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Predigt:

Im Licht Christi wandeln

13. Sonntag im Jahreskreis A (26.06.2005)

L1: 2 Kön 4,8-11.14-16a; L2: Röm 6,3-4.8-11; Ev: Mt 10,37-42


Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Was die Kirche betet, das glaubt sie auch. „Lex orandi – lex credendi“: das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens. In diesem Sinn wollen wir uns heute dem Tagesgebet zuwenden, das der Priester an diesem Sonntag im Namen des Volkes an Gott richtet. Es ist ein sehr altes Gebet und stammt aus dem 1. Teil des „Sacramentarium Triplex“, welches sich in der Zentralbibliothek Zürich befindet und auf das Jahr 1000 zurückgeht.

Gott, unser Vater,
du hast uns in der Taufe zu Kindern des Lichtes gemacht.

Lass nicht zu, dass die Finsternis des Irrtums über uns Macht gewinnt,
sondern hilf uns, im Licht deiner Wahrheit zu bleiben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Amen.

(Tagesgebet des 13. Sonntags im Jahreskreis)

Das Tagesgebet besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil trifft die Aussage, dass wir in der Taufe zu „Kindern des Lichtes“ geworden sind. Im zweiten Teil betet der Priester darum, dass wir im „Licht der Wahrheit“ bleiben. Darüber wollen wir nun etwas nachdenken.

Wieso kann man die Taufe als „Erleuchtung“ bezeichnen? Christus, das ewige Wort Gottes, ist das „Licht vom Licht“, und wer in der Gemeinschaft mit ihm steht, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, der ist von der Finsternis des Irrtums und der Sünde hinübergegangen ins Reich des Lichtes. Die Osterkerze und auch die Taufkerze sind ein sprechendes Zeichen für diese Wahrheit.

Jeder Mensch sucht nach der Wahrheit über sich selbst und sein Leben. Wenn wir den Quell der Wahrheit gefunden haben – und das ist nur Gott allein –, dann wird unser Herz erleuchtet. Wir freuen uns, dass wir unser Leben als sinnvoll erfahren dürfen. Wir haben im Glauben teil an jener Gewissheit, die uns Hoffnung und Zuversicht gibt auch über den Tod hinaus. Denn sowohl der Ursprung wie auch das Ziel des Lebens sind in Gottes Liebe verankert.

Die Gnade der Gotteskindschaft, welche wir in der heiligen Taufe empfangen haben, macht uns zu „Kindern des Lichtes“, die nichts mehr zu tun haben sollen mit den „Werken der Finsternis“. Paulus schreibt: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“ (Röm 13,12). Wir wollen uns „als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus“ (Röm 6,11), wie es in der zweiten Lesung heißt.

Der zweite Teil des Tagesgebets lässt uns Gott bitten, dass er uns in der Taufgnade erhalte. Gott möge dafür Sorge tragen, dass wir nicht von neuem in die Finsternis des Irrtums verfallen, sondern im Licht seiner Wahrheit bleiben. Denn nur dann werden wir das Leben in Christus gewinnen (vgl. Mt 10,39).

Täuschen wir uns nicht: Es macht einen Unterschied, ob jemand das Licht des Glaubens hat oder nicht. Es ist nicht dasselbe, an welchen Gott wir glauben und zu welcher Religion wir gehören. Wir sind dankbar dafür, dass uns Jesus Christus den himmlischen Vater geoffenbart hat und wir im Heiligen Geist durch die Kirche Anteil haben an dieser Wahrheit. Leben wir daher so, dass wir die Wahrheit von der Liebe Gottes nicht verdunkeln. Lassen wir die Finsternis der Sünde nicht Macht über uns gewinnen. Dies aber vermögen wir nur, wenn uns Gott seine Gnade schenkt. Eben darum bitten wir ihn, weil wir darauf vertrauen dürfen, dass er uns erhört.

Als Kompass für unser Leben hat uns Gott das Gewissen geschenkt. Es ist ein inneres Organ, das ausgerichtet sein muss an der Wahrheit Gottes, wie wir sie im Wort Gottes vorfinden und wie sie uns die Kirche lehrt. Wenn das Gewissen irrt, dann mag es zwar sein, dass der Mensch entschuldigt ist, solange er diesen Irrtum nicht einsieht und nicht selber dafür verantwortlich ist. Dennoch sind wir verpflichtet, für die Bildung des Gewissens Sorge zu tragen. Wir müssen diesen Kompass sozusagen immer neu eichen, damit er uns wirklich den Weg weist zu unserem letzten Ziel, für das wir geschaffen sind.

So möge uns das Licht Christi allezeit erleuchten, damit wir – geleitet von unserer himmlischen Mutter Maria – einst eintreten dürfen in die Fülle jener Herrlichkeit, die uns verheißen ist im ewigen Reiche Gottes. Amen