Predigt:
Durch das Kreuz zur Auferstehung
22. Sonntag im Jahreskreis A (28.08.2011)
L1: Jer 20,7-9; L2: Röm 12,1-2; Ev: Mt 16,21-27
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Als Jesus sein bevorstehendes Leiden und Sterben ankündigt, da reagieren seine Apostel und Jünger – an vorderster Stelle Petrus – empört. „Das darf nicht geschehen, Herr!“ ruft er aus. „Gott möge das verhüten.“ Was gewiss ein Ausdruck echter Sorge um das Leben Jesu ist und insofern gut gemeint ist, ist hier dennoch eine totale Fehleinschätzung. Denn es liegt eben nicht im Plan Gottes, dass Jesus den Kreuzestod vermeidet; er soll und wird ihn vielmehr auf sich nehmen, um gerade so das Heil zu wirken und die Menschen von der Sünde und der Macht des Todes zu erlösen!
Nur so verstehen wir den scharfen Tadel Jesu: „Du hast nicht das im Sinn, was Gott will.“ Und er weist eben jenen Petrus, der von ihm zuletzt noch als „Fels“ bezeichnet worden ist, nun als „Satan“ zurück. Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als dass Jesus seiner Sendung treu bleibt. Der Satan hingegen bedient sich hier gleichsam der Sorge des Petrus und möchte Jesus eben dadurch zu Fall bringen.
Petrus hat nämlich das Entscheidende in der Leidensankündigung Jesu überhört: „Am dritten Tag wird der Messias von den Toten auferstehen.“ Er hat die Worte Jesu total missverstanden und sieht nur das Negative. Für ihn bedeuten Leiden und Kreuzigung Jesu die völlige Niederlage; er weiß noch nicht, was Ostern bedeutet und der Sieg über Sünde, Tod und Teufel in der Auferstehung Jesus Christi.
Wir können uns vielleicht ein Stück weit in der Reaktion des Petrus wiedererkennen und wiederfinden: Auch wir machen uns viele Sorgen, die auf den ersten Blick völlig berechtigt erscheinen. Bei näherem Zusehen allerdings kann es sein, dass wir etwas an sich Gutes verhindern wollen, weil uns der damit verbundene „Einsatz“ zu groß oder zu riskant erscheint. Und dennoch: Wir müssen immer wieder Entscheidungen treffen und dürfen dabei auch auf den Beistand Gottes bauen. Wer zum Beispiel erkennt, dass er zu Ehe und Familie berufen ist, weiß natürlich, dass dieser Lebensstand viel Opfer und Mühe bedeuten wird. Aber gerade das Große, Schöne und Erfüllende, das mit der ehelichen Liebe und dem Ja zu Kindern verbunden ist, lässt sich nicht ohne diesen Ganzeinsatz des Herzens erreichen, der eben auch so manchen Verzicht bedeutet.
Jesus will uns sagen, dass auch unser Lebensweg durch so manches Kreuz zur Freude der Auferstehung führen soll. Eben darum ruft er uns als seine Jünger auf zur Selbstverleugnung und zur Nachfolge. Wenn wir unser Leben um seinetwillen verlieren, werden wir es gewinnen. Das heißt, es kann vielleicht anderen Menschen so erscheinen, als ob wir zu kurz kämen im Leben und am wahren Leben vorbeigehen würden, wenn wir auf die Gebote Gottes achten. In Wirklichkeit aber gewinnen wir gerade so das wahre Leben!
Machen wir unser Leben zu einer Opfergabe der Liebe; dann bringen wir durch Gottes Gnade reiche Frucht, sodass viele Menschen im Guten bestärkt und zum Heil geführt werden. Amen
