Predigt:
Gerufen in der ersten und letzten Stunde
25. Sonntag im Jahreskreis A (18.09.2011)
L1: Jes 55,6-9; L2: Phil 1,20ad-24.27a; Ev: Mt 20,1-16a
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Was wir an diesem Sonntag im Evangelium hören, ist wiederum ein Gleichnis für das Himmelreich, in das Gott uns ruft. Es handelt sich nicht um die Beschreibung einer idealen Wirtschaftsordnung; denn dann wäre der Einwand der Arbeiter der ersten Stunde berechtigt, die da fragen: Warum erhalten jene, die nur eine Abendstunde gearbeitet haben, gleich viel Lohn wie wir, die wir uns vom Morgen bis zum Abend gemüht und geplagt haben?
Es geht jedoch um etwas ganz anderes: um die Ausrichtung des Menschen im Leben auf Gott! Der Sinn des Lebens besteht darin, dass wir Gott erkennen, ihn lieben und ihm dienen. Der jeweilige Dienst, den wir zur Ehre Gottes ausüben, kann ganz verschieden sein: es gibt unterschiedliche Lebensstände, es gibt auch verschiedene Berufe, ja es gibt viele verschiedene Berufungen! Und wir dürfen überzeugt sein, dass Gott einen jeden von uns auf den Platz im Leben stellt, wo sie oder er am besten für das Wohl und Heil vieler Menschen wirken oder auch leiden kann.
Die Arbeiter im Gleichnis, die vom Gutsherrn zu verschiedenen Stunden des Tages für ihre Aufgaben angeworben werden, sind ein Hinweis darauf, dass nicht allen Menschen von Anfang an klar ist, was Gott von ihnen will. Manche vertun ihr Leben, ja sie handeln vielleicht sogar wider besseres Wissen und Gewissen und weichen einer als wichtig erkannten Aufgabe aus. Und dann kommt vielleicht doch auch für einen solchen Menschen im Leben die besondere Gnadenstunde, wo er durch irgendein Erlebnis erschüttert oder durch eine menschliche Begegnung im tiefsten Inneren ergriffen ist und so zum Nachdenken kommt. Er entschließt sich umzukehren zu Gott und wenigstens den Rest seines Lebens im Dienste Gottes und der Mitmenschen einzusetzen.
Da sagt uns nun das Gleichnis: Am Ende erhalten alle den gleichen Denar. Der Denar ist nämlich ein Bild für die Teilhabe an Gottes Herrlichkeit im Himmel. Der Himmel ist so etwas Großes, dass man ihn sich nicht verdienen kann. Die Gemeinschaft mit Gott im Himmel ist ein Geschenk der Gnade Gottes; insofern ist der Denar immer unverdient, ob nun einer viele Stunden oder nur wenige Stunden gearbeitet und sich abgemüht hat im Dienste Gottes und zum Wohl und Heil der Mitmenschen. Es wäre töricht, sich hier zu beklagen, dass auch der andere teilhaben darf an der himmlischen Seligkeit, der vielleicht in diesem Leben ein Spätstarter war oder die Zeit zuerst nicht recht genutzt hat, dann aber doch einsichtig geworden ist.
Ist es nicht trostvoll, dass es bei Gott nie zu spät ist? Solange wir auf Erden leben, gibt er uns eine Chance. Wir Menschen sind geneigt, andere dauerhaft abzuschreiben. Gott aber glaubt sozusagen immer neu an das Gute in uns; ja er weckt es in uns und zieht uns durch alles, was wahrhaft gut, schön und liebenswert ist, an sich. Gott ist groß im Verzeihen, heißt es in der Lesung aus dem Buch Jesaja. Welch ein Segen ist hier doch das Sakrament der Buße, die heilige Beichte!
Auch wir wollen uns uns freuen, wenn wieder ein Mensch zu Gott findet. Möge die Gottesmutter Maria vielen Suchenden den rechten Weg weisen, damit sie das Heil finden und so Gott verherrlichen! Amen
