei der Hochzeit gibt. So erteilt er den Auftrag, alle einzuladen, die sich auf den Straßen finden lassen, ohne Unterschied des Standes und Ansehens, sowohl Gute als auch Böse. Es gibt nur eine Bedingung: Ein hochzeitliches Gewand muß vorhanden sein. Denn wer zu einer bestimmten Gesellschaft gehören will, muß sich auch äußerlich dazu bekennen!

Versuchen wir jetzt das Gleichnis zu deuten: Das Himmelreich wird mit einem Hochzeitsmahl verglichen. Es muß etwas unerhört Großes um die Teilnahme an der ewigen Gemeinschaft mit Gott im Himmel sein. Dennoch kommen die zuerst Eingeladenen nicht zur Hochzeit. Gibt es wirklich Menschen, die keine Sehnsucht nach dem Himmel haben?! Gott allein weiß es! Als dann weniger Vornehme eingeladen werden, so kommen diese alle. Oft lassen sich gerade jene Menschen von Gott ansprechen, bei denen wir es am wenigsten erwarten. Der Herr weist niemanden zurück, der kommen will!

Aber was ist das hochzeitliche Gewand, das wir für die Teilnahme am Hochzeitsmahl des ewigen Lebens bei Gott anziehen sollen? Es ist das Zeichen unserer Zugehörigkeit zu Gott und zu seiner Kirche. Beim Kleid handelt sich also um den Glauben an Gott und die Liebe zu ihm, um die Freundschaft mit Gott, was wir die „heiligmachende Gnade“ nennen.

Durch die Taufe erhält der Mensch Anteil am Leben des dreifaltigen Gottes, empfängt er dieses Hochzeitsgewand, symbolisiert durch das Taufkleid. Er hat den Auftrag, es ein ganzes Leben lang unversehrt zu bewahren, um so einmal eingehen zu können zum Hochzeitsmahl des ewigen Lebens.

Hat jemand das Unglück, Gott durch eine schwere Sünde zu beleidigen, so kann er jederzeit in Reue und Demut vor Gott hintreten und die Vergebung erlangen. Das Sakrament der Buße stellt die ursprüngliche Tauf-Unschuld wieder her, gibt wieder Anteil an der Liebesgemeinschaft mit Gott! Der Gast, der vom König ohne Hochzeitsgewand angetroffen wird, hätte die Möglichkeit gehabt, sich eines zu besorgen. Offenbar hat er es zu leicht genommen und ist ohne dieses beim Hochzeitsmahl erschienen.

Die heilige Kommunion, die wir auf Erden empfangen, ist uns ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit. Wir sollen uns gut darauf vorbereiten und dürfen Jesus nicht unwürdig, d.h. im Zustand der schweren Sünde empfangen. Sonst gleichen wir dem Gast, der ohne hochzeitliches Kleid beim Mahl erscheinen will. Er erfährt vom König Zurückweisung.

Wenn wir jetzt unsere Unwürdigkeit spüren, dann ist dies heilsam für uns. Denn Gott schaut auf den Demütigen und Zerknirschten. Wer sich selber nicht überhebt, sondern klein ist vor Gott, der empfängt sein Heil und Erbarmen!

So sollen wir nicht mutlos werden, sondern voll Vertrauen hintreten zum Thron der Gnade und des Erbarmens. Gott will niemanden abweisen, alle sind wir eingeladen zum Mahl des ewigen Lebens bei Gott in seinem Reich. Von uns hängt es ab, ob wir seiner Einladung Folge leisten und in welchem Gewand wir dort erscheinen wollen.

Heute ist wieder der „13.“, also ein Fatimatag. Mit dem 13. Oktober 1917 waren die Erscheinungen der Gottesmutter an die drei Seherkinder Luzia, Francesco und Jacinta abgeschlossen. Die Gottesmutter rief dazu auf, den Rosenkranz zu beten, besonders für die Bekehrung der Sünder. Jetzt im Rosenkranzmonat wollen wir dies verstärkt tun. Am Abend ist heute in Mank die Fatimafeier mit Lichterprozession. Beten wir besonders um den Frieden in der Welt, für die Bekehrung der Sünder und um die Erneuerung der Kirche!

Amen.


Fatimafeier in Mank am 13. Oktober 1996

ab 18.30 Uhr Beichtgelegenheit
19.30 Aussetzung des Allerheiligsten und Rosenkranz
20.00 Heilige Messe mit Predigt (Msgr. Dr. Franz Burger, Pfarrer in Freundorf)
nachher Lichterprozession mit der in Fatima geweihten Statue der Muttergottes








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