Predigt:
Jesus Christus ist der Herr
26. Sonntag im Jahreskreis A (28.09.2008)
L1: Ez 18,25-28; L2: Phil 2,1-11; Ev: Mt 21,28-32
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Überall wo Christen in Gemeinschaft miteinander leben und sie ihren Glauben zu leben versuchen, herrscht ein neuer Geist. Man könnte auch sagen: Es gibt ein anderes zwischenmenschliches Klima, als dies dem „Geist der Welt“ entspricht.
Der Apostel Paulus beschreibt es im Brief an die Philipper mit prägnanten Zügen. Er weiß natürlich, dass im wirklichen Leben nicht alles ideal ist und dass es auch so manche Hindernisse für die Einheit und den Frieden gibt. Darum formuliert er es als „Ermahnung in Christus“ und „Zuspruch aus Liebe“, um die Gläubigen zu ermutigen, im Guten voranzuschreiten. Die „Gemeinschaft des Geistes“ zeichnet sich aus vor allem durch „herzliche Zuneigung und Erbarmen“. Ja, die Freude des Apostels wird „dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut.“
Wie schwierig das ist, wissen wir alle! Leider gibt es auch unter jenen Menschen, die an Jesus Christus glauben, mitunter Streit, Eifersucht oder sogar offene Feindschaft. Auch in die guten Handlungen schleichen sich so manche falsche Haltungen mit ein, sodass es wahrscheinlich doch eher selten ist, dass jeder einzelne – wie es nach der Empfehlung des Apostels eigentlich sein sollte – den anderen „in Demut“ höher einschätzt als sich selbst. Ist es nicht vielmehr umgekehrt? Wir blicken auf andere und sehen so manches Kritische und Negative. Dann sind wir wieder beruhigt, weil wir meinen, so schlecht wären wir selber ja gar nicht im Vergleich zu den anderen, und als Ergebnis unserer Überlegungen lassen wir uns selber auch so manches durchgehen, von dem wir genau wissen, dass es eigentlich nicht in Ordnung ist
Nicht „nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das des anderen“, sollen wir achten, erinnert uns Paulus. Genau das ist die Kunst, im Kleinen und im Großen. Denn auch im gesellschaftlichen und politischen Zusammenleben kommt es darauf an, das größere Gemeinsame zu sehen und eigene Ansprüche zurückzustellen, soweit sie dem gemeinsamen Anliegen und Wohl widersprechen würden. Denn auf Dauer kann auch jeder sein eigenes Wohl nur dadurch am besten sichern, dass er die Rechte und Ansprüche seines Mitmenschen mit bedenkt und anerkennt und sich für diese einsetzt. Genau das verlangt ja das Gebot der Nächstenliebe, wonach wir unseren Nächsten lieben sollen wie uns selbst!
Aber die Worte des Apostels gehen noch weiter. Wenn wir nur auf die eigenen menschlichen Kräfte vertrauen würden, wären wir verloren. Das Gute wäre dann eine bleibende Überforderung, vor der wir letztlich nur resignieren könnten, weil wir es ohnehin nicht schaffen, es auf Dauer und mit Konsequenz zu tun. Darum leitet Paulus über zu jenem göttlichen Leben, das wir als Christen in der Taufe empfangen haben. Er schreibt: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht.“
Es folgt dann jener berühmte Hymnus, also jenes Loblied auf die freiwillige Erniedrigung des Gottessohnes in seiner Menschwerdung und in seinem Kreuzestod, die ihren Abschluss findet in der Erhöhung Jesu Christi durch den himmlischen Vater in der Auferstehung und Himmelfahrt.
Gottes Liebe ist nämlich einzigartig und unbegreiflich, will uns der Apostel sagen. Christus „war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“
Wir können es nur dankbar zur Kenntnis nehmen, wie Gott zu uns Menschen herabgestiegen ist und sich als der „Gott-mit-uns“ (Immanuel) offenbart hat. Als Mensch ist Jesus Christus unser Bruder geworden: so hat uns Gott sein Antlitz gezeigt. Bis zum Tod am Kreuz ging die Hingabe seiner Liebe, sodass er – obwohl er als Gott dem Vater gleich ist – sich als Mensch zum Sklaven aller machte und den Tod eines Verbrechers auf sich nahm, um die Schuld aller zu sühnen.
Jetzt aber ist der menschgewordene Sohn Gottes verherrlicht. Gott der Vater hat ihn „erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ‚Jesus Christus ist der Herr – zur Ehre Gottes, des Vaters.“
Bedenken wir, was das heißt: Jesus Christus ist auch als Mensch der König des Universums; ihm ist wirklich alles unterworfen. Vor dem Namen Jesu beugen ihre Knie die himmlischen Heerscharen, d.h. die heiligen Engel, außerdem die Menschen auf der Erde und auch die von Christus besiegten personalen Mächte des Bösen – nach Vorstellung des alten Weltbildes – „unter der Erde“.
In nichts anderem liegt der Friede und die wahre Einheit der Menschen begründet, wenn sie denjenigen im Glauben und in der Liebe anerkennen, den der Vater in die Welt gesandt hat und der sich in seiner Menschwerdung, seinem Leiden und Sterben und in seiner Auferstehung als der „Kyrios“, als der Herr, erwiesen hat, was wiederum ein Hinweis auf die Gottheit Jesu Christi ist, die nun auch seine verherrlichte Menschheit durchstrahlt und uns das Glück ewiger Vollendung bei Gott verheißt.
Amen.
