„Gegrüßet seist du Maria,
voll der Gnade,
der Herr ist mit dir,
du bist gebenedeit unter den Frauen.“
Vgl. Lk 1,28.
Kaplan Dr. Josef Spindelböck
Predigt für den 8. Dezember 1996
Hochfest der ohne Erbsünde
empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
(zugleich 2. Adventsonntag, Lesejahr B)
L 1: Gen 3,9-15.20; L 2: 2 Petr 3,8-14; Ev: Lk 1,26-38
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!
Das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria fällt heuer mit dem 2. Adventsonntag zusammen. Wir stehen in der Vorbereitung auf Weihnachten und erwarten das Kommen unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus. Dabei ist uns der Blick auf seine heilige Mutter Maria keineswegs ein Hindernis, sondern vielmehr eine große Hilfe! Indem wir nämlich auf Maria schauen, wird uns zugleich das Geheimnis Christi, des Erlösers, offenbar. In Maria dürfen wir ja die reifste und vollkommenste Frucht der Erlösung verehren.
Die Kirche feiert heute das Geheimnis ihrer besonderen Auserwählung vonseiten Gottes: Maria wurde schon im Schoß ihrer Mutter, beim ersten Augenblick ihrer eigenen Empfängnis, vor der Erbsünde bewahrt und so von Gott geheiligt und mit der Fülle der Gnaden ausgestattet.
Als dieses Menschenkind von Gott erschaffen wurde, da strahlte die Heiligkeit und Gnade unseres Herrn Jesus Christus schon im voraus auf in ihr: Sie ist von Anbeginn die ganz Reine, die allzeit Heilige und Unbefleckte, die „Immaculata“.
Wenn wir uns nach dem Grund dieser besonderen Auserwählung Gottes fragen, dann können wir nur antworten: Um ihres Sohnes willen und um unseretwillen wurde Maria zu dieser vollkommenen Heiligkeit erwählt. Sie sollte ja die Mutter Gottes werden, und für Gott geziemte es sich einfach, daß nur eine von jedem Makel der Sünde freie menschliche Mutter ihn gebären sollte!
In Maria ist der erste erlöste Mensch sichtbar geworden. So wird sie auch die neue Eva genannt, die den neuen Adam, Jesus Christus, geboren hat. Sie ist jene Frau, deren Sohn der Schlange den Kopf zertritt (vgl. Gen 3,15). Sie selber stand nie unter der Herrschaft der Sünde und hat so schon von Anbeginn durch die Kraft des Erlösers über den Satan gesiegt.
Jesus Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit, und Maria darf mit Recht als die Morgenröte des Heiles bezeichnet werden. In ihrer strahlenden Heiligkeit leuchtet Christus auf, der aus ihr geboren werden wollte. In ihrer unversehrten Heiligkeit erstrahlt zugleich das Urbild der Kirche und jedes erlösten Menschen. So konnte sie der Engel als die Jungfrau „voll der Gnade“ begrüßen (vgl. Lk 1,28).
Wie sah dann aber das Leben der Gottesmutter aus? Ist sie dieser erhabenen Berufung Gottes auch immer treu geblieben? Ja, und zwar auf vollkommene Weise! Sie erfüllte wirklich in jedem Augenblick ihres Lebens den Willen Gottes und entsprach damit der Berufung zur vollkommenen Liebe.
Freilich blieben ihr Prüfungen und dunkle Stunden nicht erspart. Auch sie mußte den Pilgerweg des Glaubens gehen. Ihr Leben war nicht nur Verzückung und Ekstase, sondern sie kannte auch Leid und Verlassenheit. In unverbrüchlicher Treue bewahrte sie aber das Geschenk des Anfangs, die heiligmachende Gnade, und trug das Ja-Wort zu Gott durch ihr ganzes Leben.
So kann uns Maria auf wirksame und vollkommene Weise hinführen zum Fest der Geburt ihres Sohnes. Sie hat Jesus gekannt und geliebt wie kein zweiter Mensch. Ihre einzige Sehnsucht und Freude ist es, auch uns näher zu Jesus zu führen. Vertrauen wir uns ihr ganz an, dann werden wir den Erlöser finden!
Amen.
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