Predigt:
Petrus, der Fels der Kirche
21. Sonntag im Jahreskreis A (21.08.2005)
L1: Jes 22,19-23; L2: Röm 11,33-36; Ev: Mt 16,13-20
Josef Spindelböck
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Die katholische und auch die nichtkatholische Welt blickt in diesen Tagen nach Köln, wo vom 16.-21. August der XX. Weltjugendtag stattfindet. Es handelt sich um ein gemeinsames Glaubenszeugnis vieler junger und auch älterer Menschen, bei dem sich die Vitalität der Kirche auf besonders eindrucksvolle Weise zeigt. Auch Papst Benedikt XVI. hat es sich nicht nehmen lassen, nach Köln zu kommen und feiert Sonntagvormittag die heilige Messe mit den anwesenden Teilnehmern, was auch über Radio, Fernsehen und Internet mitverfolgt werden kann.
Menschen aus allen Völkern und Nationen sind nach Köln gekommen und stellen auf ihre Weise die universale Kirche dar. Die Weltkirche ist wahrhaft „katholisch“, d.h. allumfassend, da sie keine Grenzen von Ort und Zeit kennt, sondern alle Menschen umfasst, die getauft sind und sich in der Einheit des katholischen Glaubens zur Kirche Christi bekennen. Die Kirche ist – längst bevor man das Schlagwort der „Globalisierung“ kannte – eine weltweite Größe. Jesus Christus hat die Apostel und Jünger ausgesandt, um den Menschen aller Völker das Evangelium zu verkünden. Viele haben die Botschaft des Glaubens angenommen und weitergegeben; auf diese Weise ist die Kirche präsent bei den Völkern.
Besonders eindrucksvoll tritt in diesen Tagen das Papstamt hervor. Es geht nicht um Personenkult, sondern um die Hinführung zu Jesus Christus. Eben dies ist die Aufgabe des Nachfolgers Petri. Er verkündet Jesus Christus als den „Messias, den Sohn des lebendigen Gottes“. Das Wort, das unser Herr damals zu Petrus gesagt hat, als er dieses Glaubensbekenntnis abgelegt hatte, gilt auch dem gegenwärtigen Heiligen Vater: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Der Glaube, den der Papst verkündet, ist keine menschliche Erfindung oder Entdeckung, sondern es handelt sich um Offenbarung von oben her, von Gott her. Glauben zu dürfen ist eine Gnade, und dafür braucht es ein bereites, offenes Herz. Gott widersteht den Stolzen, den Demütigen aber schenkt er sein Heil.
Über die Jahrhunderte hinweg hat die Kirche das Wort Gottes bewahrt und den Glauben unversehrt weitergegeben. Dabei leitet sie der Heilige Geist, der sie in alle Wahrheit einführt. Das Petrusamt ist das Fundament der Einheit der Kirche, da auf diese Weise die Einheit des Glaubens bewahrt wird. Als Papst Benedikt am Freitag, dem 19.08.2005, mit Angehörigen anderer christlicher Konfessionen zusammengetroffen ist, hat er erklärt, dass es die Einheit im Glauben nur in der Wahrheit geben kann und darf.
Im Lauf der Jahrhunderte sind viele Abspaltungen von der einen wahren Kirche Christi erfolgt. „Spaltungen stehen im Kontrast zum Willen Jesu und machen uns vor den Menschen unglaubwürdig“, sagte der Papst in Köln. In dem Maß, als man sich vom Felsen Petri getrennt hat, ist auch die Einheit des Glaubens verloren gegangen. Nur eine Neubesinnung auf das geistliche Dienstamt des Nachfolgers Petri, des Papstes, kann der Christenheit helfen, ihre Einheit in Christus noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen und zu verwirklichen.
„Die katholische Kirche erstrebt das Erreichen der vollen sichtbaren Einheit der Jünger Christi Diese Einheit besteht nach unserer Überzeugung unverlierbar in der katholischen Kirche.“ Das Papstamt wird in dieser Sicht nicht zu einem „Stolperstein“ auf dem Weg zur Einheit der Christen, sondern in Verbindung mit dem Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus als dem Sohn des lebendigen Gottes zum Felsen, auf den der Herr seine Kirche bauen wollte und den die Pforten der Hölle nicht überwältigen können.
Es ist nicht immer leicht, den katholischen Glauben in seiner Ganzheit und Unversehrtheit zu bewahren und zu bekennen, und doch ist dies wichtig. Lernen wir den Glauben noch besser kennen durch das Gebet, die Lesung der Heiligen Schrift und das Studium des „Katechismus der Katholischen Kirche“, der nun auch in einer Kurzfassung als „Kompendium“ vorliegt. Möge uns die heilige Gottesmutter Maria, die Mutter der Kirche, mit ihrer Fürbitte begleiten. Die Liebe Christi, die uns geschenkt ist und alles Begreifen übersteigt, wird uns den rechten Weg weisen, sodass wir das Ziel des ewigen Lebens bei Gott erreichen. Amen
