Predigt:
Kreuzesnachfolge als Weg zum Leben
22. Sonntag im Jahreskreis A (28.08.2005)
L1: Jer 20,7-9; L2: Röm 12,1-2; Ev: Mt 16,21-27
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Es ist keine populäre Botschaft, die Jesus Christus, der Herr, seinen Jüngern verkündet: Er selbst werde am Kreuz sterben, und seine Jünger sollten ihm nachfolgen und in der Art und Weise, wie sie die Leiden, Beschwerden und Verfolgungen des Lebens und auch den Tod auf sich nehmen, das Kreuz mit ihm tragen. Kein Wunder, dass sich hier Protest geregt hat und sogar Petrus, der „Felsenmann“, erklärt hat: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen.“
Das heutige Evangelium warnt uns vor einem vorschnellen Triumphalismus in der Art, als ob wir die Auferstehung ohne das Kreuz haben könnten. Der Jünger steht nicht über seinem Meister, und wie dieser sein Leben hingeben wollte als Opfer der Liebe für uns Menschen, so sollen auch wir uns in Einheit mit ihm zu einer lebendigen Opfergabe machen im Dienst an Gott und unseren Brüdern und Schwestern (vgl. Röm 12,1).
Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist zugleich ganz der „Mensch für andere“. Sein Leben bestand darin, in allem den Willen seines himmlischen Vaters zu erfüllen. Dieser Wille zielt auf das Heil der Menschen, und so war Jesus dem Vater gehorsam in allem bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuze (vgl. Phil 2,8). Durch seine Liebe, in der er sich für uns hingegeben hat, hat der Herr gezeigt, dass es nötig ist, den Egoismus zu überwinden, der an der Wurzel jeder Sünde liegt. Sünde kommt von Absonderung und bedeutet Trennung von der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Versöhnung bedeutet die Wiederherstellung der verloren gegangenen Einheit mit Gott und den Menschen. Sie geschieht im Blut Christi und wird wirksam in den Sakramenten.
Erstmals werden wir der göttlichen Versöhnung teilhaftig im Sakrament der Taufe. Es tilgt jede Schuld, und wir werden eingegliedert in den geheimnisvollen Leib Christi. Diese Heiligkeit der Taufunschuld kann freilich befleckt werden oder sogar verloren gehen durch die Sünden des Lebens. Aus diesem Grund hat unser Herr Jesus Christus ein weiteres Sakrament eingesetzt, das uns die Versöhnung schenkt. Es ist das Sakrament der Buße, die heilige Beichte. Diesen Gnadenquell gilt es neu zu entdecken. Man schickt vielleicht noch die Kinder zur Beichte oder bemerkt es, dass alte Leute, die es so gelehrt wurden, noch ein Bedürfnis dafür haben. Allgemein jedoch ist in vielen Pfarren das Gespür für die Sünde und ihre Folgen und damit auch das Verlangen nach dem Bußsakrament zurückgegangen oder fast ganz verschwunden. Wir müssen Christus, dem Herrn der Kirche dankbar sein, dass es dieses Sakrament gibt und sollten es nicht vernachlässigen. Dass wir das Bußsakrament empfangen dürfen, ist keine Strafe, sondern ein Geschenk der göttlichen Liebe. Wir empfangen die Gnade Gottes im Kampf gegen die täglichen Sünden und Fehler. Wir werden im Guten bestärkt und auf einen geistlichen Weg gewiesen. Beginnen wir wieder damit, wo wir es vielleicht verlernt haben! Vielleicht ist eine Wallfahrt eine gute Möglichkeit zu einem geistlichen Neubeginn. Viele junge Menschen haben den Weltjugendtag in Köln genutzt zum Gespräch mit einem Priester und zum Empfang des Bußsakraments. Dabei haben sie die befreiende Wirkung dieses Sakraments neu erfahren. Auch in unserer Pfarre muss und wird es die Gelegenheit zum Empfang des Bußsakramentes weiterhin geben! Alle sind herzlich zum Empfang dieses Sakramentes eingeladen.
Das Kreuz Christi ist der Weg zum Heil und zur Auferstehung. Nur wer sein Leben in Liebe hingibt, kann es empfangen. Gefragt ist der tägliche selbstlose Einsatz für das Gute, für die Menschen um uns und in der Ferne – und in allem und vor allem für Gott, dem wir dienen dürfen. Dann werden wir das Leben um Christi willen gleichsam „verlieren“, aber das wahre Leben eben dadurch gewinnen. Die Fürbitte der Gottesmutter Maria, der ersten Schülerin des göttlichen Wortes, möge uns hierin begleiten! Amen
