www. St Josef.at
Die katholische Informationsseite der Gemeinschaft v. hl. Josef
Navigation
Word-Dokument

Predigt:

Gottes Sorge um seinen Weinberg

27. Sonntag im Jahreskreis A (05.10.2008)

L1: Jes 5,1-7; L2: Phil 4,6-9; Ev: Mt 21,33-44


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In diesen Wochen wird in der Wachau und anderswo wieder der Wein gelesen. Auch wenn es teilweise widrige Wettereinflüsse gab und deshalb gewisse Einbussen zu erwarten sind, wird dennoch so mancher „gute Tropfen“ dabei sein, den uns Gott der Schöpfer durch die Kräfte der Natur zuteil werden läßt.

Da passen auf hervorragende Weise die „Weinberggleichnisse“ des heutigen Sonntags, die uns in bildhafter Sprache vom Weinbau und der Weinernte erzählen und damit auf die Wirklichkeit des Reiches Gottes verweisen. Die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Jesaja beschreibt, wie sehr sich der Besitzer eines Weinbergs mit allen Kräften für diesen einsetzt. Er tut alles Mögliche, um die gute Frucht im Weinberg vorzubereiten, wird aber enttäuscht. Es heißt wörtlich: „Dann hoffte er, dass der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure Beeren.“ Der Prophet Jesaja fragt, ob man nicht das Haus Israel und die Männer von Juda mit dem Weinberg und seinen Reben vergleichen kann, die keine guten Früchte gebracht haben. Offenbar geht es darum, dass das von Gott auserwählte Volk im Glauben schwankend geworden ist und Gottes Gebot preisgegeben hat, sodass diese Menschen keine guten Früchte mehr brachten. Gott kann das nicht zulassen; ihm liegt zuviel an dem Volk, das er erwählt hat. Und auch wo sich das Gericht Gottes ereignet und seine strafende Gerechtigkeit sichtbar wird, ist dies in Wahrheit nichts anderes als ein erneutes Gnadenangebot, die Möglichkeit der Umkehr anzunehmen und so doch noch gute Früchte zu bringen.

Das Evangelium dieses Sonntags zeigt uns im Gleichnis vom Weinberg und seinen Arbeitern, wie sehr gerade jene versagt haben, die eine besondere Aufgabe und Verantwortung in der Pflege und Betreuung des Weinberges Israel erhalten hatten. Die untreuen Pächter mißhandelten jene, die als Boten des Besitzers kamen und den diesem zustehenden Ertrag abholen wollten. Sogar den Sohn des Weinbergbesitzers mißhandelten und töteten sie. Die Aussage ist klar: Gott hat seinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Ein furchtbares Gericht wird drohen, wenn die Menschen nicht umkehren. Die Strafe wird sein, dass der Besitzer des Weinbergs diesen einem anderen Volk anvertraut, das zur rechten Zeit seine Früchte bringt. Aber auch mit diesem Gleichnis und seinen bedrohlich klingenden Schlußworten zielt Gott nicht auf Untergang und Vernichtung, sondern auf Umkehr und Neubeginn jener, die versagt haben.

Betreffen uns diese Bildworte Jesu? Wir sollten nicht vorschnell alles der Vergangenheit zuweisen oder gar das jüdische Volk anklagen, dessen maßgebliche Repräsentanten damals blind waren für das Kommen des Erlösers. Auch uns gelten die Worte Jesu, und wir haben uns zu fragen, ob wir immer treu waren gegenüber der Botschaft des Heils und den vielen Gnaden, die uns Gott geschenkt hat.

Wie können wir gute Rebzweige sein am Weinstock Christi? Nur dann, wenn wir mit ihm verbunden sind! Wer glaubt und liebt und Gott wirken läßt, braucht nicht zu verzagen. Gott schenkt dann die gute Frucht aus einem Herzen, das ihm vertraut. Kein Opfer und kein Gebet sind verloren, wenn wir alle unsere Anliegen, Sorge und Nöte dem Herrn anvertrauen. Die Frucht unseres Lebens kennt Gott allein. Er kann auch zum Guten wenden, wo wir selber etwas „verpatzt“ haben. Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade.

In diesen Tagen des Monats Oktober wollen wir besonders die Fürbitte der Gottesmutter Maria, der Rosenkranzkönigin, anrufen. In diesem Gebet des Vertrauens und der Hingabe lassen wir uns an der Hand Marias zu Jesus, ihrem Sohn, hinführen. Ja, heilige Jungfrau Maria, zeige uns Jesus deinen Sohn, führe uns hin zu ihm und erbitte uns durch ihn einst die gnädige Aufnahme im Reich des Himmels.

Amen.