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Predigt:

Nur der Sohn offenbart uns den Vater

14. Sonntag im Jahreskreis A (03.07.2005)

L1: Sach 9,9-10; L2: Röm 8,9.11-13; Ev: Mt 11,25-30


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Um gute Beziehungen zu einem Menschen aufzubauen, ist es nötig, Vertrauen zu entwickeln. Je besser wir einen Menschen kennen, desto zutreffender wissen wir ihn einzuschätzen und desto eher sind wir geneigt, dieser Person zu vertrauen – oder auch nicht, je nachdem ob jemand dieses Vertrauen verdient oder nicht.

Wenn wir Gott lieben und ihm mit hoffnungsvollem Vertrauen begegnen wollen, dann müssen wir ihn zuerst kennen. Was man nicht kennt, das schätzt man auch nicht. Wenn wir Gott nicht kennen, dann bedeutet er uns nichts und wir gehen achtlos an ihm vorüber.

Wie aber lernen wir Gott kennen? Hier gibt es viele Wege. Ein möglicher Zugang führt über das Staunen, das wir empfinden, wenn wir die Welt als Schöpfung Gottes und unser eigenes Leben betrachten. Im Kirchenlied („Lobe den Herren“, GL 258) heißt es, dass Gott der Herr „alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt …“ Er ist es, „der künstlich und fein dich bereitet, der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.“ Die Welt und unser Leben ruhen in Gottes Hand, und jeder denkende Mensch hat die Möglichkeit, aus den Werken der Schöpfung Gott zu erkennen, den Ursprung und das Ziel all dessen, was lebt und existiert. Wenn schon die Werke Gottes so wunderbar sind, wie groß und herrlich muss dann erst der Schöpfer selber sein!

Darüber hinaus gibt es noch eine besondere Art und Weise, wie Gott sich kundmacht. Er tut dies in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus Christus und in der Sendung des Heiligen Geistes. Der dreieinige Gott offenbart sich nach außen: Er teilt sich mit in Liebe, und er ruft die Menschen in seine ewige und selige Gemeinschaft. So kann Jesus sagen (Mt 11,27): „Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“

Das heißt, wenn wir Gott, den Vater, kennen lernen wollen, dann müssen wir uns an den Sohn wenden und auf ihn hören. Ohne den Sohn Gottes können wir den himmlischen Vater nicht erkennen. Der Sohn Gottes weist uns den Weg zum innersten Wesen Gottes, das Liebe ist. Der Sohn Gottes kennt den Vater ganz, denn er ist von Ewigkeit als das „Wort Gottes“ von ihm „gezeugt“. Wer den Vater kennen lernen will, dem muss es der Sohn offenbaren.

Hier aber gilt: Nicht die Stolzen und Hochmütigen, die Anmaßenden und Überheblichen gewinnen die Erkenntnis Gottes und erhalten Zutritt zum Reiche Gottes; es gibt keine „gnostische Selbsterlösung“. Es sind vielmehr die Demütigen, die Armen und die Geringen, die von Herzen Suchenden und auf die Gerechtigkeit des Himmelreiches Hoffenden, die vom Sohn Gottes die frohe Botschaft empfangen und sie im Glauben annehmen. So kann Jesus den Vater als den „Herrn des Himmels und der Erde“ dafür preisen, dass er „all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart“ hat.

Unser katholischer Glaube ist vor allem ein demütiges Ja des Menschen zum Sohn Gottes, der uns im Heiligen Geist den himmlischen Vater offenbart. Weil wir Gott den Vater durch den Sohn kennen und ihm vertrauen, darum halten wir mit festem und unerschütterlichem Glauben an allem fest, was er uns offenbart hat. Gott ist der Wahre und der Treue, er kann uns nicht in die Irre führen. Gott will ja, „dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4).

Eben deshalb, weil wir Gott lieben, kann und darf es uns nicht gleichgültig sein, was wir von Gott wissen und woran wir glauben. Die Glaubensfortbildung muss uns ein Anliegen sein. Dem diente und dient auch weiterhin der umfangreiche „Katechismus der Katholischen Kirche“, der jetzt durch ein „Kompendium“ ergänzt worden ist, das in kurzer Form in der Art von Frage und Antwort die wesentlichen Inhalte des Glaubens zusammenfasst und bis zum Weltjugendtag auch auf Deutsch erscheinen soll. Auf diese Weise hat der katholische Christ eine Grundlage für das eigene Glaubensleben und auch für das Gespräch mit Andersgläubigen oder Nichtglaubenden, die auf der Suche sind nach der Wahrheit Christi.

Möge uns Maria, die glaubende und demütige Jungfrau, auf diesem Weg begleiten und mit ihrer Fürbitte bei Gott beistehen! Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass Gott denen nahe ist, die ihn suchen und ehren. In Liebe blickt er herab auf alle, die demütigen Herzens sind und die das Wort Gottes voll Glauben annehmen. Wenn wir wie die Jungfrau Maria von Jesus lernen und sein sanftes Joch annehmen, dann werden wir Ruhe finden für unsere Seelen! Amen