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Predigt:

Von der Treue im Guten

26. Sonntag im Jahreskreis A (25.09.2005)

L1: Ez 18,25-28; L2: Phil 2,1-11; Ev: Mt 21,28-32


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Uns allen ist sowohl aus eigener Erfahrung wie auch bei anderen die menschliche Unbeständigkeit bekannt. Es handelt sich um jene charakteristische Eigenschaft und Verhaltensweise, dass wir dazu neigen, gegebene Zusagen rückgängig zu machen, Versprochenes nicht zu halten und unsere guten Vorsätze aufzugeben.

Man könnte das ganze natürlich auch anders sehen und sagen: „Ich möchte kein starres, dogmatisches Leben führen und passe mich daher an die Situation an. Je nach dem Wind, der weht, ändere ich meine Meinung!“ Aber wohin würde das führen? Ein geordnetes und geregeltes menschliches Zusammenleben wäre nicht mehr möglich, wenn man heute „Hü“ sagt und morgen „Hott“, wenn heute A gilt und morgen B, wenn die Freundschaft mit dir abhängt von meiner Laune oder anderen beliebigen Faktoren, wenn eheliche Treue und geistliche Bindung zu einer Sache des momentanen Geschmacks und Gefallens wird.

Im Evangelium, das wir an diesem Sonntag hören, geht es um zwei Beispiele von Unbeständigkeit und Wankelmütigkeit im menschlichen Verhalten. Diese sind jedoch nicht gleich zu bewerten. Da ist zuerst jener Sohn, der die Aufforderung des Vaters, in seinem Weinberg zu arbeiten, mit „Ja, Herr!“ beantwortet, aber schließlich nicht dorthin geht. Und da ist dann jener andere Sohn, der zuerst seinen Unwillen bekundet, später aber doch hingeht, um zu arbeiten, weil ihn seine frühere Entscheidung reut.

Eine rein äußere Betrachtungsweise würde sagen: Beiden Söhnen fehlt etwas; Konsequenz wäre das Richtige gewesen – so oder so. Das mag im Idealfall schon stimmen, wenn auch nur für die gute und richtige Entscheidung. Das menschliche Leben ist aber geprägt von Schwachheit, von den Neigungen zur Bequemlichkeit, zur Sinnlichkeit und zum Egoismus und von der Unbeständigkeit. Jesus Christus kennt den Menschen. Obwohl er selbst ohne jede Sünde ist, weiß er, mit welchen Neigungen und Versuchungen die Menschen zu kämpfen haben. Er weiß auch, dass es immer wieder menschliches Versagen gibt. Wie aber ist menschliches Handeln zu bewerten? Offenbar gibt es hier doch Unterschiede, wenn wir auf den Ausgang menschlicher Entscheidungen achten. Was will der Betreffende denn eigentlich und wirklich? Worin zeigt er seine letzte Konsequenz?

So ist jener Mensch, der zuerst „Nein“ zu Gottes Willen sagt, d.h. als Sünder lebt, sich dann aber besinnt und bekehrt, schlussendlich auf den rechten Weg gekommen und erreicht sein Ziel. Wer hingegen gut beginnt, aber nicht ausharrt auf dem guten Weg, dem nützt sein guter Anfang wenig. Er gleicht jenem Sohn, der zuerst „Herr, Herr“ sagt, aber dann nicht das tut, was der Herr von ihm verlangt.

Das heutige Evangelium will eine Ermutigung zum Guten sein. Es zeigt uns, dass es nie zu spät ist umzukehren, den Weg des Unrechts und des Bösen zu verlassen und zu beginnen, mit Entschiedenheit das Gute zu tun. Es darf niemand von den so genannten Gerechten jemandem einen Vorwurf machen, der irgendwann im Leben beginnt, Ernst zu machen mit seinem Glauben, um den er sich zuvor nicht gekümmert hat. Denn große Freude ist im Reich Gottes über jeden Sünder, der sich bekehrt.

Umgekehrt ist das Gleichnis Jesu kein Freibrief, die Dinge von vornherein lockerer zu sehen. Wir dürfen die kostbaren Gaben des Lebens nicht vertun, sondern sollen es sinnvoll zum Guten einsetzen. Von daher handelt jener töricht, der zuerst sein „Ja“ zum Willen Gottes sagt, es aber dann zurückzieht. Gibt es auch für jenen wankelmütigen Menschen eine Rettung, eine Gnade der Umkehr? Er soll nicht damit spekulieren und darf nicht auf Vorsatz sündigen. Wohl aber ist vonseiten Gottes die rettende Hand immer geöffnet, sodass ein jeder Sünder, der untreu geworden ist, heimkommen darf zum Haus des himmlischen Vaters!

Beten wir und bitten wir Gott um die Beständigkeit einer treuen Liebe zu ihm! Wenden wir uns voll Vertrauen an die heilige Gottesmutter Maria, die in jeder Situation ihres Lebens Gottes Liebe treu geblieben ist. Sie zog ihr Ja-Wort zum Willen Gottes nicht zurück, das sie dem Engel bei der Verkündigung gegeben hatte, sondern blieb standhaft auch in Kreuz und Leiden. Darin zeigte sich ihre Liebe, eine Liebe, die stärker ist als alles Böse, ja selbst als der Tod! Amen