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Predigt:

Gib deinem Knecht ein hörendes Herz!

17. Sonntag im Jahreskreis A (27.07.2008)

L1: 1 Kön 3,5.7-12; L2: Röm 8,28-30; Ev: Mt 13,44-52


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was ist das Wichtigste im Leben? Ist es Gesundheit, Macht, Reichtum, Genuss – oder gibt es doch noch anderes, Wichtigeres, für das es sich zu leben lohnt und das unserem Dasein auf Erden erst seinen Sinn zu geben vermag?

Als Salomo nach dem Tod seines Vaters David König geworden war, da betete er zu Gott um jenes Wesentliche, auf das es im Leben nicht nur eines Königs ankommt.

Und obwohl Salomo nun eine besondere Machtstellung innehatte, die ihm eigentlich alles erlaubte, was er tun wollte, erkannte er, dass es töricht wäre und unter seiner Würde als Mensch und König, wenn er sich einfach so verhielte, wie viele andere Mächtige vor ihm und rings um ihn herum. Diese kümmerten sich weniger um das Wohlergehen der ihnen anvertrauten Menschen als viel mehr um die Stärkung und Festigung der eigenen Machtposition und die damit verbundenen persönlichen irdischen Vorteile.

So betete Salomo zu Gott, er möge ihm das eine Wesentliche und Notwendige geben, das er brauchte, um sein Amt als König verantwortungsvoll ausüben zu können. Der Inhalt seines Gebetes war: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Kön 3,9).

Um ein „hörendes Herz“ also bittet Salomo in seinem Gebet den Herrn, um ein Herz, das bereit ist, Gottes Wort und Weisung aufzunehmen, zu erwägen und zu bewahren, damit es Frucht bringt im Leben.

Nicht um ein langes Leben, um Reichtum oder um den Tod seiner Feinde hatte Salomo gebetet, wie man es von einem König sonst wohl erwarten würde, sondern um Weisheit und Einsicht flehte er Gott an, denn er wollte nicht nach Willkür herrschen, sondern auf das Recht hören und das Gute tun.

Einzig darauf – so die demütige und grundlegende Erkenntnis Salomos – kommt es an. Alles andere mag folgen und damit verbunden sein; doch was nützt es einem König, ja was nützt es überhaupt dem Menschen, wenn er sonst alles hat, was er sich an Reichtum, Macht und Genuss vorzustellen vermag, er aber letztlich ohne Einsicht in das Wahre und Gute ist, wenn er kein Ohr hat für das, was Gott in seiner Liebe zu uns Menschen spricht und was Gott uns oft auch in Situationen und durch Menschen mitteilt, bei denen wir es überhaupt nicht erwarten.

Gehen wir einen großen Schritt über Salomo hinaus; blicken wir auf den Anfang des Neuen Bundes, den Gott mit den Menschen in Jesus Christus schließen wollte. Eine Frau war ausersehen, den Erlöser, den wahren König der Menschen, zu empfangen und ihm das Leben zu schenken: die heilige Jungfrau Maria. Als ihr vom Engel Gabriel die frohe Botschaft verkündet wurde, da war Maria ganz Ohr für Gottes Wort. Sie überlegte und dachte darüber nach. Sie stellte Fragen, um besser zu begreifen, zweifelte aber nicht. In Maria finden wir auf vollkommene Weise das verwirklicht, was König Salomo für sich erbeten hat: Sie besaß wirklich ein auf Gott hörendes Herz.

Maria zeigt uns, wie wir als Menschen gegenüber Gott in Vertrauen und Liebe bereit und offen sein sollen. Sie war in echt fraulichem Engagement ganz und gar für Gottes Heilsplan verfügbar und hat im Namen der ganzen Menschheit das Ja-Wort gesagt zur Menschwerdung Gottes. So ist sie auch unsere geistliche Mutter geworden.

Im Blick auf die Gottesmutter Maria und im Vertrauen auf ihre Fürsprache bei Gott bitten auch wir den Herrn um ein zum Hören bereites Herz, das es versteht, das Wahre und Gute zu erkennen und das Bleibende und Beständige zu suchen. Dann wird uns von Gott ein Schatz zuteil, der uns nie mehr genommen werden kann! Amen